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Gewaltiger Kometenschauer über Keybase-Usern: Stellar-Foundation verschenkt zwei Milliarden XLM

Die Stellar Foundation leitet die Entwicklung der Kryptowährung Stellar Lumens (XLM) sowie die Distribution der Token. Nun veranstaltet sie ein gigantisches Giveaway für User der Chat-App Keybase, das Stellar Lumens im Wert von 120 Millionen Dollar verteilt. Das findet nicht jeder toll.

Eine der großen Probleme, die die Einführung einer neuen, privaten Währung mit sich bringt, ist die Verteilung der Einheiten. Satoshi hat das Problem bei Bitcoin dadurch gelöst, dass die Miner, die das Netzwerk sicher machen, zugleich die Schöpfer des neuen Geldes sind und dieses in Umlauf bringen. Bei Kryptowährungen, die keine Miner haben, muss man sich etwas anderes ausdenken.

Die Ripple-Fork Stellar kennt, wie Ripple selbst, keine Mining-Nodes. Die Coins entstehen nicht im Lauf der Zeit wie bei Bitcoin, sondern wurden am Anfang geschaffen. Der Großteil von ihnen ging in die Wallets der Stellar Foundation, die seitdem versucht, die Coins in Umlauf zu bringen, indem sie sie verschenkt. Dabei helfen Partnerschaften wie mit SatoshiPay, Blockchain.info oder, wie im aktuellen Fall, Keybase.

„Wir freuen uns, euch mitzuteilen, dass wir mit Keybase zusammenarbeiten, um unseren bisher größten Airdrop durchzuführen“, schreibt die Stellar Foundation auf ihrem Blog. Bis zu zwei Milliarden XLM sollen im Lauf der nächsten 20 Monate an User der Chat-App Keybase ausgeschüttet werden. „Alles was ihr braucht, ist ein authentifizierter Keybase-Account, damit die Stellar in eurer Wallet auftauchen – automatisch, jeden Monat, so lange, wie der Airdrop anhält.“

Keybase ist eine Messaging-App, ähnlich wie Slack oder Discord: Es gibt Channels, man kann Dateien speichern, und so weiter. Mit bisher knapp 500.000 Usern ist Keybase vergleichsweise klein, aber die App scheint rasch zu wachsen. Anders als Slack ist Keybase vollständig kostenlos; man kann private, verschlüsselte, und öffentliche, signierte Dateien hochladen. Darüber hinaus hat sie auch eine Git-Anbindung, so dass man mit ihr Dateien und Updates wie bei GitHub synchronisieren kann.

Seit Mai hat Keybase eine Stellar-Wallet in der App, an der das Startup gemeinsam mit der Stellar Foundation seit rund einem Jahr gearbeitet hat. Innerhalb von Keybase kann man andere User bequem bezahlen, indem man Lumen an ihren Namen sendet; die Wallet selbst ist mit dem Account verschlüsselt, Keybase hat keinen Zugriff auf die privaten Schlüssel. Als Grund, weshalb man sich für Stellar entschieden hat, erklärt Keybase: „Stellar Transaktionen sind sehr günstig (ein Bruchteil eines Pennies), sehr schnell (5 Sekunden), und, am wichtigsten, sie verbrauchen nicht so viel Elektrizität wie ein mittelgroßes Land.“ [Hervorhebung im Original]. Da Stellar auch Token und dezentrale Börsen unterstützt, können User in Zukunft in ihren Keybase-Wallets auch Dollar-, Euro- oder beliebige andere Token halten. „All das liegt jenseits dieses Posst, aber Stellar sollte wirklich die internationalen Geldtransfer-Netzwerke ersetzen.“

Um am Airdrop teilzunehmen, muss man als User jedoch einige Bedingungen erfüllen: Wer einen Account vor dem 9. September eröffnet hat, darf teilnehmen; wer den Account danach eröffnet hat, muss einen Github-Account mit ihm verknüpfen, der vor dem 9. September registriert wurde. Das ist ein bißchen kniffelig, aber in wenigen Minuten zu schaffen. Schließlich muss man noch mindestens drei Geräte mit dem Account verknüpfen, oder, alternativ, einfach drei Paper-Keys abspeichern, mit denen man neue Geräte hinzufügen kann.

Das hört sich doch alles großartig an, oder? Mit Stellar kommen Kryptozahlungen direkt in eine Chat-App. Gibt es auch Gründe, damit unzufrieden zu sein? Ein Anlass für Skepsis dürfte für diejenigen bestehen, die in Stellar investiert haben. Es ist nicht eben erfreulich, wenn zwei Milliarden der Token, in die man Geld gesteckt hat, einfach so verschenkt werden. Auf der anderen Seite ist es seit jeher bekannt, dass die Stellar Lumen Token im Lauf der Zeit von der Foundation verschenkt werden. Investoren, die davon überrascht werden, haben es einfach nur versäumt, sich ausreichend zu informieren.

Aber auch von anderer Seite her macht sich Ärger breit. Er kommt aus der Ecke der Bitcoin-Maximalisten, die Keybase benutzen, aber sich darüber empören, dass die App nun einen „Shitcoin“ unterstützt. So stänkert der bekannte kanadische Bitcoin-Hardliner Francis Pouliot auf dem GitHub-Repository von KeyBase herum: „Stellar ist ein(e) unsicheres (nutzloses?) (Pyramidenspiel?) (Pump and Dump Schema von Venture Kapitalisten?) Fork des Ripple Protokolls (Betrug!). Eine Stellar Lumens Wallet zu haben, bürdet Usern rechtliche Verpflichtungen auf, in Kanada unter anderem die Pflicht, offenzulegen, dass man ein Eigentümer von Kryptowährungen ist.“ Die Ökonomie von Lumens „ist so gestaltet, dass der Wert des Coins gegen Null fallen wird, da es keine Anreize für Holder gibt.“

Stellar sei auch kein zuverlässiges Zahlungssystem, da es keinen vertrauenslosen Konsens-Algorithmus gebe, und es habe auch keine breite Akzeptanz bei Händlern erfahren. Die User von Keybase würden, so Francis, nichts gewinnen, aber sich rechtliche Verpflichtungen einhandeln, wenn sie eine Stellar-Wallet im Account hätten. Er fordert daher, dass Keybase die Wallet optional macht, so dass die User diese bei der Installation aktivivieren müssen. Ein Mitarbeiter von Keybase erklärt daraufhin: „Keybase und Stellar haben einen gemeinsamen Investor und teilen Entwickler-Resourcen seit dem vergangenen Jahr. Wir werden Stellar nicht aus ideologischen Gründen aus Keybase entfernen.“

Damit wird es also Stellar in die Wallets von Keybase-Usern regnen. Für den Preis der Token dürfte das keine gute Nachricht sein, und tatsächlich könnte man vermuten, dass manche User staunen werden, wenn die Dollar-Beträge in ihren Keybase-Wallets im Lauf der Zeit abnehmen werden. Aber andererseits ist es keine schlechte Methode, um die Coins unters Volk zu bringen und gleichzeitig die kreative Zusammenarbeit mit Partnern anzustoßen.

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