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Platincoin, seriös oder Betrug?

Betrug Münzkiste mit Spielfiguren drauf.

Die Kryptowelt hat ein Vertrauensproblem. Dies kommt nicht von ungefähr. Viele Abzocker nutzen den Hype um das Thema um sich zu bereichern. Zahlreiche Ponzisysteme wie Onecoin, Bitconnect oder EXW Wallet welche Milliardenbeträge ergaunern konnten, haben der Aufstrebenden Kryptoszene bereits einen beachtlichen Imageschaden zugefügt. Leider ist zu beobachten, dass weiterhin täglich neue solcher Systeme entstehen. Einige kommen nicht weit, andere erreichen gefährliche Größe.

Auch werden die Methoden immer raffinierter. Reichte einst noch ein Blick auf coinmarketcap um die Seriösität eines Projekte zu prüfen, sind heutzutage bereits zwielichtige Projekte dort gelistet. Eines davon ist Platincoin. Nach Marktkapitalisierung wäre dieses Projekt sogar auf Platz 97 der größten Kryptowährungen. Coinmarketcap reiht es jedoch auf Platz 230 ein, weil es angeblich für eine normale Rangvergabe nicht berechtigt ist.

Wir listen einige Warnsignale auf, welche man bei Platincoin berücksichtigen sollte.

1.) Zentralesiertes Minen

Platincoin scheint im Gegensatz zu Onecoin tatsächlich eine Blockchain zu betreiben, jedoch ist deren tatsächliche Nachhaltigkeit sehr fragwürdig. Platincoin behauptet Proof of Work und Proof of Stake zu betreiben. Im Blockchain Explorer kann man nachvollziehen, dass bei den ersten 100 Blöcken insgesamt 600 Mio. Coins erschaffen wurden (6 Mio./Block). Dann ging die Blockbelohnung auf 0,005 Coins pro Block. Das wäre beim aktuellen Preis des Coins (rund 6€) um die 3 Cent.

Wenn man bedenkt, dass die Marktkapitalisierung 30,3 Mio. Euro beträgt, ist das ganze System ziemlich fragil. Eine hohe Hashleistung verlangt nach mehr Vergütung um die Hardware finanzieren zu können. Für 3 Cent pro Block wäre das ein verdienst von 29€/Tag insgesamt. Das heißt man könnte eine 30,3 Mio. Euro Blockchain ziemlich günstig angreifen. Die Proof of Work Komponente ist deshalb sehr fragwürdig.

Wenn man Mining oder Minting betreiben möchte, muss man sich auf der Homepage sogenannte Mintingpakete kaufen, welche dann Platincoins für die eigene Tasche generieren. Dabei bekommt man Coins geliehen (Proof of Stake). Dies ist äußerst fragwürdig. Warum sollte man beim nicht hardwareintensiven Proof of Stake Coins verleihen und nicht einfach selbst die Blöcke damit finden? Wäre wesentlich profitabler. Dass der Käufer eines Pakets dazu noch einen Profit schlägt, sollte die Alarmglocken klingeln lassen. Eine weitere Analyse zur Technik findet man hier.

Bei Platincoin scheint alles sehr zentral gehalten zu sein. Es gibt keine Anleitungen zum Aufsetzen und Betreiben von Knoten. Dafür wird massiv der Einstieg über die Homepage und den Mintingpaketen empfohlen.

2.) Fragwürdige Mininggeräte

Laut im Internet kursierenden Videos und Beschreibungen gibt es eine Art Mininggerät, welches als Securebox bezeichnet wird. Dieses Gerät kann man jedoch nirgends offiziell kaufen. Auch dieses vorgehen unterstreicht eine starke Zentralisierung. Es gibt nur Mintingpakete die man auf der Homepage von Platincoin kaufen kann, zudem gibt es nur Mintinggeräte die von Platincoin kommen. Dabei werden gute Gewinne versprochen. Wo kommen die guten gewinne her, wenn im Monat rund 150 Platincoins durch Mining dazukommen? Wahrscheinlich aus den Wallets wo sich die 600 Mio. vorgeminten Platincoins befinden.

Der Gründer von Platincoin Alex Reinhardt bewirbt das ominöse Mintinggerät Securebox

3.) MLM System im Hintergrund

Bei Platincoin läuft im Hintergrund ein MLM System, um diese Mintingpakete zu vertreiben. Es gibt mehrere Hierarchiestufen mit rückwirkenden Vergütungen bis in den Millionenbereich. Dies ist jedoch in Hinblick auf eine Kryptowährung sehr zweifelhaft. Eine Kryptowährung ist kein gewinnbringendes Produkt und unterliegt Marktschwankungen. Somit ist es schier unmöglich, dass sich das Provisionsmodell aus den Einnahmen des Produktes bedienen lässt. Im Gegenteil es ist davon auszugehen, dass das System kollabiert, wenn keine Neueinzahlungen mehr erfolgen. Die 150 Platincoins (Marktwert 900€) die pro Monat neu hinzukommen, können unmöglich die großen Gewinne einbringen, die das Provisionsmodell verspricht. Somit spricht man von einem illegalen Schneeballsystem bzw. Ponzisystem.

4.) Fragwüdige Vergangenheit des Gründers

Laut dem Gerlachreport und anderer Berichte war Alex Reinhardt der Gründer von Platincoin bereits Chef des gescheiterten Ponzisystems Swisscoin. Auffällig ist der gezielte Fokus auf die Gier der Menschen, welchen man bei Werbungen für Ponzisysteme immer wieder beobachten kann. Im obigen Video über die Securebox sieht man wie Reinhardt von Altersvorsorge und enormen Gewinnen spricht. Dabei sind Kryptowährungen eine hochriskante Anlageklasse. Kein seriöser Unternehmer würde derart unrealistische Versprechen.

Fazit

Es spricht viel dafür, dass es sich bei Platincoin um ein Ponzisystem handelt, welches so viele Investoren wie möglich um ihr Geld bringen will. Dabei hat sich das Projekt viel Mühe gegeben, um möglich authentisch zu wirken. Es gibt ein Blockchain, ja. Es wird auch Handel mit dem Coins betrieben. Wenn man aber genauer hinschaut, gibt es viele Widersprüche. Deshalb raten wir dringendst von einer Investition ab.

Es sind wie schon erwähnt im Moment eine ganze Menge Ponzis in Zusammenhang mit Krypto auf dem Markt. Wir empfehlen generell von MLM Systemen die irgendetwas mit Krypto zu tun haben, sei es ein Tradingbot oder ein neuer Coin usw., die Finger zu lassen. Es handelt sich so gut wie immer um Betrugssysteme.

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