Technical analysis & news on Blockchain & Cryptocurrencies | Coincronica
Dienstleistungen Nachrichten

… und es wird gegabelt: Hardforks bei Monero und Ethereum

Eine Hardfork ist ein Upgrade, das nicht abwärtskompatibel ist. Alle müssen mitziehen, ein Netzwerkknoten, der es versäumt, die neue Version zu installlieren, verliert den Anschluss. In den letzten zehn Tagen haben gleich zwei wichtige Kryptowährungen eine solche Hardfork durchlaufen: Monero und Ethereum. Vor allem der neu eingeführte Mining-Algorithmus von Monero, RandomX, ist aufsehenserregend.

Für die Entwickler von Kryptowährungen liegt in einer Hardfork die Chance, neue Features einzuführen, die ansonsten nicht machbar wären. Allerdings ist eine Hardfork für sie auch die denkbar heikelste Operation.

Zum einen stellt sie eine gute Gelegenheit dar, mit kleinen Fehlern einen massiven Schaden anzurichten. Denn wenn jeder Knoten im Netzwerk upgraden muss, wird es niemanden mehr geben, der das Netzwerk rettet, wenn die Entwickler einen Bug einführen. Daher müssen die Änderungen durch eine Hardfork peinlich genau geprüft werden. Ein Fehler – und die ganze Währung kann potentiell kaputtgehen. Zum anderen wird jede Hardfork auch zur Machtprobe: Wird das Ökosystem – die Miner, die Investoren, die Börsen – den Entwicklern folgen? Oder wird ein neuer Coin entstehen, einer, der die neuen Regeln nicht übernimmt, also ein neuer-alter Coin, und wird er einen Teil der Marktkapitalisierung und Community absaugen?

Während Bitcoin (BTC) aus diesen Gründen Hardforks prinzipiell vermeidet, haben sie bei Coins wie Ethereum und Monero bereits Tradition. Bei diesen beiden Währungen bestätigt sich dabei regelmäßig, dass die Entwickler das Ökosystem fest im Griff haben. Es gibt keinen Widerstand gegen ihre Hardforks und keine ernsthafte Bewegung, die alte Version zu bewahren. Das macht die Entwickler mehr oder weniger zu Herschern über die Coins. Ob das für eine Sache, die beansprucht, eine dezentrale Währung zu sein, nun gut ist – es erlaubt stabile Hardforks, die neue Features einführen oder Regeln ändern.

Wir schauen uns an, was die Hardforks bei Monero und Ethereum erbracht haben.

Monero

Am 30. November gab es eine Hardfork bei Monero. Die Entwickler nennen sie ein “geplantes Netzwerk-Upgrade”, was zwar nicht falsch ist, aber auch die tatsächliche Tragweite der Hardfork kleinredet. Herrschaft beginnt eben immer auch bei der Sprache.

Der wichtigste Teil der Hardfork ist der neue Proof-of-Work-Algorithmus RandomX. Wir haben darüber bereits berichtet; er war eigentlich für die März-Hardfork geplant, wurde aber auch November verschoben. RandomX soll es verhindern, dass jemand Asics für Monero entwickelt; laut professionellen Testern ist RandomX der “hardwareunfreundlichste Hashing-Alorithmus” den es derzeit gebe. Das ist computertechnisch auch über das Mining hinaus spannend ist, etwa um Passwörter oder Schlüssel zu hashen.

Den Mining-Algorithmus zu ändern, ist so etwas wie die Königsdisziplin der Hardfork. Kein anderes Upgrade untermauert so sehr den Herrschaftsanspruch der Entwickler; während jede andere Änderungen auch in Kooperation mit den Minern geschieht, richtet sich dieses per Definition gegen sie. Es zeigt in überwältigender Deutlichkeit, dass nicht die Miner die Hosen anhaben, sondern die Entwickler; indem die Miner beim Upgrade mitziehen, schaffen sie sich selbst ab. Man könnte es damit vergleichen, dass ein Parlament für das Gesetz stimmt, das es selbst entmächtigt.

RandomX bremst nicht nur Asics aus, sondern zum Teil auch Grafikkarten. Das macht den neuen Algorithmus erst so aufregend. Laut monerobenchmarks.info sind Hauptprozessoren (CPUs) den Grafikkarten (GPUs) nun weit überlegen. Besonders moderne Prozessoren von AMD glänzen – etwa Epic, Ryzen und Threadripper – aber auch Intels i7 und sogar i5 toppen noch die besten GPUs. Das ist tatsächlich ein Meilenstein, eine gigantische Innovation, etwas, das man lange Zeit nicht für möglich gehalten hätte. Mining kehrt zurück zur CPU, was – theoretisch – die demokratischste und dezentralste Form des Minings ist. Schließlich hat jeder Rechner eine CPU. Es könnte wieder Spaß machen, auf dem Heim-PC zu minen, und wer einen Server gemietet hat, sollte schauen, ob er dort ein wenig Rechenleistung übrig hat. Dementsprechend ist auch die Hashrate von Monero kurz nach dem Upgrade rasant angesprungen, von etwa 300 auf 900 Millionen Hashes je Sekunde – falls man dies algorithemübergreifend vergleichen kann.

Allerdings könnte es auch problematisch sein, auf CPUs zu setzen. Denn die CPU ist die perfekte Hardware, um mit Schadsoftware zu minen; sie ist in jedem Gerät vorhanden, eine Grafikkarte – falls anwesend – anzuwerfen, verursacht Lärm und fällt auf, während die CPU vor allem bei nicht voller Auslastung kaum spürbar arbeitet. Damit könnte RandomX Monero (noch stärker) in die Hände der Botnet-Betreiber werfen. Ökologisch gesehen ist dies auch bedenklich, da es für solche Botnets egal ist, wie hoch die Stromkosten sind, womit die Marktmechanismen wegfallen, die dafür sorgen, dass das Bitcoin-Mining zum allergrößten Teil aus erneuerbaren Energien gespeist wird. Schließlich könnte RandomX Monero auch unsicherer machen, da Supercomputer, wie man sie in Forschungszentren hat, nicht mit Asic-Minern und kaum mit Grafikkarten-Farmen mithalten können, durchaus aber mit CPUs. Auch könnten große Computerclouds – etwa Google oder Amazon – das Monero-Netzwerk potentiell übernehmen.

RandomX ist das mit Abstand bedeutenste und beeindruckendste Feature der Monero-Hardfork. Aber die Entwickler haben auch noch weitere Änderungen eingeführt. So werden etwa lange Payment IDs ausgemerzt, was die Privatsphäre und die Usererfahrung verbessern soll. Ferner brauchen Transaktionen ab jetzt mindestens zwei Outputs. In der Regel haben sie das bereits, weil gewöhnlich ein Wechselgeld zurück an den Sender gibt, aber es gibt Fälle, bei denen User nur einen Output senden. Da dies die Privatsphäre dieser User reduziert, soll es nun nicht mehr möglich sein. Schließlich wird die Regel, dass eingehende Transaktionen für zehn Blöcke – etwa 20 Minuten – eingefroren sind, auf der Protokollebene gesetzt. Bisher war es nur eine Wallet-Regel. Auch dies dient – wie fast alles bei Monero – der Privatsphäre.

Ethereum

Bei der zweitgrößten Kryptowährung, Ethereum, lief gestern die Istanbul-Hardfork durch. Auch bei Ethereum redet man lieber von “Upgrade” anstatt von “Hardfork”, und auch hier gab es keinerlei Zweifel, dass das “echte” Ethereum das ist, das die Hardfork mitmacht. Alle Börsen und Wallets unterstützen die Fork, und auch wenn eine nicht geringe Anzahl von Knoten es versäumt hat, rechtzeitig upzugraden – je nach Zeitpunkt sogar die Hälfte -, darf man die Fork als gelungen betrachten.

Die Istanbul-Fork ist der zweite Teil des “Metropolis”-Upgrades. Es ist ein Zwischenschritt zum finalen Zustand von Ethereum, der mit der nächsten Hardfork erreicht werden soll; Metroplis merzt einige Fehler, die in den letzten Jahren entdeckt wurden, aus, und führt einige Wunschfeatures ein, die die Entwickler durch die Beschäftigung mit Ethereum entdeckt haben. Die Neuerungen von Istanbul sind aus nicht-technischer Perspektive weder bedeutend noch einfach zu verstehen, aber für Insider durchaus spannend.

Zunächst führt Istanbul zwei neue Op_Codes ein, also Skripte, um Transaktionen zu programmieren. Der erste heißt CHAINID. Er übergibt die ID der gegenwärtigen Chain an den stack, was vermutlich dabei hilft, die Blockchain zu identifizieren, auf der der Smart Contract laufen soll. Angesichts der verschiedenen Testchains – wie Ropsten – sowie der erwünschten Sidechains ist dies durchaus sinnvoll. Der zweite neu eingeführte Op_Code lautet SELFBALANCE und übergibt das gegenwärtige Guthaben eines Smart Contracts an die virtuelle Maschine von Ethereum. Der Zweck davon ist einfacher zu erkennen, so könnte ein Smart Contract etwa prüfen, ob er ausreichend Guthaben hat, bevor er eine Transaktion initiiert; oder er könnte Transaktionen bilden, die einen bestimmten Prozentsatz des gegenwärtigen Guthabens auszahlen.

Esoterischer sind die prekompilierten Verträge. Diese erlauben es, mathematische Operationen vorzukompilieren, die nicht oder nur durch einen großen Aufwand mit den existierenden Skriptcodes abgedeckt werden können. Daneben gibt es einige Änderungen in den Gaspreisen von Op_Codes, die einen werden teurer, die anderen günstiger; auf diese Weise planen die Ethereum-Entwickler, wie teuer es ist, Computeroperationen auf der Ethereum-Blockchain auszuführen. Neben diesen Änderungen gibt es noch einige weitere, kleinere Upgrades, etwa eine andere Berechnung der Gaspreise für auf der Blockchain gespeicherte Daten. Wie so oft haben solche zentralplanerischen Ansätze ihre negativen Nebenwirkungen, es scheint, als haben sie damit zahlreiche Smart Contracts lahmgelegt, die nun nicht mehr das Gas für ihre Ausführung bezahlen können.

https://platform.twitter.com/widgets.js

Eigentlich wollte Ethereum, ähnlich wie Monero, auch einen neuen Mining-Algorithmus einführen, ProgPOW, der Asics ausbremst. Die Ambition der Entwickler, in die Märkte fürs Mining einzugreifen, verbindet die beiden Kryptowährungen. Allerdings konnte sich die Ethereum-Community bisher nicht darauf einigen, ProgPOW zu implementieren. Daher sind die Upgrades der Istanbul-Hardfork weniger aufregend als die der jüngsten Monero-Hardfork. Stattdessen markieren sie einen langsamen und vorsichtigen Fortschritt auf der Ethereum-Blockchain, der weniger radikale Neuerungen bringt, als vielmehr das Spektrum der möglichen Smart Contracts erweitert und deren Umsetzung auf Basis der bisher gesammelten Erkenntnisse verbessert.

Related posts

Die Bitcoin-Techtage in München

Kathrin Jung

Venezuela: Bolivar kollabiert, Regierung bindet Währung an Kryptowährung

Kathrin Jung

Tether: Ein fliehender Schatz

Kathrin Jung