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Lightning kommt zu Electrum

Die Lightning-Integration ist bei Electrum schon weit gediehen. Wir haben eine Vorversion getestet – und sind beeindruckt.

Electrum ist die weithin beliebteste Bitcoin-Wallet. Die bereits seit 2011 existierende Software vereint eine relativ intuitive und einfache Usererfahrung mit einem großen Funktionsumfang, der dem User eine deutlich bessere Kontrolle über seine Bitcoins gibt als jede andere leichte Wallet. Dass Electrum Lightning-Transaktionen integrieren wird, ist schon lange ausgemachte Sache. Der Leitentwickler Thomas Voegtlin berichtet schon seit Monaten über die Fortschritte und meint, dass Wallets, die kein Lightning verstehen, untergehen werden.

Seit einiger Zeit ist Lightning Teil der Entwickler-Version von Electrum. Wer die Wallet auf der offiziellen Webseite von Electrum herunterlädt, wird nicht in den Genuss von Lightning kommen. Wer dagegen die “Development Version” auf Github herunterlädt, kann schon mal austesten, wie die Electrum-Welt mit Lightning aussehen wird. Der Download ist nur möglich, wenn man bereit ist, Kommandos wie “git clone …” in die Konsole einzugeben. Dies dürfte für jeden, der ein wenig mit Software-Entwicklung arbeitet, kein Problem sein, und sollte auch für normale, aber interessierte Benutzer mit ein paar Minuten Zeit machbar sein.

Wer das geschafft hat, darf sich darauf freuen, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Die Wallet selbst muss bereits SegWit-Adressen benutzen, wer noch eine alte Wallet-Datei hat, muss eine neue erstellen und die Coins von der alten darauf überweisen. Danach kann man Lightning bequem aus der visuellen Benutzeroberfläche starten, indem man in der Menüzeile auf Wallet->Information navigiert und dort Lightning aktiviert. Danach muss die Wallet unter Umständen noch einmal neu starten, bevor man loslegen kann.

Unter Wallet->Info kann man Lightning aktivieren.

In der Regel verbindet sich Electrum nun automatisch mit anderen Lightning-Knoten. Man kann dies im Menü unter tools->Lightning nachprüfen. Sollte man keine Partner haben – oder ist zu ungeduldig – hilft der Weg über die Konsole. Diese aktiviert man über das Ansicht-Menü. In der Konsole muss man dann einen Befehl wie

add_peer(“030[email protected]52.50.244.44:9735”)

eingeben. Wer sich nun fragt, was die seltsame Zeichenfolge in der Klammer ist, muss einfach auf etwa die Webseite 1ml.com gehen, dort einige der großen Lightning-Nodes anklicken und dann den String über dem QR-Code kopieren. Schon hat man die Remote Node ID eines anderen Nodes.

Die Remote ID eines Nodes, den wir auf 1ml.com gefunden haben

Danach sollte man im Menü unter Ansicht bzw. View das “Channels”-Tab aktivieren, um seine Lightning-Channels zu verwalten. Zu diesem Zeitpunkt dürfte dieses Fenster noch leer sein, was man mit einem Klick auf “Open Channel” ändert. Danach muss man die Remote Node ID eines anderen Lightning-Knotens eingeben. Wie wir bereits wissen, kann man sich diese einfach bei 1ml.com abholen. Wer einen Channel mit einem großen Knoten eröffnet, hat bessere Chancen, mit seinen Zahlungen schnelle und günstige Routen zu finden. Ihr könnt euch natürlich auch mit meinen Lightning-Nodes MOBY_Blitz und MedioPay verbinden. Wenn ihr die Remote ID eingegeben habt, müsst ihr noch einen Betrag auswählen, den ihr in den Channel steckt. Wie bei noch experimenteller Software üblich, solltet ihr erstmal mit einem eher kleinen Beträgen beginnen, deren potentieller Verlust euch nicht schmerzen wird.

Anschließend heißt es warten. Der Channel wird erst nach drei Bestätigungen aktiv, je nachdem, wie viele Gebühren ihr bezahlt, kann das dauern. Ich habe gestern beim Testen 80 Cent draufgelegt und musste dennoch etwa ein bis zwei Stunden warten. Am besten ihr kocht euch einen Tee, lest ein wenig in “Schuld und Sühne” oder “Die Wohlgesinnten” weiter, spielt eine Runde Tennis oder Counterstrike oder telefoniert ausgiebig mit euren Verwandten. Sobald der Channel steht, könnt ihr frank und frei eure Bitcoins im Lightning-Netzwerk herumschubsen.

Der erfolgreich eröffnete Channel

Ich habe nur eine Transaktion an meinen eigenen Node, mit dem ich auch den Channel unterhalte, ausprobiert. Das klappte natürlich hervorragend, und die Zahlung war quasi in Echtzeit angekommen. Das Handling ist denkbar einfach, so, wie normalerweise die Adresse, an die man sendet, kopiert man die Zahlungsaufforderung in das “Sende an” Feld. Dann klickt man auf “Bezahlen”, und schon ist es passiert.

Die Invoice auf meinem LND-Node: Nach nicht mal einer Sekunde ist sie gesettlet.

Wie es mit weiter entfernt liegenden Nodes läuft, habe ich nicht ausprobiert. Ich nehme an, es wird wie bei allen Lightning-Wallets ablaufen. Da ich mich mit den großen Nodes wie von BitRefill oder Tippin.me verbunden habe, weiß Electrum über gut 4.500 andere Nodes und gut 31.000 Channels Bescheid, was quasi das gesamte Netzwerk abdeckt. Darin wird es eine Route suchen – was, nehme ich an, auf meinem PC viel schneller gehen wird als auf einem Smartphone – und diese dann ausprobieren. Je nachdem, ob die Liquidität in den Channels und Zwischenstationen passt, geht das dann schneller oder langsamer, kann in einer Sekunde durch sein, oder auch 10 Sekunden dauern.

Danach habe ich es anders herum probiert und Geld mit Electrum über Lightning empfangen. Dazu kann man wie bisher eine Zahlungsaufforderung ausfüllen, aber mit dem Klick auf den Lightning-Button eine Lighning-Invoice anstatt der üblichen Bitcoin-Invoice generieren. Diese Lightning-Invoice habe ich mit meinem Lightning-Node bezahlt, und im selben Moment kam das Geld auf Electrum an. Es gab zwar eine Fehlermeldung, aber das Geld war dennoch da. Auch hier habe ich nicht versucht, es über weiter entfernt liegende, nicht direkt verbundene Knoten zu senden.

In der Transaction History sind Lightning-Transaktionen gesondert markiert.

Der erste Eindruck ist sehr beeindruckend: Lightning hat auf transparente, aber einfach zu bedienende Weise den Weg in die Electrum-Wallet gefunden. Es gibt allerdings ein paar Nachteile, auf die ich hinweisen möchte. Erstens sind Coins, die man per Lightning empfangen hat, unter Umständen nicht sicher. Wenn man Electrum ausschaltet, könnte die andere Partei eventuell einen alten Status des Channels schließen und damit die Transaktion rückgängig machen. Daher bietet Electrum an, nach dem Schließen der Software weiterhin Lightning im Hintergrund laufen zu lassen. Aber auch dies ist kein Schutz, wenn man etwa den Computer herunterfährt oder ohne seinen Computer in Urlaub fährt. Hilfe sollen hier die sogenannten Watchtower bringen. Die sind schon als Option in den Menüs von Electrum integriert, aber noch nicht ausführbar.

Der zweite Nachteil betrifft die Backups. Eine normale Electrum-Wallet kann man durch den Seed sichern. Solange man diese Folge von Wörtern hat, kann man die Coins in der Wallet jederzeit wieder herstellen. Bei Lightning geht dies per Definition nicht, hier muss man nicht die privaten Schlüssel für Bitcoin-Adressen sichern, sondern den aktuellen Status der Channels. Das ist eine haarige und oft auch gefährliche Operation. Bisher gibt es bei Electrum noch keine Backup-Funktion für die Channels. Dies macht die Coins in Lightning-Channels quasi zu “Bitcoins zweiter Klasse”. Aber dafür kann man sie schnell und günstig überweisen.

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