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July 17, 2019
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Hallo Sommer: Bitcoin über 10.000 Dollar.

Seit dem Frühjahr 2018 war der Bitcoin-Preis unter 10.000 Dollar. Nun ist er wieder fünfstellig. Der Krypto-Winter ist vorbei. Bitcoin bleibt der Motor der Kryptomärkte – wir spekulieren, was hinter dem heutigen Aufschwing steht.

Gestern dürfte es vielen schwer gefallen sein, sich von den Bitcoin-Charts zu lösen. Nach einem eher gemächlichen Anstieg die Woche über erreichte der Kurs gestern 9.800 und sogar 9.900 Dollar. Dort blieb er ein Weilchen, so, als würde er sich nicht entscheiden können, ob es nun durch die 10.000 gehen soll, oder erstmal wieder ein Stückchen runter. Um etwa halb zwei in der Nacht geschah es dann: Der Preis sprang nach oben, durch die 10.000, und um klar zu machen, dass er es ernst meint, ging es sogar bis 10.800 Dollar hoch. Einen Abverkauf gab es bislang nicht, keiner scheint wirklich zu denken, dass an dieser Schwelle Schluss ist.

Der Kurs von Bitcoin in Dollar während der letzten 24 Stunden. Quelle: Coinmarketcap.com

Einen solchen Preisstand hatten wir zum letzten Mal im März 2018. Damit ist der Bitcoin-Kurs auf einem 15-Monats-Hoch.

Der Bitcoin-Kurs seit Februar 2018. Quelle: ebenfalls Coinmarketcap.com

Die generelle Geometrie des Kurses erinnert dabei an eine Wiederholung des sich beschleunigenden Aufstiegs im Herbst 2017, als der Preis in etwa 2 Monaten von 4.000 Dollar auf knapp 9.000 Dollar kletterte, um dann geradezu senkrecht auf knapp 20.000 Dollar zu schießen.

Sieht nun gar nicht mehr so gewaltig aus: Die Blase Ende 2017. Quelle: Ebenfalls coinmarketcap.com.

Wenn man sich den weiteren Krypto-Markt anschaut, fällt auf, dass keiner der Altcoins den Gewinnen von Bitcoin auch nur nahekommt. Bitcoin ist als einziger Coin mehr als 10 Prozent im Plus im Vergleich zum Vortrag. Dementsprechend steigt der Anteil von Bitcoin an der gesamten Marktkapitalisierung auf einen neuen Hochwert – den höchsten seit Mitte 2017, wenn man mal von zwei kurzfristigen Spitzen Ende des Jahres absieht. Damit ist nach dem Marsch durch den Bärenmarkt klar, dass Bitcoin trotz der starken Konkurrenz durch andere Kryptowährungen seinen Status als König im Kryptoland nicht nur erhalten, sondern auch gefestigt und ausgebaut hat.

Der Bitcoin-Dominanzindex. Quelle: ebenfalls Coinmarketcap.com

Das bedeutet aber nicht, dass andere Coins nicht auch gut im Plus sind. Die gesamte Marktkapitalisierung ist mit 325 Milliarden Dollar so hoch wie seit Juni 2018 nicht mehr.

Die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen seit März 2018. Quelle: ebenfalls Coinmarketcap.com

Unter den Top-Performern unter den Altcoins sind etwa Ethereum, das im 3-Monats-Schnitt einen beeindruckenden Aufstieg von 130 auf 310 Dollar hinlegt. Andere Coins wie Ripple, Tron oder EOS haben zwar nicht ganz so stark abgeschnitten, konnten aber ihre Stellung gegen den Dollar halten und Gewinne von ungefähr 50 Prozent im Lauf der letzten Monate erzielen. Auch Bitcoin Cash hat sich seit dem Kursverfall nach der Hardfork im letzten September beeindruckend erholt und mit rund 450 Dollar seinen Preis seit März verdreifacht. Andere Top-Gewinner sind beispielsweise Monero, das nun wieder deutlich über 100 Dollar liegt und sich damit seit März verdoppelt hat; ähnlich sieht die Bilanz für Dash aus, das nun bei knapp 180 Dollar steht. Bitcoin SV schließlicht blieb zwar in den letzten Tagen ruhig, blickt aber auf einen mächtigen Antrieb in den letzten 30 Tagen zurück, der den Kurs von 60 auf 220 Dollar katapultiert hat.

3-Monats-Chart von Ethereum. Quelle: ebenfalls Coinmarketcap.com

… und von Bitcoin SV (BSV). Quelle: ebenfalls Coinmarketcap.com

Wie stets gehen wir auch bei diesem Preis-Event auf Ursachensuche. Woran liegt es, dass Bitcoin so überraschend früh den Bärenmarkt verlässt, und mit so überraschend viel Dampf zu neuen Höhen strebt? Wie üblich haben wir auf diese Frage keine verbindliche Antwort, sondern nur einen Strauß von Spekulationen.

Zunächst einmal ist festzustellen, dass die Rally eindeutig von Bitcoin ausgeht. Seit einigen Monaten treibt der Bitcoin-Kurs den Markt nach oben. Damit ist die größte Kryptowährung weiterhin der Motor des Aufschwungs. Dies war bei der großen Blase Ende 2017 anders, wo die Energie stärker von Altcoins und ICOs ausging. Solche deutlich spekulativeren Treiber fehlen derzeit fast vollkommen. Der ICO-Hype ist vorbei, neue, spektakuläre Altcoins gab es schon länger nicht mehr, stattdessen konsolidieren sich die bestehenden Altcoins.

Welche Gründe gibt es also, die Bitcoin derzeit so stark machen?

Erstens sind die Anzahl der Transaktionen auf einem Niveau, das so konstant noch nie erreicht wurde. Trotz der mitunter hohen Gebühren von 2-3 Euro je Transaktion war der fortlaufende Bedarf nach onchain-Transaktionen noch nie so hoch wie heute. Gleichzeitig gibt es immer mehr offchain-Transaktionen durch Lightning, womit man insgesamt feststellen kann, dass Bitcoin mehr denn je benutzt wird. Auch das Damokles-Schwert „Skalierbarkeit“ scheint nicht mehr so aktuell zu sein, da Lightning – trotz der Unreife und des teils enttäuschenden Wachstums – ein funktionierendes Modell darstellt, mit dem Bitcoin den ganzen Planeten mit Transaktionen versorgen kann.

Die Anzahl der täglichen Bitcoin-Transaktionen. Quelle: Blockchain.info

Zweitens blieb das Interesse professioneller Investoren den ganzen Bärenmarkt hindurch ungetrübt. Der Trend, Bitcoins in das Portfolio aufzunehmen, ist stärker denn je. Dabei fokusiert sich das Interesse vorrangig auf Bitcoin, der als älteste und stabilste Kryptowährung nicht ganz so spekulativ und verwirrend erscheint wie die vielen Altcoins. Dieser Trend hält vermutlich auch in Zukunft an. Es spricht nichts dafür, dass die Nachfrage durch Vermögensverwalter, Portfolio-Manager, Investment-Fonds und Banken abbrechen wird.

Drittens zeigt der Facebookcoin – und die zahlreichen anderen Blockchain- und Krypto-Projekte so gut wie aller großer Firmen der Welt – dass der Ansatz von Bitcoin richtig und zukunftsweisend ist. Natürlich wollen die großen Konzerne zunächst ihr eigenes Ding machen. Sie haben rund 6-8 Jahre versäumt, zu erkennen, welche Bedeutung die Blockchain-Technologie hat; die restlichen Jahre haben sie seitdem damit verbracht, zu beschließen, dass die Idee gut, aber die Ausführung schlecht ist, um dann das ganze Ding neu zu erfinden. Die Chancen, dass sie in einigen Jahren auch verstehen werden, dass Bitcoin nicht nur als Idee, sondern auch als konkrete Umsetzung gelungen ist, sind nicht gering.

Viertes – und das wird jetzt ein wenig unangenehm – bleibt weiterhin der gute alte Tether-Verdacht bestehen. Der anscheinend durch Dollar gedeckte Stablecoin Tether (USDT), der mittlerweile die mit Abstand wichtigste Fiat-Währung auf den Börsen ist, erhöhte seine Geldmenge in den letzten Monaten deutlich. Aus den gut 2 Milliarden Tether-Dollar, die Anfang April in Umlauf waren, wurden nun 3,5 Milliarden. Die Kurve, die die Anzahl der Tether zeigt, läuft nahezu simultan zum Anstieg des Bitcoin-Preises. Natürlich sagt eine Korrelation nichts über die Ursache aus. Es wäre denkbar, dass dahinter ein Betrug steht, und dass die Tether in Umlauf gebracht werden, um den Preis zu manipulieren – es wäre aber ebenso denkbar, dass die Tether auf legitime Weise erzeugt werden, um in großen Mengen Bitcoins zu kaufen. Die schiere Menge könnte aber etwas darüber verraten, woher der Bedarf nach Bitcoins kommt.

Anzahl an Tether-Dollar im Umlauf. Quelle: wieder Coinmarketcap.com.

Man könnte jetzt natürlich noch über mehr Gründe spekulieren. Möglicherweise trifft keiner der hier genannten Gründe zu, und es steht etwas ganz anderes hinter dem aktuellen Auftrieb. Aber zunächst machen wir das, was jeder tun sollte, der Bitcoins hält: Sich zurücklehnen, den Aufschwung genießen – und versuchen, nicht alle 15 Minuten auf die Charts zu schauen.

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