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Schlappe für Amaury: Doch keine Miner-Steuer für Bitcoin Cash?

Der Vorschlag der Miner, künftig verpflichtend 12,5 Prozent des Mining-Rewards an die Entwickler von Bitcoin Cash abzuführen, hat für hitzige, aber auch sachliche Diskussionen geführt. Nachdem klar wurde, dass der Vorschlag die Szene spaltet, zieht sich nun Bitcoin.com aus dem Abkommen zurück. Die Community geht vermutlich gestärkt aus der Kontroverse hervor.

Wie bereits berichtet, haben die Bitcoin-Cash-treuen Miner angekündigt, ab Anfang Mai 12,5 Prozent der Mining-Erträge an ein Unternehmen abzuführen, dass damit die Bitcoin-Cash-Entwickler bezuschussen soll. Durch das Blockieren von Blocks, die diese Steuer nicht bezahlen, soll die Abgabe für alle Miner von Bitcoin Cash verpflichtend sein.

Auf den Vorstoß hagelte es heftige Kritik. Viele prominente Mitglieder der Bitcoin-Cash-Szene äußerten ihre Empörung, mal schärfer, mal weniger scharf. Auf der Blog-Plattform read.cash entzündete sich eine spannende Diskussion, auf der sowohl Argumente für als auch gegen die Abgabe ausgetauscht wurden. So gut wie jede Persönlichkeit der Szene hat sich geäußert, und dargelegt, weshalb er den Vorschlag unterstützt und weshalb nicht. Dabei wurde in der Regel sehr sachlich, besonnen und geistreich argumentiert.

Eine der Kernfragen war es, ob die Abgabe eine Steuer ist oder nicht. Befürworter sagten, es sei keine, da eine Steuer nicht freiwillig ist, sondern jeden in einem bestimmten Gebiet betreffen. Sie sei daher eher eine Service-Gebühr für diejenigen, die Bitcoin Cash minen. Die Gegner meinten dagegen, es sei dem Wesen nach eine Steuer, die mit Zwang eingezogen wird; dass es keine staatliche Instanz ist, die von ihr profitiert, ändere daran nichts.

Wie Steve Patterson erkennt, teilt die Abgabe die Community in zwei Seiten: die einen, die von ihr profitieren, und die anderen, die von ihr nicht profitieren. Die ersten sind natürlich für sie, die letzteren gegen sie. Eindeutig für die Abgabe sind die ABC-Entwickler, die sich erhofften, die Hauptprofiteure zu sein. Neben mehreren anderen Entwicklern legte auch Leitentwickler Amaury Sechet dar, weshalb es sich bei ihr um keine Steuer handle, sondern eine gut durchdachte Abgabe mit einer intelligenten Mechanik. Amaury schlug zudem vor, dass die Erträge daraus nicht an eine Firma gehen, sondern direkt an Entwickler, die bewiesen haben, dass sie ernsthaft hinter Bitcoin Cash stehen, wie beispielsweise – so Amaury wörtlich – er selbst sowie Mengerian und Jonald Fyookball, die beide stets auf seiner Seite stehen.

Die Bitcoin Cash Szene steht zwar weitestgehend hinter Amaury, ist aber auch nicht darum verlegen, das oft ermüdend-giftige Auftreten ihres Chefentwicklers in Frage zu stellen. Die Idee, eine Abgabe an ihn ins Protokoll zu schreiben, lehnt sie größtenteils ab. Denn darum ging es nach kurzer Zeit: Zwar haben die Miner geplant, die Abgabe nicht zum Teil der Konsens-Regeln zu machen, doch es war schnell entschieden, dass dies viel zu riskant ist, weshalb die Befürworter der Steuer die Entwickler rasch aufforderten, sie doch mit der kommenden Hardfork zu einer Konsens-Regel zu machen. Dabei zeigte sich auch, dass die Risiken durch das Blockieren nicht-konformer Blöcke höher sind als erwartet, weil die ABC-Entwickler einige Regeln eingeführt haben, die es schwieriger machen, Ketten mit mehreren Blöcken wieder zurückzusetzen.

Zahlreiche prominente Köpfe von Bitcoin Cash gaben dieser Idee einen entschiedenen Korb. Insbesondere Bitcoin Unlimited tat sich hierbei hervor. Der konkurrierende Bitcoin-Cash-Client wird nicht nur von Amaury seit langem offen oder verdeckt angefeindet, sondern genießt auch den Vorteil, auf einer großen Menge relativ alter Spenden in Bitcoin (BTC) zu sitzen, die die Arbeit der Entwickler auf Jahre finanzieren. Nachdem Bitcoin-Unlimited-Chefentwickler Peter Rizun in drastischen Worten gegen die Abgabe argumentierte, zog Chefentwickler Andrew Stone nach und stellte ein BUIP – Bitcoin Unlimited Improvement Proposal – zur Wahl, das die Abgabe durch eine Softfork ablehnen soll. Ferner meldete sich eine Gruppe von Minern zu Wort, die die Steuer ablehnten und ankündigten, einen Mining-Pool zu gründen, der sich ihr verweigerte.

Schließlich erklärte Bitcoin.com, dass das Unternehmen den Plan nicht länger mittragen wird, solange sich das Ökosystem über ihn nicht einig sei und es das Risiko gebe, dass er zu einer Spaltung der Chain führe. Die Entwickler, die ein Funding wollten, sollten derweil klar formulieren, was sie leisten wollen und wie ihnen das Funding dabei hilft.

Für die Szene ist dies ein Sieg des Konsens, der Vernunft und der intelligenten, zivilisierten Auseinandersetzung. Damit dürfte Bitcoin Cash nach dem kontroversen Vorschlag der Mining-Steuer stärker dastehen als zuvor. Es ist möglich, miteinander zu reden, und Entscheidungen zu treffen, die die Community zusammenhalten.

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