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August 19, 2019
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Iranische Zentralbank genehmigt goldgedeckte Kryptowährung

Erst Facebook, dann Teheran: Kryptowährungen ermöglichen es, die Dominanz des Dollars im Welthandel zu brechen. Der Iran möchte nun mit einer goldgedeckten digitalen Währung die Abhängigkeit von der USA im Finanzwesen brechen.

Die Zentralbank des Irans hat vor kurzem die Herausgabe einer neuen Kryptowährung genehmigt. Diese werde, so Shabab Javanmardi, Geschäftsführer von „Iranian Information and Communication Technology“, durch Gold gedeckt sein, „aber so ähnlich funktionieren wie andere Kryptowährungen.“

Ihr Zweck sei es, so die nicht ganz eindeutig interpretierbare englische Übersetzung von Asia Crypto Today, „die Nutzung von iranischen eingefrorenen Bankkonten zu maximieren.“ Die iranische Nachrichtenagentur MEHR News übersetzt den Satz damit, die Kryptowährung solle „die optimale Nutzung der eingefrorenen iranischen Bankressourcen einfacher machen.“ Sofern der persische Original-Satz nicht erheblich von diesen Übersetzungen abweicht, soll die neue Kryptowährung also unverhohlen die iranischen Vermögen vor internationalen Sanktionen schützen.

Die Paymon genannte goldgedeckte Kryptowährung ist schon seit einigen Monaten im Gespräch. Das Startup Kuknos Company arbeitet seit Januar gemeinsam mit Banken wie der Persischen Bank, der Bank Pasargad, der Melli Iran Bank sowie der Mellat Bank an dem Projekt. Weitere Details sind nicht bekannt; das Gold-Portal Kitco meint, die Währung werde „unter der Erlaubnis der Zentralbank geschürft“, was aber vermutlich weniger als Mining wie bei Kryptowährungen üblich zu verstehen ist, sondern eher als Schaffung durch die Einlagerung der entsprechenden Menge von Gold in Tresoren.

Pikanterweise erfolgt die Erlaubnis der Zentralbank nur wenige Tage nachdem diese, so MEHR News, „alle mit Kryptowährungen verbundenen Aktivitäten im Iran verboten hat.“ Offenbar scheut die Zentralbank die Konkurrenz durch echte Kryptowährungen, um die eigene goldgedeckte digitale Währung zu etablieren. Üblicherweise gehen die meisten Beobachter jedoch davon aus, dass der rechtliche Status von Bitcoin und anderen Kryptowährungen im Iran in der Schwebe ist; es gebe immer wieder Berichte über Verbote, ohne dass bereits Tatsachen geschaffen sind. Allerdings hat die Regierung vor kurzem 1.000 Mining-Geräte in der Yazd Proviznz beschlagnahmt. Als Hintergrund gilt hier allerdings weniger eine generelle Feindseligkeit gegenüber Kryptowährungen, sondern der Wille der Regierung, nicht zuzulassen, dass die Miner die üppigen Stromsubventionen der Regierung ausnutzen.

Ironischerweise beschuldigt die amerikanische Regierung den Iran, Bitcoin zu benutzen, um die harten Sanktionen zu unterlaufen. Auf Druck der USA, die im Zuge der Verhandlungen um den Atomdeal die Daumenschrauben gegen Teheran angezogen hat, wurde der Iran schon Ende 2018 vom weltweiten SWIFT-Zahlungsnetzwerk abgeschnitten und damit faktisch isoliert. Bitcoin könnte hier eine Rolle darin spielen, die Sanktionen zu umgehen, was eventuell auch erklärt, weshalb ausgerechnet zwei Iraner die ersten Personen waren, deren Bitcoin-Adressen vom US-Finanzministerium auf eine Blacklist gesetzt wurden.

Höher als der Einfluss von Bitcoin und anderen Kryptowährungen dürfte aber derjenige von INSTEX sein, einer von den EU-Staaten erst vor kurzem gegründete Zweckgemeinschaft, die Geldflüsse mit dem Iran aufrechterhält, ohne dass Banken im Spiel sind, die zum Opfer von US-Sanktionen werden können. Dass der Iran nun aber offenbar eine goldgedeckte Kryptowährung gründet, spricht jedoch nicht eben dafür, dass es INSTEX gelungen ist, alle Härten der US-Sanktionen abzufedern.

Man könnte spekulieren, ob das Land neben dem Unterlaufen der Sanktionen mit Paymon plant, eine regionale Alternative zum US-Dollar aufzubauen und eventuell eine Art Goldstandard wieder zu beleben. Für den Werterhalt der Ersparnisse iranischer Bürger und Unternehmen dürfte eine solche Währung äußerst lukrativ sein. Erst letzte Woche ist der Goldpreis für seine Verhältnisse enorm gestiegen; sieht man von einer Spitze 2012 / 2013 ab, steht er mit rund 1.300 nahe eines historischen Allzeithochs – während der Iranische Rial im Vergleich zum Euro seit 2014 um rund 80 Prozent nachgegeben hat.

Das macht eine goldgedeckte Kryptowährung für den Iran zu einer hervorragenden Idee. Sinnvoller, zeitgemäßer, sicherer und einfacher umzusetzen wäre es natürlich gewesen, wenn der Iran einfach Bitcoin zu einer echten Währung erklärt und für den internationalen Handel genutzt hätte. Mit seinen großen Energievorräten könnte das Land ein exzellenter Mining-Standort sein; und dank der breiten Infrastruktur von Bitcoin – Wallets, Blockexplorer und so weiter – wäre es nicht nötig gewesen, noch einmal alles neu zu entwickeln. Aber man kann ja nicht alles haben.

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