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April 25, 2019
Dienstleistungen Nachrichten

Satoshi Pay bringt Stellar zu Springer

Die Axel Springer AG, Deutschlands größter Medienkonzern, geht eine Partnerschaft mit SatoshiPay ein. Das Ziel: Micropayments für Content in die Produkte der Springer AG zu bringen.

Höher hinauf geht’s eigentlich nicht mehr. SatoshiPay, ein Berliner Startup, das Mikro- und Nanopayments auf eine Blockchain bringen will, hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass es mit der Axel Springer AG “an einem gemeinsamen Angebot arbeitet, das es Usern erlaubt, für Content mit der digitalen SatoshiPay-Wallet zu bezahlen.” Dank der Blockchain-Technologie wird dies ermöglichen, “dass Zahlungen direkt vom Gerät des Senders zum Publisher gesendet werden, ohne einen Mittelsmann.”

Was dies konkret wann bedeutet – darüber bleibt die Pressemitteilung schwammig. Es heißt lediglich, “die Zahlungslösung von SatoshiPay” werde “als Teil des Projekts in die Produkte von Axel Springer integriert, um Erfahrung mit der Akzeptanz der User und den generellen Einkünften zu sammeln.” Valentin Schöndienst, Vizepräsident für neue Geschäfte bei Axel Springer, meint dazu, dass “Blockchain-Zahlungen die Transaktionskosten signifikant reduzieren und so neue Möglichkeiten schaffen können, Content zu monetarisieren.” Die Software von SatoshiPay mache es möglich, die Blockchain direkt einzusetzen.

Ganz so überraschend, wie man denken könnte, kommt dies nicht. SatoshiPay wurde bereits 2015 in das “Plug and Play”-Startup-Programm von Axel Springer aufgenommen und hat damit einhergehend eine Kapitalspritze des Medienkonzerns erhalten. Es liegt daher nahe, dass Springer sich bei den Versuchen, die PayWall neu zu erfinden, auf das Berliner Startup stützt.

Ein Erfolg der Aktion wäre für jeden wünschenswert, der im Internet Content produziert oder auch nur liest. Eine direkte Zahlung für einzelne Artikel würde die Verlage und Medienhäuser unabhängig von Werbeplattformen sowie Abomodellen machen. Zugleich würde es Modelle ermöglichen, bei denen es nicht wie bisher hauptsache darum geht, als erster mit einer skandalöse Überschrift viele lukrative Klicks zu generieren, sonderfn den Content zu liefern, den die Leser auch wollen.

SatoshiPay bietet beispielsweise an, dass die Leser einen Artikel Absatz für Absatz freikaufen. Das könnte für Verlage ein bisher unerreichbares Feedback darüber geben, an welchen Stellen wie viele Leser das Interesse verlieren, und es könnte die Autoren belohnen, die Stories schreiben, die auch tatsächlich zu Ende gelesen werden. Hierin liegt die einmalige Gelegenheit, nicht nur Journalisten aus ihrer finanziellen Krise zu ziehen, sondern auch tatsächlich die Qualität von Artikeln und Videos zu verbessern.

SatoshiPay hat sein Modell damit angefangen, Micropayment-Channels auf Bitcoin-Basis zu bilden, um winzige Transaktionen unberührt von den engen Limits der Bitcoin-Blockchain zu prozessieren. Ende 2017, als die Gebühren bei Bitcoin neue Hochs erreichten, entschied sich das Startup aber für einen radikalen Wechsel des Modells: Anstatt Bitcoin wurde das Geschäft auf Stellar verschoben. Dies hat den Vorteil, dass alle Aktivitäten wieder transparent onchain sind und sich das Startup nicht mit der schwierigen Technologie der Payment-Channels beschäftigen muss, sondern stattdessen an der tatsächlichen Zahlungslösung arbeiten kann.

Stellar ist eine Art Klon von Ripple, der versucht, ein Ökosystem aufzubauen, das sich weniger um eine Firma (Ripple Labs) konzentriert, sondern durch eine Stiftung dafür sorgt, dass die Lumen genannten Coins fair verteilt werden. Dies geschieht beispielsweise durch einen großzügigen Airdrop über Blockchain.info, oder auch durch ein Giveaway für SatoshiPay, das die ersten Transaktionen neuer Kunden der Plattform bezuschusst.

Ob die kaum benutzte Blockchain Stellar aber tatsächlich eine gute Wahl ist, muss sich noch zeigen. Bislang scheint das Angebot von SatoshiPay von Seiten der Kunden nicht sehr nachgefragt zu sein. Versuch mit etwa der International Business Times, dem Tech-Magazin The Register oder BTC-Echo verliefen relativ unaufregend. Das WordPress-Plugin von SatoshiPay habe ich bislang noch nirgendwo in freier Wildbahn gesehen, was dafür spricht, dass auch dieses in eher bescheidenem Umfang benutzt wird. Möglicherweise liegt dies auch daran, dass kaum jemand Stellar benutzt und es auch nicht eben viele gute Wallets für die Blockchain gibt.

Für Medien, die ein Interesse daran haben, ihren Content mittels Kryptowährungen zu monetarisieren, gibt es mittlerweile zahlreiche alternative Möglichkeiten. So macht etwa das Lightning-Netzwerk auch für Bitcoin ein echtes Micropayment möglich, wodurch die Netzwerkeffekte der mit Abstand stärksten Kryptowährung erhalten bleiben. Mikrozahlungen “onchain” sind dagegen auf etwa Bitcoin SV problemlos möglich, wo mit MoneyButton ein Werkzeug existiert, um Kleinstzahlungen auf die einfachste denkbare Weise auf Webseiten zu integrieren, und Yours.org ein Beispiel dafür abgibt, wie man Artikel und Videos auf die verschiedensten Methoden monetarisieren kann. Eine weitere Alternative wäre das Modell von Steemit, das eine eigene Blockchain für diesen Zweck benutzt und die Schöpfung neuer Einheiten an Upvotes von Artikel bindet. Dies hat den Effekt, dass die Monetarisierung stattfindet, ohne dass die User dafür bezahlen müssen.

Es gibt also verschiedene Ideen, wie Kryptowährungen den Journalismus retten können. Welche sich davon durchsetzt, ist eigentlich egal. Hauptsache, es passiert.

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