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June 24, 2019
Nachrichten

Warum beschäftigt sich Facebook nun mit Blockchain?

Mark Zuckerbergs Schritt in Richtung Blockchain-Technologie könnte möglicherweise lediglich zur Verwirrung der Öffentlichkeit dienen. Oder auch nicht.

Facebook kündigte vor kurzem an, dass David Marcus, der ehemalige Leiter des Messengers, nun das Facebook-Forschungsteam zum Thema Blockchain führen werde. Derzeit erscheint es noch als schwierig einzuschätzen, wie dieser Schritt bewertet werden sollte. Ist es nur ein PR-Trick?

Der Cambridge Analytica-Skandal entwickelte sich zum PR-Albtraum für Facebook und stellte das Versagen der Firma in puncto Benutzerdatenschutz dar. Das Unternehmen könnte also durchaus ein wenig positive Berichtserstattung vertragen.

Und das ist genau das, was diese unerwartete Bewegung in Richtung Blockchain-Technologie ihnen nun gegeben hat. Nun versuchen Leute herauszufinden, was zur Hölle Facebook mit Blockchains wollen könnte.

Trotz all der Spekulation und Verwirrung war jedoch den meisten Krypto-Experten klar, dass Facebook früher oder später die neue Technologie erforschen würde.

Warum?

Weil jedes große Unternehmen in der Technologie-Industrie sich mittlerweile mit Blockchain-Technologie beschäftigt. Microsoft, Google, Amazon und sogar Apple haben alle bereits Blockchain-Projekte, daher kann Facebook es sich schier nicht leisten, dieser Innovation keine Aufmerksamkeit zu schenken.

Vor etwa einem Jahr hat Facebook Morgan Beller dazu gebracht, alles zu diesem Thema zu recherchieren, ohne ihm viel Unterstützung dabei zu bieten. Entweder fand Herr Beller also etwas Interessantes, oder es schien derzeit einfach eine gute Zeit zu sein, die Forschung in diese Richtung zu intensivieren, oder, wie viele Marktbeobachter vermuten, war es lediglich ein guter Zeitpunkt um positive Nachrichten in Verbindung mit Facebook zu bringen.

Allerdings ist es immer noch ein wenig beunruhigend zu wissen, dass Facebook so vorgeht. Eine Blockchain ist ein permanenter öffentlicher Online-Ledger (Online-Hauptbuch), der Transaktionen verarbeitet, die auf einer Vielzahl von individuellen Computern statt auf einem zentralen Mainframe basieren.

Die Technologie wurde vom mystischen Bitcoin-Erschaffer Satoshi Nakamoto erfunden. Nakamoto, welches nicht sein echter Name ist, hatte einen guten Grund für seine Arbeit an Bitcoin: Er wollte die Notwendigkeit von Zentralbanken und Kreditkarten-Unternehmen entfernen.

Die finanziellen Aspekte sind jedoch nur der Anfang dieser innovativen Technologie. Tron, eine Kryptowährung die von Jack Ma’s ehemaligem Lehrling Justin Sun geführt wird, will die Technologie für die Dezentralisierung des Internets verwenden.

Auf gewisse Weise entfernt dies die Notwendigkeit von Google und Facebook und es erlaubt Nutzern, das Internet ohne Mittelmänner zu nutzen.

Dieses Modell würde Widerstand ermöglichen, Zensur enorm erschweren und den Nutzern die Kontrolle darüber geben, auf welche Weise ihre persönlichen Informationen genutzt und verbreitet werden. In diesem Zusammenhang würde jedes Benutzerdatenstück das Äquivalent eines Krypto-Tokens sein.

Brittany Kaiser, die ehemalige Direktorin von Cambridge Analytica, kam im vergangenen April zu IOVO, in einem Schritt, der die Ironie der korporativen Welt neu definiert. IOVO ist eine weitere Blockchain-Organisation, die es Social Media-Nutzern ermöglichen soll, auszuwählen, was sie mit wem teilen.

Was, sie hatten noch nicht genügend Ironie für heute? Vielleicht interessiert Sie dann, dass so gut wie jeder, der etwas mit dem Facebook / Cambridge Analytica Skandal zu tun hatte, vorherig auf die ein oder andere Art und Weise mit Kryptowährungen gearbeitet hat.

Soziale Netzwerke basierend auf der Blockchain sind bereits verfügbar. Steemit ist ein gutes Beispiel hierfür. Es belohnt Benutzer mit Krypto-Tokens statt Likes. Zugegeben, es ist eine Kryptowährung, die für den Markt fast völlig irrelevant ist. Das Konzept ist damit jedoch schon gut dargestellt.

Es erscheint zweifelhaft, dass Facebook irgendeine Art von Dezentralisierung übernehmen würde. Das würde bedeuten, die Kontrolle über die Daten seiner Nutzer zu verlieren oder einfach nur ihre Monopol-Position zu verlieren.

Denn das wäre schlussendlich einem Firmen-Suizid ähnlich. Möglich ist auch, dass das Unternehmen lediglich die Technologie erforschen will, damit im Falle eines ernstzunehmenden Blockchain-basierten Konkurrenten das Unternehmen weiß, womit es zu kämpfen hat.

Motiv: Unbekannt

Es ist schwer, Facebooks Interesse an der Blockchain-Technologie ernst zu nehmen, abgesehen von einer Sache: Sie geben diesen Job an einige ihrer höherrangigen Führungskräfte. David Marcus war bisher für alle Eigenschaften des Messengers verantwortlich.

Kevin Weil und James Everingham, die auch im neuen Blockchain-Team sind, waren Leute mit wichtigen Führungspositionen auf Instagram. Warum sollte Zuckerberg drei seiner größten Stars dazu bringen, an unwichtigen Sachen zu arbeiten?

Andererseits könnte auch Büro-Poltik der Grund für den Personalwechsel sein. Möglicherweise sind Messenger und Instagram mittlerweile einfach so fortgeschritten, dass die drei Führungskräfte nach neuen Herausforderungen suchen.

Ihnen ein neues, herausfordernderes Spielzeug zu geben ist vielleicht die Art und Weise, in der Facebook sicherstellt, dass sie bleiben werden, anstatt woanders nach mehr Stimulation zu suchen.

Marcus ist bekannt dafür, ein Blockchain-Fan zu sein. Er war Präsident von Paypal und ist ein Zahlungsspezialist. Er besitzt Bitcoin seit sechs Jahren und lobt das Potenzial der aufkommenden Technologie oft.

Darüber hinaus ist er vor kurzem dem Vorstand von Coinbase beigetreten, welche als weltweit bekannteste Kryptowährungsbörse gilt.

Marcus hat Kryptowährungszahlungen von der Zahlungsoption von Facebook und Messenger zwar (noch) ausgeschlossen, da Kryptowährungen immer noch zu langsam und teuer sind. Aber vielleicht ist es jetzt seine Aufgabe, genauer in die möglichen Szenarien zu schauen. Wie auch immer, er liebt dieses Zeug.

Wer kann wirklich wissen, ob da etwas bei herauskommt? Vielleicht sollte den FaceCoin-Gerüchten trotzdem nicht viel Glauben geschenkt werden. Facebook hat die Werbung für Kryptowährungen sehr energisch verboten und hat mit vielen Regierungen der Welt Probleme. Ein neues Regelwerk ist also das letzte, was es braucht. Schlussendlich ist es so, dass einige Dinge allein durch PR nicht gelöst werden können.

 

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