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February 19, 2019
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Kryptopreise rutschen auf neuen Tiefpunkt: Bärenjahre sind eben keine Herrenjahre

Seit Anfang August fallen die Kurse der Kryptowährungen wieder. In der letzten Woche hat sich der Abschwung beschleunigt, um am vergangenen Samstag ein vorübergehendes Tief zu erreichen. Woran liegt es – und hat der Bärenmarkt jetzt endlich seinen Boden gefunden?

Für die Investoren in Kryptowährungen dürfte das bisherige Jahr 2018 fast durchgehend frustrierend sein. Nachdem die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen Anfang Januar ein Allzeithoch von unfassbaren 813 Milliarden Dollar erreicht hat, begannen die Kurse aller Coins zu fallen. Die einen schneller, die anderen langsamer.

Die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen seit Anfang des Jahres. Quelle: Coinmarketcap

Im April schien die Marktkapitalisierung bei etwa 250 Milliarden Dollar einen Boden gefunden zu haben. Das ist nicht mal ein Drittel der Spitze der Blase, aber an sich schon ok. Ein euphorischer Aufschwung trieb die Kurse den gesamten April über hinauf, bis die Marktkapitalisierung Anfang Mai wieder fast 500 Milliarden Dollar erreicht hatte. Von dort aus ging es jedoch wieder abwärts, langsam, aber stetig. In der vergangenen Woche zeigte sich, dass 250 Milliarden Dollar doch kein belastbarer Boden ist. Die Marktkapitalisierung bracht durch die Marke und erreichte am Samstag mit 206 Milliarden Dollar ein vorläufiges Tief.

Das Unheimlichste an diesem ökosystemweiten Wertverfall ist vielleicht, dass er keinen direkten Grund zu haben scheint. Die letzten Wochen sahen einige durchgehend positive Nachrichten, etwa die Hoffnung auf einen neuen Bitcoin-ETF oder die Ankündigung von Bakkt. Auch technisch schreiten die großen Kryptowährungen weiter voran:

Bitcoin kommt der Anwendung von Schnorr-Signaturen näher, während sich das Lightning-Netzwerk immer weiter ausbreitet; Bitcoin Cash hat in mehreren Spam-Wellen bewiesen, dass das Netzwerk 8MB-Blöcke verkraften kann, während die Entwickler mit verschiedenen Projekten vorangehen; und Ethereum verzeichnet immer mehr Anwendungen, neue Dapps und ist mit den Plasma-Cash-Sidechains im Begriff, seine Kapazitätsprobleme zu lösen.

Die Kryptowährung Stratis hat mehr als 90 Prozent seit der Spitze Anfang Januar abgebaut und gehört damit zu den besten Wertvernichtern 2018. Quelle: Mal wieder Coinmarketcap.

Warum also sinken die Preise dennoch? Der Grund dürfte schlichtweg der sein, dass sie fallen wollen. Dafür brauchen sie keine schlechten Nachrichten, und davon lassen sie sich durch gute Nachrichten nicht abhalten. Die Märkte vertrauen den hohen Kursen nicht. Investoren sind nicht bereit, bei diesen Preisen nachzukaufen, während es sich für die Miner offenbar rentiert, weiterhin zu verkaufen. Der Trend ist eindeutig, wir sind seit Februar in einem sogenannten “Bärenmarkt”: Die Mehrheit der Anleger erwartet, dass die Preise weiterhin fallen. Wir haben bereits Anfang Februar vor dem Bärenmark gewarnt (Willkommen im Bärenmarkt) – und leider Recht behalten.

Auch bei IOTA sieht es nicht viel besser aus. Verlust seit der Spitze knapp 90 Prozent. All die, die gehofft hatten, den neuen Bitcoin zu kaufen, dürfen nun Verluste vergleichen.

Ein solcher Markt ist anstrengend, frustrierend und ermüdend. Bärenjahre sind, möchte man den alten Spruch verbiegen, eben keine Herrenjahre. In einem Bärenmarkt überlebt nur der, der liefert. Man muss arbeiten und Leistung zeigen. Ein solcher Markt fungiert immer – nicht nur bei Kryptowährungen – als eine Art Filter oder, um es positiv zu wenden: als eine schöpferische Zerstörung. Die Märkte werfen die Verlierer ab, aber tragen die Gewinner fort. Es kommt zu Pleiten, Untergängen und einer Zentralisierung der Akteure. Google, Amazon und Facebook sind etwa die Kinder des Bärenmarktes nach der Dotcom-Blase.

Bei Bitcoin kennen wir den Bärenmarkt bereits aus der Phase zwischen der Blase Ende 2013 und dem finalen Boden im Januar 2015. Damals jedoch bestand das Ökosystem fast nur aus Bitcoin, und wenn man von Untergängen geredet hat, dann hat man Unternehmen wie Börsen gemeint. Heute hingegen spielt sich die Konkurrenz vielmehr zwischen den Währungen ab. Coinmarketcap, die Referenzseite für das Ökosystem, listet 1818 Kryptowährungen auf.

Die erste und führende Kryptowährung, Bitcoin, hat während der letzten acht Monate nicht nur ihren Rang an der Spitze erhalten, sondern deutlich ausgebaut. Der Anteil von Bitcoin an der gesamten Marktkapitalisierung – einer der spannendsten Werte des Ökosystems – erreichte letzte Woche wieder mehr als 50 Prozent. So hoch war der Wert zuletzt im Dezember 2017. Bitcoin ist eben weiterhin der Standard der digitalen Währungen. Das Geld, mit dem weiterhin am häufigsten bezahlt wird, und das Finanzprodukt, das auf den Börsen die meisten Liquidität aufbringt.

Der Anteil von Bitcoin an der gesamten Marktkapitalisierung: Einer der wenigen Charts, die 2018 gut aussehen. Quelle: Coinmarketcap.

Mit einem Kurs von derzeit 6500 Dollar hat Bitcoin seit der Spitze von rund 20.000 Dollar etwa zwei Drittel vom Allzeithoch abgelegt. Das ist viel – aber es ist nichts im Vergleich zu den Verlusten, die Anleger in andere Kryptowährungen einfahren mussten. Siacoin beispielsweise, im Marketcap auf Rang 41, hatte im Januar einen Spitzenpreis von etwas mehr als 10-Dollarcent, und rangiert heute bei etwa 5 Cent. Nicht viel besser sieht es bei Stratis aus, das von 20 auf 1,60 Dollar gefallen ist, IOTA, das von gut 5 Dollar auf gut 50 cent nachgegeben hat, oder TRON, von dessen 24 Cent nur noch 2,2 geblieben sind. Und so weiter.

Verluste von 90 oder mehr Prozent sind in diesem Bärenmarkt keine Ausnahme für Coins, für die es ein fast ausschließlich spekulatives Interesse gibt, das rapide einknickt, wenn der Hype vorüber ist. Man darf annehmen, dass dieser Bärenmarkt noch die Zerstörung von einigen Coins sehen wird, die während der Blase zum neuen Bitcoin hochgejubelt worden sind.

Auch Siacoin hat mächtig verloren und sich damit einen Platz in der Parade der schlechtesten Investments 2018 verdient.

Wie wird es weitergehen? Wer im Januar darüber geklagt hat, dass die Preise zu hoch für den Einstieg sind, dürfte jetzt seine Chance wittern können. Es hat sich nichts grundsätzliches verändert. Wer im Dezember gemeint hat, dass Kryptowährungen die Zukunft sind, hat keinen Grund, dies heute nicht mehr zu meinen. Außer den fallenden Preisen eben.

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