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June 24, 2019
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Kryptowährungen gerne, aber bitte ohne Anonymität

Keine guten Nachrichten für Anonymität mit Kryptowährungen: Nach etwa einjährigen Ermittlungen schaltet eine niederländische Behörde einen der größten Bitcoin-Mixer ab. Eine Börse in Dubai nimmt derweil die privateren Kryptowährungen Monero und Zcash vom Handel.

Es war zu erwarten, dass die internationalen Regulierer gegen alles vorgehen werden, was Kryptowährungen und deren User anonym macht. In der letzten Woche wurden gleich zwei Fälle bekannt, in denen dies geschah.

Niederländischer Bitcoin-Mixer durch Behörden abgeschaltet

Zunächst hat die niederländische FIOD-ECD („Fiscal Information and Investigation Service“), eine Behörde am Finanzministerium, die gegen Betrug vorgeht, den Mixer „Bestmixer.io“ abgeschaltet. Laut einer Pressemitteilung von Europol gingen dem Zugriff Ermittlungen der FIOD, Europol und Behörden in Luxemburg seit Juni 2018 voraus, bei denen auch die Internet-Sicherheits-Firma McAfee geholfen hat. Die Pressemitteilung beschreibt Bestmixer.io als einen der größten Mixer für Kryptowährungen.

Mixer haben die Funktion, die Privatsphäre zu erhöhen, indem sie die Zahlungen verschiedener User zusammen mischen, so dass ein Blockchain-Beobachter nicht erkennen kann, wer wem was bezahlt hat. Bestmixer sei, so Europol, einer der drei großen Services gewesen und habe seit Mai 2018 Mixing-Dienstleistungen für Bitcoin, Bitcoin Cash und Litecoin angeboten. Insgesamt seien mehr als 200 Millionen Dollar oder 27.000 Bitcoins durch den Mixer gelaufen.

Die Ermittlungen gegen Bestmixer.io haben gezeigt, dass viele der durch ihn anonymisierten Coins einen kriminellen Ursprung oder ein kriminelles Ziel hatten. Daher vermutet Europol, dass der Mixer genutzt wurde, um kriminelle Geldströme zu verbergen und zu waschen. Dem FIOD gelang es, zahlreiche Daten der Plattform herauszufinden, darunter IP-Adressen, Transaktions-Details, Bitcoin-Adressen und Chat-Nachrichten. Diese Informationen werden mit Europol und den Polizeibehörden anderer Länder geteilt. Es ist also möglich, dass diejenigen, die über Bestmixer.io Coins gewaschen haben, bereits im Fadenkreuz der Ermittler stehen.

Ein Mixer ist an sich nicht illegal. Allerdings dürfte es illegal sein, einen nicht-regulierten Mixer zu betreiben, der darauf verzichtet, durch KYC (Know Your Customer) Verfahren die Identität der User zu ermitteln und eventuell auch verdächtige Transaktionen zu melden. Was einen Großteil des Sinns des Mixers zunichte machen dürfte. Die internationale Polizei geht bereits seit mindestens 2017 gegen illegale bzw. nicht regulierte Mixer vor.

Dubaier Börse delistet Monero und Zcash

Eine Alternative zu Mixern ist es, gleich Kryptowährungen zu verwenden, die Anonymität auf Protokoll-Ebene gewährleisten. Am bekanntesten dürfte hier Monero sein, das mit der Kombination von Ringsignaturen und Confidential Transaktions die vermutlich stärkste Anonymität für alle Transaktionen bietet. Ebenfalls recht bekannt ist Zcash, das durch Zero-Knowledge-Proofs vollständige Anonymität erreicht – aber nur für spezielle Transaktionen.

Ein Bericht der US-amerikanischen Finanzaufsicht FinCEN hat vor kurzem bestätigt, dass solche anonymen Kryptowährungen an sich nicht illegal sind. Allerdings verlangt die Behörde von Börsen, die den Handel mit diesen Währungen zulassen, dass sie die vollen Auflagen der Anti-Geldwäsche-Regulierung umsetzen. Dies kann für Börsen möglich sein, dürfte aber einen nicht geringen Aufwand bedeuten.

Nachdem einige japanische Börsen bereits vor gut einem Jahr begonnen haben, solche privaten Währungen vom Handel zu nehmen, folgt nun mit BitOasis eine der größten Börsen – wenn nicht die größte Börse – der arabischen Halbinsel. Die Börse hat, berichtet AMBCrypto, am 13. Mai eine Zulassung der hiesigen Finanzregulierung (FSRA) erhalten. Auf ihr konnte seit 2018 BTC, ETH, BCH, XRP, LTC, ZEC, XMR, ETC und XLM gehandelt werden. Nun hat die Börse aber offenbar die Kryptowährungen Monero (XMR) und Zcash (ZEC) vom Handel genommen.

Einige User reagierten wütend, weil BitOasis die Maßnahme offenbar vollzogen hat, ohne seine Kunden zu informieren. Die Börse hat über Twitter weitere Infos angekündigt, bislang aber offenbar noch nicht geliefert. Laut Reddit hat BitOasis jedoch einzelne User mit einem Brief über das Delisting informiert. Darin heißt es, dass man die beiden Währungen ab dem 31. Mai „vollständig“ vom Handel nehmen werde. Die User werden zudem aufgefordert, einige Fragen zu beantworten: Was sind die Quellen von XMR und ZEC, die auf die Börse eingezahlt wurden? Was war der Zweck von XMR oder ZEC, die auf BitOasis gekauft wurden? Wenn XMR oder ZEC von BitOasis auf andere Wallets tranferiert wurden – was war der Zweck dieser Überweisungen und wer war der Empfänger?

Die XMR oder ZEC können nach dem 31. Mai liquidiert werden. Allerdings wird BitOasis keine Auszahlungen gestatten, sondern lediglich die Konversion in Bitcoin oder arabische Dirham anbieten, um die Guthaben abzuziehen.

Wie steht es um dezentrale Mixing-Methoden?

All das ist nicht außerordentlich überraschend. Bitcoin wurde mittlerweile in den meisten Ländern der Welt erlaubt, was eine gute Nachricht ist, aber auch bedeutet, dass sich der regulatorische Nebel lichtet. Mit der Regelung, was legal ist, geht die Regelung einher, was nicht erlaubt bzw. streng reguliert ist. Und jegliche Methoden, Bitcoins oder andere Kryptowährungen zu anonymisieren, dürften in die Kategorie „nicht legal bzw. streng reguliert“ fallen.

Dass Börsen und zentrale Anbieter von Mixing-Dienstleistungen hier die naheliegenden Ziele sind, liegt auf der Hand. Es ist zu erwarten, dass wir in Zukunft ähnliche Nachrichten wie diese öfter hören werden. Interessanter wird es dagegen, was mit dezentraleren Methoden der Anonymisierung geschieht, etwa CashShuffle oder die Wallets Wasabi und Samourai, aber auch offchain-Methoden wie Lightning. Dies könnte noch ein spannendes Kapitel in der Zähmung von Bitcoin werden.

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