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July 17, 2019
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Kurse am Montag: Ziemlich mieser Wochenstart

Die Preise purzeln, wohin man auch schaut. Ripple überholt Ethereum, Stellar zieht an Bitcoin Cash vorbei, und die Preise von Token sind im freien Fall. Eine Bestandsaufnahme und eine Suche nach Gründen.

Wer auf der Suche nach einem guten Grund ist, um schlechte Laune zu bekommen, braucht nur einen Blick auf Coinmarketcap zu werfen. Alle Coins sind tief in den roten Zahlen. Im besten Fall mit sieben oder acht Prozent, im schlechtesten mit weit mehr als zehn.

Die Top-Coin nach Coinmarketcap.com

Besonders verheerend sind die Verluste bei Ethereum, Stellar, EOS, Litecoin, Cardano – eigentlich überall. Bitcoin Cash (BCH) wird bei Coinmarketcap derzeit noch als Summe von ABC und SV gelistet. Auf Börsen, die Einzahlungen mit BCH wieder aktiviert haben, ist der Kurs bereits bei etwa 250 Dollar (anstatt 362, wie auf Coinmarketcap angezeigt). Damit dürften die Kursverluste von BCH bei mehr als 30 Prozent liegen.

So betrachtet hat der jüngste Crash zwei “Flippening” gebracht: Zwei der großen Coins wurden in ihrer Position im Coinmarketcap abgelöst. Zum einen hat sich Ripple auf den zweiten Rank vorgekämpft und damit Ethereum auf den dritten Platz verwiesen. Zum anderen hat Stellar Bitcoin Cash den vierten Rang streitig gemacht, auch wenn hier noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen aussteht.

Trotz einiger guter Neuigkeiten …

Auf den ersten Blick ist der Crash sehr seltsam. Denn es gibt einige hervorragende Nachrichten: Zum einen hat das Lightning-Netzwerk – die Hoffnung von Bitcoin, ein globales, günstiges P2P-Geld für den Alltag zu werden – am Wochenende einen riesigen Sprung gemacht. Zum anderen hat die die SIX Swiss Exchange – die größte Aktienbörse der Schweiz – angekündigt, dass sie ab dieser Woche ein auf Kryptowährungen basierendes börsengehandeltes Produkt einführen wird. Der HODL-Index wird den Wertverlauf von BTC, XRP, ETH, BCH und LTC nachbilden. Darüber hinaus haben Experten optimistische Prognosen abgegeben, dass der VanEcks Bitcoin ETF gute Chancen hat, Ende des Jahres als offizielles Anlagevehikel in den USA geführt zu werden. Das sind eigentlich alles ziemlich nette Nachrichten.

Warum aber fallen die Kurse dann, als gäbe es kein Morgen in Kryptoland? Wir suchen einige Antworten.

Einige mögliche Ursachen

Eine mögliche Ursache für den Crash finden wir in den Eigenschaften einiger Coins. Sowohl Ripple als auch Stellar sind Coins ohne Miner und ohne Proof of Work. Ihr Aufstieg im Coinmarketcap könnte eine Vermutung bestätigen, die zur Zeit relativ gängig ist: Dass der Crash das Resultat einer Verunsicherung der Märkte durch die BCH-Fork ist. Die Fork hat demonstriert, wie schwierig es ist, einen Coin mit Minern zu kontrollieren, und welche heftigen Konsequenzen es haben kann, wenn es zum Konflikt zwischen Minern und Entwicklern kommt. Ripple und Stellar werden von diesen Problemen nicht tangiert.

Auf der anderen Seite scheint ein ökosystemweiter Crash einem Coin wie Bitcoin Cash zu viel Bedeutung zuzumessen. Welche anderen Gründe könnte man sonst für den Crash finden?

Zum einen wäre da die übliche These, dass es Preise sind, die die Preise machen. Wir sind weiterhin im Bärenmarkt, und so, wie in jedem Drama die Katharsis auf die Hybris folgen muss, muss der Kurs der Coins einen Boden finden, wo nicht mehr die nackte Spekulationslust regiert, sondern eine echte Nachfrage. Ein gutes Zeichen dafür ist, dass die Anzahl der Coins, die eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde Dollar haben, heute auf 12 gefallen ist – mit IOTA, Tron, Monero und Cardano nur knapp über einer Milliarde. Ein schlechtes Zeichen ist es dagegen, dass Coin wie Ripple oder Stellar, deren Token weitgehend im Besitz einer Firma oder einer Foundation sind, weiterhin einen so hohen Wert haben.

Es gibt aber auch noch eine interessante Nachricht, die eventuell etwas mit dem Crash zu tun haben könnte. Und zwar hat die US-Börsenaufsicht SEC am Freitag zwei Krypto-Firmen dazu verurteilt, den Investoren in ihre ICO anzubieten, ihr Investment zurückzuerhalten. Die beiden Firmen sind Paragon Coin und CarrierEQ, zwei relativ bedeutungslose ICO-Firmen. Sie müssen zudem eine Strafe von 250.000 Dollar bezahlen, weil sie laut Ansicht der SEC mit den Token Wertpapiere herausgegeben haben, ohne eine aufsichtsrechtliche Erlaubnis zu haben.

Die Aussicht, dass dieses Urteil Schule macht, ist geeignet, Investoren in den Kryptomarkt einen gehörigen Schrecken einzujagen. Denn es gibt hunderte, wenn nicht tausende von ICO-Startups, die ziemlich viel Geld eingenommen, aber zum Ärger der Investoren kein echtes Produkt geliefert haben. Den Anlegern bleibt nun nicht mehr übrig, als zuzuschauen, wie die Kurse der Token zerbröseln. Für die ICO-Startups bedeutet das Urteil der SEC, dass sie womöglich ihre Coins verkaufen müssen – gegen Ether, gegen Bitcoin – um diese dann zu Dollar zu machen.

Ein Blick auf die Marktkapitalisierung der Token scheint diese Vermutung zu bestätigen. Hier sind heute Verluste von 15-20 Prozent eher normal, und es gibt mittlerweile kein ICO-Token mehr, das mehr als eine Milliarde Dollar wert ist. Auch die herben Verluste von Ethereum, das die Basiseinheit der meisten Token ist oder war, könnte diese Tendenz bestätigen.

Woran es auch liegen mag – die Kryptomärkte sind derzeit mitten in einem Gewitter. Ob und wann dieses reinigend wird, wird man sehen. Große Ideen sterben nicht – sehr wohl aber Hypes und Blasen.

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