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Weltwirtschaftsforum setzt „globales Konsortium für die Kontrolle von digitalen Währungen“ ein

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos waren Kryptowährung einmal mehr ein heißes Thema. Eines der Ergebnisse intensiver Diskussionen ist die Gründung eines Konsortiums, das digitale Währungen steuern und kontrollieren soll. Aber es gibt auch abseits davon mehr Krypto-Nachrichten aus Davos, als wir zusammenfassen können.

Muss man das Weltwirtschaftsforum in Davos vorstellen? In dem beschaulichen Schweizer Bergort trifft sich seit einem halben Jahrhundert einmal im Jahr die globale Elite aus Wirtschaft und Politik, um gemeinsam zu beraten, wie es mit unserem Planeten weitergehen soll. Das in der vergangenen Woche stattgefundene 50. Treffen stand, wie derzeit fast alles, unter dem Banner der Sorge vor dem Klimawandel. Allerdings nahm auch das Thema „Bitcoin, Kryptowährungen und Blockchain“ eine äußerst prominente Rolle in den Diskussionen der etwa 3000 Teilnehmer ein.

Das wohl wichtigste Resultat dieser Diskussionen ist die Gründung eines „globalen Konsortiums für die Kontrolle digitaler Währungen“. Digitale Währungen seien, so die Pressemitteilung des Weltwirtschaftsforums, ein Werkzeug für die finanzielle Inklusion – was meint, dass die derzeit noch Bankenlosen einen Zugang zu digitalen Zahlungen erhalten sollen – was aber nur realisierbar sei, „wenn es mit einer guten Regierung verbunden wird“.

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Das englische Wort „Governance“ ist schwierig zu übersetzen. Es bedeutet einerseits die „Regierung“, hat aber eine eher prozess- bzw. tätigkeitsbezogene Wendung, und ist auch weniger stark als sein deutsches Pendant an eine staatliche Regierung gebunden. Stattdessen meint „Governance“ oft auch Kontrolle, Steuerung oder Strukturierung, unabhängig von einer Regierung. Daher wird es in diesem Text sowohl mit „Kontrolle“ als auch „Regierung“ übersetzt.

Dieses Konsortium sei „die erste Initiative, die führende Unternehmen, Finanzinstitutionen, Regierungs-Repräsentanten, technische Experten, Akademiker, internationale Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und Mitglieder des Forums auf einem globalen Level zusammenbringt.“ Das Konsoritium wird gemeinsame Lösungen für ein derzeit noch fragmentiertes Regulierungssystem ausarbeiten, das sich an den Zielen Effizienz, Geschwindigkeit, Inklusion und Transaparenz orientiert. Es soll regulatorische Ansätze finden, die diese Ziele repräsentieren und Vertrauen aufbauen.

Sehr viel genauer wird die Pressemitteilung leider nicht. Stattdessen listet sie Kommentare von vermutlich den Gründern des Konsortiums auf. Dies sind 15 einflussreiche Persönlichkeiten aus den verschiedensten Sphären, von Klaus Schwab, dem Gründer des Weltwirtschaftsforums, über die Vorsitzenden der Zentralbanken in Südafrika, Großbritannien, Kenia und Bahrain sowie mehrere große Banker und Unternehmer bis hin zu Joseph Lubin von ConsenSys, David Marcus von Facebooks Libra und Neha Narula von der Digital Currency Initiative der US-Eliteuni MIT, die wir daher kennen, dass sie auch mal zur Adressatin wüster E-Mails von IOTAs David Sonstebo wurde.

Wie üblich bei solchen Kommentaren findet man sehr viel heiße Luft. Sehr deutlich wird aber, dass die Beteiligten sich einig sind, dass Kryptowährungen dringend der Kontrolle bedürfen, um eine Chance zu haben, erfolgreich zu sein. So meint Mark Carney, der Governeur der Bank of England, dass Kontrolle „ein Kernpfeiler von jeder Art von digitaler Währung“ sei.

Teilweise spiegeln die Zitate eine gewisse Furcht vor den Umwälzungen durch Kryptowährungen, etwa wenn die ägyptische Ministerin für internationale Kooperation, Rania A. Al-Mashat, sagt, dass digitale Währungen „weitreichend Implikationen haben, von der inländischen finanziellen Stabilität zum internationalen Handel“ und es daher „notwendig sei, sie durch wohlinformierte und globale Maßnahmen zu regulieren.“

Gerne erklären die Mitglieder des Konsortiums aber auch, dass die Regulierung im Interesse der Kryptowährungen selbst liegt. So hofft etwa der Chefaufseher der Finanzen von Singapur, Tharman Shanmugaratnam, dass digitale Währungen ein großes Potential für schnellere und günstigere grenzüberschreitende Zahlungen, die finanzielle Inklusivion und das Ausmerzen illegaler Finanzströme hätten – allerdings nur, wenn sie anständig reguliert seien. Auch David Marcuse von Libra findet, dass eine „gute Regulierung“ wichtig für den Erfolg von digitalen Währungen ist, wie auch Joseph Lubin von der Ethereum-Entwicklungs-Schmiede ConsenSys es begrüßt, wenn die Zentralbanken ihre Rolle als Steuermänner der Wirtschaft auch in einer Zukunft der digitalen Währungen erhalten.

Die Gründung des Konsortiums ist ohne Zweifel die wichtigste Krypto-Nachricht aus Davos – aber längst nicht die einzige. Das englische Magazin CoinDesk hat eine Journalistin zum Weltwirtschaftsforum gesandt, die in mehreren Artikeln und Interviews ausgiebig darüber berichtet, wie die globale Elite Kryptowährungen diskutiert. Ein Muster scheint dabei zu sein, dass beinah schon Konsens darüber besteht, dass Geld digital werden muss und dass Blockchains ein wichtiges Teil des Puzzles sind – aber auch, dass Bitcoin nicht die Lösung ist. Ebenso finden Regierungen es interessant, dass Blockchain-Geld eine sehr hohe Transparenz bringt – während sie die Pseudonymität und auch Anonymität der gegenwärtigen Kryptowährungen eher sehr kritisch sehen.

Blockchain und Kryptowährungen waren auch schon in den vergangenen Jahren immer wieder ein Thema in Davos. Während dort aber meistens die Elite über Kryptowährungen geredet hat, ohne dass es eine nennenswerte Teilnahme von Prominenzen des Ökosystems gab, waren in diesem Jahr zahlreiche Vertreter von Krypto-Projekten anwesend. Bereits erwähnt haben wir Joseph Lubin von ConsenSys (Ethereum) und David Marcuse von Facebooks Libra. Dazu kommen noch Jeremy Allaire von Circle, der in mehreren Panel-Diskussionen teilnahm, sowie Charles Hoskinson von Cardano, der das Treffen nutzte, um mehrere Partnerschaften für seine noch immer nicht dezentrale Proof-of-Stake-Blockchain an Land zu ziehen.

Die chinesische Börse OKEx war ebenfalls anwesend, ihr Finanzmarktdirektor gab mehrere Vorträge zum Besten. Das ICO-Projekt LAToken veranstaltete das Blockchain Economic Forum am Rande des Treffens, bei dem auch Chris Giancarlo, der ehemalige Direktor der US-Aufischt für den Handel mit Futures, der mittlerweile ein eigenes Krypto-Startup anführt, sprach. Auch Ricardo Spagni („Fluffy“) von Monero war wohl anwesend, wenn auch nicht klar ist, ob er eine aktive Rolle einnahm. Darüber hinaus waren noch mehrere weitere Blockchain-Promis in Davos.

Auch wenn die Schlagrichtung der Diskussionen weit von dem liegen dürften, was frühe Bitcoin-Enthusiasten mit dem digitalen Geld einmal vorhatten – Davos 2020 zeigt, vielleicht mehr als alles andere, dass Kryptowährungen mittlerweile ein globales Phänomen wurden, das aus der Diskussion über die Zukunft von Wirtschaft und Finanzen nicht mehr wegzudenken ist.

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