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US-Aufsicht erlaubt Banken, Kryptowährungen in Verwahrung zu nehmen

Das Office of the Comptroller of the Curreny, die führende US-Bankenaufsicht, hat gestern den Banken des Landes durch einen offenen Brief erlaubt, Krypto-Assets in Verwahrung zu nehmen. Wer die Personalie an der Spitze des Büros kennt, ist wenig überrascht über diesen kryptofreundlichen Zug.

Im Prinzip haben Banken auch in den USA die notwendigen Lizenzen, um Finanzprodukte wie Bitcoin für ihre Kunden zu verwahren. Allerdings ist die konkrete Rechtslage undurchsichtig und unbestimmt, weshalb bisher noch keine Bank sich an Kryptowährungen gewagt hat.

Nachdem eine Bank beim Office of the Comptroller of the Currency (OCC), der obersten Bankenaufsicht der USA, angefragt hat, ob die Verwahrung von Kryptowährungen erlaubt ist, veröffentlicht das OCC nun einen öffentlichen Brief, in dem es Banken dieses Recht offiziell zugesteht:

„Uns ist klar, dass es einen wachsenden Bedarf dafür gibt, dass sichere Stellen, wie Banken, für ihre Kunden die individuellen kryptographischen Schlüssel verwahren, die mit Kryptowährungen assoziiert sind“, so der Brief. Der Bedarf dafür entstehe aus mehreren Gründen: So könnten Kryptowährungen durch den Verlust des Schlüssels irreversibel verloren gehen, während Banken eine sicherere Methoden anbieten könnten, um Schlüssel zu speichern. Ferner würden viele Investmentberater gerne Kryptowährungen für ihre Kunden anbieten und dafür die Verwahrleistungen von Banken nutzen.

Generell reagiert das OCC damit darauf, dass die Finanzmärkte zunehmend technologisch werden und es für Banken notwendig sei, neue Technologien zu nutzen, um ihren Kunden traditionelle Dienstleistungen anzubieten. Nur so sei es Banken möglich, „die Funktion als Finanz-Intermediär zu erfüllen, die sie historisch dabei spielen, wenn es um Zahlungen, Kredite und Verwahrungen geht.“

In dem Brief skizziert das OCC ferner die methodischen Unterschiede zwischen der Verwahrung herkömmlicher Werte und Kryptowährungen. Es erklärt, dass die Banken keine Werte an sich verwahren, sondern lediglich die Schlüssel, mit denen diese Werte auf der Blockchain verschoben werden können. Die sicherste Methode sei es, diese Schlüssel „kalt“ zu speichern, also in einer Wallet, die keine Verbindung zum Internet hat.

Der Chef des Büros, Brian P. Brooks, kommentiert den Brief damit, dass „wir sicherstellen müssen, dass Banken die finanziellen Bedürfnisse ihrer Kunden heute erfüllen können.“ Der Brief bringe klar zum Ausdruck, dass Banken dies nun auch dann können, wenn es um Kryptowährungen geht.

Mit dem offenen Brief leistet Brian Brooks das, was viele von ihm erwartet haben. Der ehemalige Chefjurist von Coinbase wurde im Frühjahr zum Chef des Office of the Comptroller of the Currency berufen und nimmt seitdem die Rolle des führenden US-Bankenaufsehers ein. Als solcher hat er versprochen, alles zu tun, um neue Technologien ins Bankenwesen einzuführen, darunter auch Blockchain und Kryptowährungen.

Die Verwahrung von Kryptowährungen durch Banken könnte ein Schlüssel dafür sein, dass Bitcoin und Co in Zukunft für „normale Bürger“ zu so etwas wie einem „normalen“ Geld oder Anlagemittel werden. Wenn die Banken erst einmal verstehen, dass die Sicherung von Bitcoins vergleichsweise einfach und effektiv geht – etwa als passwortverschlüsselte Wallet auf einem USB-Stick in einem Tresor, eventuell auch als Multisig – dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die meisten Banken ihren Kunden anbieten, Kryptowährungen zu verwahren.

In Deutschland wurde Banken die Verwahrung bereits durch ein Gesetz im vergangenen Jahr genehmigt. Seitdem suchen viele Banken, wie berichtet wird, nach Dienstleistern, die die technologische Infrastruktur bereitstellen – wobei der Fokus aber stärker auf der Tokenisierung traditioneller Finanzmodelle liegt als auf Kryptowährungen selbst. In der Schweiz hingegen ist man schon einen Schritt weiter, hier bieten mehr und mehr Banken bereits Kryptowährungs-Dienstleistungen an.

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