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Richter: Craig Wright soll 500.000 Bitcoin an Ira Kleiman bezahlen

Der Gerichtsprozess um den angeblichen Satoshi Craig Wright hat am Montag eine deutliche Wendung genommen. Der Richter Bruce Reinhardt hat in einem Statement sehr klar zum Ausdruck gebracht, dass er Wright kein Wort glaubt. Beobachter bewerten dies als eine Vorentscheidung für den gesamten Prozess. Wright scheint dem zuzustimmen – und kündigt an, dass das Ergebnis verheerend für Bitcoin (BTC) sein wird.

Es ist schwer, über den Gerichtsprozess zwischen Ira Kleiman und Craig Wright zu schreiben, ohne allzu weit auszuholen. Die Hintergrundgeschichte ist die, dass Craig Wright beansprucht, Satoshi zu sein – das dürfte allgemein bekannt sein – und dass der 2013 verstorbene Dave Kleiman sein Partner dabei war. Dessen Bruder Ira Kleiman, der das Erbe verwaltet, hat nun Anfang 2018 Wright um die stolze Summe von 500.000 Bitcoins verklagt, weil er behauptet, dieser Anteil stehe Dave zu, wurde diesem aber von Wright verweigert. Seit einigen Monaten läuft nun der Gerichtsprozess um diesen Anteil in Florida.

Eigentlich war der Prozess bisher nur im Status der „Erforschung“, bei dem geklärt werden soll, ob die Klage von Ira Kleiman überhaupt eine berechtigte Grundlage hat. Dabei wurden tausende, wenn  nicht hunderttausende oder Millionen von Daten ausgetauscht und geprüft. Der Prozess hat bereits jetzt zu einer Flut an Unterlagen geführt, die auf Courtlistener größtenteils öffentlich einsehbar sind.

Der bisherige Verlauf wirkt auf den ersten Blick ein wenig seltsam. Während die Seite von Ira Kleiman keine Beweise dafür vorzulegen hat, dass Ira einen Anspruch auf die Coins hat, verlangt das Gericht von Craig Wright, offenzulegen, welche Bitcoins er bis zum Tod von Dave Kleiman geschürft hat. Im Prinzip ging es bisher ausschließlich um diese Frage, und im Anschluss daran um die Frage, ob Wright das Gericht missachtet hat, indem er sie nicht zufriedenstellend beantwortet hat.

Diese Aufforderung hat dazu geführt, dass Craig Wright eine Geschichte von einem Tulip-Trust ausführt, in dem die Schlüssel für eine verschlüsselte Datei, in die die ganzen Coins gemined wurden, auf mehrere Parteien verwahrt sind. Der Tulip-Trust gehört auf eine rätselhafte Weise von Anfang an zu Wrights Satoshi-Geschichte, wurde während des Prozesses aber um viele Details erweitert: Anfang 2020 soll Wright durch schon vorher bestellte Kuriere den Zugang zu dem Schlüssel erhalten, der mit der Shamir’s-Secret-Technologie in mehrere Teile aufgespalten ist, die in der korrekten Reihenfolge zusammengesetzt werden müssen. Da die Bitcoins direkt in den Trust geflossen sind, kann Wright nicht einmal sagen, welche Coins ihm so zugefallen sind. Während Wright dem Gericht diese Geschichte erzählt, verstrickt er sich in den einen oder anderen Widerspruch; die Beweise, die seine Anwälte dafür vorgelegt haben, wurden von den Anwälten der Gegenseite in vielfacher Hinsicht als Fälschung entlarvt. Wright meint zwar, dies komme daher, dass sein Server gehackt wurde, doch das Gericht lehnt diese Erklärung offenbar ab.

Man kann es dem beisitzenden Richter Bruce Reinhardt nicht wirklich verdenken, dass er sein Resümee dieser Voruntersuchung mit beißendem Sarkasmus einleitet: „Tote Menschen können offensichtlich keine Geschichten erzählen, aber sie können (vielleicht) gebundene Kuriere schicken … Ich weise Dr. Wrights Zeugnis über den angeblichen Tulip Trust vollständig zurück, wie auch über die angebliche verschlüsselte Datei sowie seine angebliche Unfähigkeit, seinen Bitcoin-Besitz zu identifizieren.“ Reinhardt sieht „klare und überzeugende Beweise dafür, dass Dr. Wright den Aufforderungen des Gerichts auf eine intentionale Weise und in böser Absicht nicht nachkommt.“

Reinhardt beschließt – oder rät zu dem Beschluss – Sanktionen gegen Wright zu verhängen. So soll es ihm nicht mehr erlaubt sein, sich selbst zu verteidigen, während er die gesamten Gerichts- und Anwaltskosten der Gegenseite zu tragen hat. Alle relevanten Fakten sollten zugunsten von Ira Kleimans Seite verstanden werden, also in dem Sinne, dass Wright diesem 500.000 Bitcoins sowie die Hälfte des bis zum Tode von Dave entstandenen geistigem Eigentum überlassen soll.

Für Nicht-Juristen (wie mich) ist es schwierig, die Bedeutung dieses Statements einzuschätzen. Es handelt sich nicht um den offiziellen Prozess, sondern die Voruntersuchung; daher kann hier auch noch kein Urteil vorliegen. Der Prozess ist noch nicht entschieden. Da das Gericht offenbar meint, Wright habe unter Eid gelogen und dem Gericht falsche Beweise vorgelegt, kann sich Wright vermutlich glücklich schätzen, dass es keine strafrechtliche Klage nach sich zieht – auch wenn die bisher entstandenen Anwaltskosten bereits sechsstellig sein dürften.

Auf der anderen Seite sind die Sanktionen des Gerichts, meint der Krypto-Anwalt Stephen Palley, „prozessentscheidend.“ Er habe „in mehr als zwei Jahrzehnten Gerichtspraxis keinen Fall gesehen, in dem auf so brutale Weise in einem Prozess um viele Dollar geurteilt wurde.“ Wright habe, meint Palley, „den Fall verloren, weil er gelogen hat.“ Die Anordnung von Reinhardt sei zwar technisch nur eine Empfehlung an das Bezirksgericht. „Aber du kannst darauf wetten, dass sie übernommen wird.“ Der Fall werde sich noch auf die übliche Verfahrensweise in die Länge ziehen, es wird Einsprüche der Verteidigung geben, die wohl vom Gericht nach der üblichen Unternsuchung zurückgewiesen werden. Damit hat Wright den Prozess verloren, noch bevor er tatsächlich begonnen hat.

Für Wright ist das ohne Zweifel eine Schlappe. Er hat im Vorfeld immer wieder betont, wie wichtig ihm das Rechtswesen ist, und dass der Prozess alles ans Licht bringen wird. Die Entwicklung nun macht es schwer, diese Versprechungen ernstzunehmen. Kleinlaut ist er aber dennoch nicht. Dem Magazin Modern Consensus ist es gelungen, Wright unmittelbar nach seiner Heimkehr nach London zu interviewen.

Darin räumt er räumt zwar ein, dass es ihm „schon mal besser“ gegangen sein. Er steht aber weiterhin unerschütterlich zum Rechtswesen: „Wenn das Gericht eine Anordung macht, werde ich sie erfüllen. Und das Gericht hat eine Anordung gemacht. So einfach ist das.“ Dies sei aber weniger ein Problem für ihn als für Bitcoin: „Das Gericht hat mich angewiesen, ein wenig unter 500.000 BTC an Ira zu senden. Mal sehen, was das mit dem Markt machen wird. Ich hätte ihn nicht eingestürzt. Ich bin nett.“ Für Bitcoin (BTC) „kann das ein Problem werden. Sie müssen Ira überzeugen, die Coins nicht zu verkaufen.“ Bitcoin SV und Bitcoin Cash seien nicht betroffen, da es diese Coins zum Zeitpunkt von Daves Tod nich nicht gegeben habe.

Für den Autor, der Wright interviewt hat, gab es noch ein Nachspiel. Die Anwälte von Ira Kleiman haben ihm postwendend eine Aufforderung zukommen lassen, ihnen alle Unterlagen, die aus seinem Kontakt mit Wright entstanden sind, zuzusenden. Der Autor lehnt dies ab und bringt stattdessen einen Artikel über die doch recht zweifelhafte Rolle, die der Richter Reinhardt in einem Prozess um Kindesmissbrauch durch den kürzlich in einer New Yorker Gefängniszelle verstorbenen Milliardär Jeffrey Epstein gespielt hat.

Der Bitcoin-Preis spielt einmal mehr der Aussage von Wright in die Hände, indem er gestern unter die 10.000 Dollar Marke rutschte und insgesamt gut 6 bis 7 Prozent verlor. Allerdings dürfte dies weniger mit der Furcht der Anleger zu tun haben, dass Wright Ira tatsächlich 500.000 BTC überweist – auch wenn man die Restchance im Risikoprofil wohl nicht unterschätzen sollte – sondern mit einer neuen Wendung im Tether-Drama. Oder einfach nur mit dem Herdenverhalten auf den Märkten.

Das Vorurteil mag prozessentscheidend sein. Es ist aber noch längst nicht entscheidend für die Geschichte von Craig Wright. Zum einen bestätigt er irgendwie, dass Wright Satoshi ist – auch wenn Reinhardt erklärt, dass dies nicht die Aufgabe des Prozesses war. Hat Wright nun, wie er behauptet, tatsächlich 500.000 Bitcoins übrig? Falls ja, wie werden die Märkte reagieren? Falls nein – wie wird er sich vor dem Urteil flüchten? Wird sich die Schlinge um ihn zuziehen – und was wird das mit Bitcoin SV machen, dem Coin, in dessen Zentrum er steht, und der derzeit etwa mit CambrianSV eine Menge Entwickler-Aktivität anzieht? Es wird, so oder so, eher nicht langweilig werden.

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