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ODL in XRP vielleicht mit IPO

Ripple bzw. XRP legt gerade wieder kräftige Kursgewinne hin. Bei Tag betrachtet sieht es zwar längst nicht so günstig aus, wie auf den ersten Blick, doch es bleiben genügend Gründe, einen Blick auf das zu werfen, was bei Ripple derzeit geschieht. Die wichtigen Stichworte heißen hier ODL und IPO.

Der Preis von Ripple bzw. XRP ist in zwei bis drei Tagen von 23 Dollar-Cent auf mehr als 25 Dollar-Cent gestiegen. Das ist ein ordentlicher Anstieg und der stärkste, den eine Kryptowährung in der vergangenen Woche hingelegt hat. Die Marktkapitalisierung hat sich um gut eine Milliarde auf etwas mehr als 11 Milliarden Dollar erhöht.

Sieht gut aus, oder? Der Preis von XRP ist in den vergangenen sieben Tagen gut gestiegen. Dass das Handelsvolumen kaum mitgestiegen ist, könnte darauf hindeuten, dass es sich nicht um reine Spekulation handelt. Quelle: CoinMarketCap

Es lässt sich kaum bestreiten, dass Ripple einen exzellenten Start ins neue Jahr hinlegt. Am 4. Januar stand XRP noch bei 19 Cent und einer Marktkapitalisierung von 8,3 Milliarden Dollar. Allerdings muss man auch einräumen, dass Ripple gegen Ende des vergangenen Jahres geschwächelt hat und von 30 Cent Anfang November auf das Tief von 18 Cent gefallen ist. Noch deutlich schlechter sieht der Kurs im Einjahresverlauf aus: Im Juli 2019 hatte Ripple ein Hoch von 48 Cent. So gesehen sind auch 25 Cent noch immer ein ordentlicher Verlust.

Nicht mehr so schön: 1-Jahres-Chart von XRP. Quelle: ebenfalls CoinMarketCap.

Und wenn wir noch weiter heraus zoomen, wird die Performance geradezu verheerend. Im Januar 2018 stand XRP bei mehr als 2 Dollar, womit selbst nach dem Anstieg der letzten Tage – der im Gesamtverlauf nicht einmal richtig sichtbar ist – ein Verlust von rund 90 Prozent bliebe.

Geradezu verheerend: Der Allzeitchart von XRP. Immerhin deutet das steigende Volumen auf eine steigende Nachfrage hin. Quelle: ebenfalls CoinMarketCap.

Dennoch ist der jüngste Kursanstieg eine gute Gelegenheit, um über zumindest zwei der vielen Neuigkeiten von Ripple zu schreiben.

Ripple Inc möchte an die Börse gehen

Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos hat Ripple-Chef Brad Garlinghouse eine spannende Andeutung gemacht. „Im Lauf der nächsten zwölf Monate,“ so der CEO der Firma Ripple, „werdet ihr einige IPOs im Krypto-/Blockchain-Raum sehen. Wir werden nicht die ersten und nicht die letzten sein, aber ich erwarte, dass wir unter den führenden sind … das ist die natürliche Entwicklung unserer Firma.“ Eine IPO, Initial Public Offering, meint die erste Aktienausgabe eines Unternehmens. Seitdem der große Bitcoin-Miner Bitmain diese geplant hat, sind IPOs regelmäßiges Gesprächsthema in der Kryptoszene.

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Ripple will also Aktien herausgeben und das Unternehmen an die Börse bringen. Das wirkt auf den ersten Blick absurd. Schließlich hat Ripple – die Firma – ja gerade die Finanzierung durch Banken, Investoren oder Geschäftsgewinne weitgehend vermieden und durch den Verkauf der XRP-Token ersetzt. Diese sind am Anfang der Ripple- XRP-Blockchain direkt in die Wallet der Firma Ripple gewandert, die sich seitdem üppig über Wasser hält, indem sie diese Token auf den Markt wirft.

Der nun in den Raum geworfene Börsengang entzündet unter Ripple-Anhängern prompt die Phantasie. Ripple-Influencer Hodor schwärmt in einem Blogpost über das Potential des Börsengangs. Er betrachtet die großen Börsengänge der IT-Branche der vergangenen Jahre, etwa Uber, das 8 Milliarden Dollar eingeholt hat, oder Facebook, das gar auf 16 Milliarden kam, sowie den Kreditkartenanbieter Visa, der 18 Milliarden Dollar eingebracht hat. Mit dem gesamten Markt, „der Software, den Mikropayments, den Tokens, den Zahlungsströmen, Smart Contracts, sowie dem Investment in viele Firmen“ hält Hodor es für realistisch, dass Ripple gleichwertig oder höher wie Visa bewertet wird, geht aber, um konservativ zu bleiben, von knapp 5 Milliarden Dollar aus. So viel erhofft er sich also vom Börsengang der Firma Ripple. Das wäre etwa die Hälfte der derzeitigen Marktkapitalisierung von XRP und, so Hodor, beinah das Fünffache von dem, was die Firma durch den bisherigen Verkauf der XRP-Token eingenommen hat.

Das führt natürlich zu der folgenden, für XRP-Besitzer äußerst erfreulichen Vermutung: Nach dem Börsengang „werden die Verkäufe von XRP stark zurückgehen oder ganz aufhören.“ Das wäre, natürlich, klasse, weil es den Verkaufsdruck auf den Kurs von XRP nehmen würde. Die Kosten für den Betrieb der Firma Ripple würden dann nicht länger die XRP-Investoren tragen, sondern die Aktionäre – während Ripple über eine prall gefüllte Kriegskasse verfügte, die die Firma dafür einsetzen könnte, um XRP durch Entwicklungen, Partnerschaften und Werbung wertvoller zu machen. Win-Win-Win.

Aber hat Hodor den Wirt wirklich in die Rechnung eingeplant? Schließlich wollen Aktionäre auch Erträge sehen, und man darf vermuten, dass sie das bisherige Geschäftsmodell zur Ausgangsbasis ihrer Berechnung machen. Und das besteht, mit weitem, weitem Abstand, weder in der Werbung für XRP noch der Bereitstellung von Software, sondern im Verkauf von XRP. Gewöhnlich dient ein Börsengang nicht dazu, mit dem bisherigen, äußerst profitablen Geschäftsmodell zu brechen, um stattdessen von dem zu leben, was die Aktionäre investiert haben. Angesichts der bereits schwelenden rechtlichen Konflikte dürfte ein solcher Weg für Ripple recht problematisch sein.

Rasant steigende Liquidität on Demand

Aber abgesehen von den möglichen Plänen eines Börsengangs – wie sieht es sonst bei Ripple bzw. XRP aus? Gibt es daneben noch gute Neuigkeiten, die einen Anstieg des Kurses rechtfertigen? Ich würde sagen, ja, auch wenn noch viel Raum für Skepsis bleibt.

Die Liquidität der ODL-Korridore steigt nämlich fortlaufend und erreicht für die Märkte XRP gegen den Philippinischen und Mexikanischen Peso sowie Australische Dollar fast jeden Tag neue Allzeithochs. Das klingt nett – aber was bedeutet es?

Die Liquidität von ODL auf dem USD-MXN-Korridor laut dem Liquidity Index Bot

ODL steht für „On Demand Liquidity“ und meint eine Art Bündelung aller Produkte von Ripple wie xRapdi, xCurrent und xVia. Ripple ODL bietet, so die Webseite von Ripple, „sichere und günstige Echtzeittransaktionen“, bei denen die XRP-Token als Brückenwährung zwischen verschiedenen Währungen wie Dollar oder Peso dienen. Jemand kauft XRP mit, sagen wir, Dollar, und am anderen Ende des Korridors werden die XRP gegen sagen wir Philippinische Peso getauscht. Dieser Vorgang dauert nur einige Sekunden, so dass auch die Volatilität der XRP kaum schmerzhaft sein dürfte.

Benutzt wird ODL unter anderem durch den internationalen Zahlungsdienstleister MoneyGram (an dem Ripple nach einem Investment ungefähr 10 Prozent besitzt), die große internationale Freelancer-Plattform GoLance oder den Zahlungsdienstleister Flash FX. Mit diesen Nutzern steigt auch auf den beteiligten Börsen die Liquidität konstant an. Liquidität meint hier die Tiefe des Orderbuchs auf Börsen. Wenn mehr Liquidität bereit steht, können Kunden größere Werte tauschen, ohne dass dies den Kurs zu ihren Ungunsten beeinflusst.

Die beteiligten Börsen sind vor allem Bitstamp (Dollar, USD), Bitso (Mexikanische Peso, MXN) und Coins.ph (Philippinische Peso, PHP). Der gängige Weg scheint bei Bitstamp mit Dollar zu beginnen, um dann bei den beiden anderen Börsen entweder mit Mexikanischen oder Philippinischen Peseten zu enden, was dafür spricht, dass etwa Gastarbeiter Geld in ihre Heimat senden. Allein in den letzten 24 Stunden wurden laut Utility-Scan mehr als zwei Millionen Dollar gegen Mexikanische und mehr als 550.000 Dollar gegen Philippinische Peseten gewechselt; andersherum ist das Volumen eher dünn, aber immerhin wurden Australische Dollar gegen mehr als 100.000 US-Dollar gewechselt, und auch die Korridore von den philippinischen Peseten zu US-Dollar sowie Australische Dollar zu Philippinischen Peseten sind zumindest nicht gänzlich tot.

Es ist zwar schwierig, vom Volumen und der Liquidität auf Börsen auf ein tatsächliches Wirtschaftsgeschehen zu schließen. Schließlich könnte Ripple – oder andere große XRP-Investoren – die beiden Werte auch fälschen, um die XRP-Preise zu füttern. Aber es sieht zumindest sehr danach aus, dass XRP langsam, aber stetig in einen Markt eindringt, für den Kryptowährungen eigentlich als prädestiniert gelten, aber auf dem Bitcoin leider niemals so richtig Fuß fassen konnte: dem für internationale Überweisungen, speziell für den der Gastarbeiter, die aus einem Land der zweiten oder dritten Welt in eines der ersten Welt ziehen, um dort Geld zu verdienen, das sie zurücküberweisen, um damit den Lebensunterhalt ihrer Familie ganz oder teilweise bestreiten. Sollte es Ripple gelingen, diesen Markt zu erobern und die Überweisungen schneller und günstiger zu machen, wäre das eine von überschaubar vielen, wirklich nützlichen Funktionen, die Kryptowährung derzeit bieten.

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