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Ethereum 2.0: Vitalik Buterin möchte Verzinsung für Staker erhöhen

Die Ethereum-Entwickler diskutieren seit langem den Umstieg von Proof-of-Work auf Proof-of-Stake. Derzeit steht eine spezielle Konstante im Fokus: Die Verzinsung der Einlagen. Ethereum-Leitentwickler Vitalik Buterin schlägt nun vor, diesen für die Sicherheit des Netzwerkes zu erhöhen.

Einer der wichtigsten Hebel von Zentralbanken ist der Zinssatz. Indem sie ihn erhöhen oder senken können sie Geldpolitik betreiben und, zumindest in der Theorie, die Konjunktur von Volkswirtschaften beeinflussen. Die derzeitige Diskussion bei Ethereum dreht sich auch um einen Zinssatz – um die Belohnung der „Staker“.

Um zu verstehen, worum es dabei geht, sollte man wissen, dass der derzeitige Kernmechanismus von Ethereum, das Mining, nicht das Design ist, das das Netzwerk langfristig haben soll. Mining – oder Proof-of-Work, Arbeitsbeweise – bedeutet, dass Leute Computerleistung verbrennen, um gleichzeitig neue Coins zu erschaffen und neue Blöcke an die Blockchain anzuhängen. Dieses Verfahren bewährt sich bei Bitcoin seit 10 Jahren; es vergräbt Transaktionen unter einem immer höheren Berg von Arbeitsbeweisen. Allerdings hat Proof-of-Work auch seine Nachteile, unter denen der extrem hohe Stromverbrauch vermutlich an erster Stelle steht.

Die Alternative, die bereits seit 2013 diskutiert wird, nennt sich Proof-of-Stake. Hierbei soll nicht ein Beweis von Rechenleistung, sondern ein „Stake“ – ein Beweis des Besitzes von Coins – entscheiden, welcher Knoten einen Block bilden darf und damit die Belohnung durch Transaktionsgebühren und frische Krypto-Münzen einheimst. Zwar gibt es schon lange experimentelle Proof-of-Stake-Coins, etwa Peercoin, doch insgesamt herrscht noch eine beträchtliche Unklarheit, ob das Konzept überhaupt in der Lage ist, die notwendige Sicherheit technisch zu gewährleisten, weshalb der seit langem angepeilte Umstieg von Ethereum auf Proof-of-Stake immer wieder verschoben wird. Ethereum 2.0 – so der Arbeitstitel – lässt noch auf sich warten.

Der zentrale Zinssatz

Aber um solche technischen Fragen geht es in der aktuellen Diskussion nicht. Stattdessen geht es um den Zinssatz bei Proof-of-Stake. Miner erhalten einen Blockreward; wie viel Profit sie dabei machen, hängt davon ab, wie viel sie für die Hardware und den Strom bezahlen und was der Betrieb der Mining-Anlagen kostet. Bei Proof-of-Stake fallen solche Kosten weg; ein Staker muss lediglich Coins in einer Wallet vorübergehend einfrieren und ein System betreiben, das gut genug ist, um die Blockchain zu verarbeiten. Daher kann man bei Proof-of-Stake einfach von einem Zinssatz für die eingesetzten Coins sprechen.

Die große Frage ist nun: Wie hoch soll dieser Zinssatz sein? Der berühmteste Ethereum-Entwickler, Vitalik Buterin, hat vor kurzem vorgeschlagen, einen Zinssatz von 3,3 Prozent anzuvisieren. Er geht dabei davon aus, dass etwa 30 Millionen Ether fürs Staking verwendet werden und im Jahr maximal 100.000 Ether erhalten. Dies entspricht derzeit einer Summe von 160 Millionen Dollar. Im Vergleich zu den 700 Millionen Dollar, die die Miner derzeit bei Ethereum erhalten, ist das ein relativ geringer Betrag.

Eine Summe von etwa 32 Millionen Ether – derzeit rund 5 Milliarden Dollar – gilt den Entwicklern als ausreichend großes „Stake“, um Angreifer davon abzuhalten, durch den Kauf von genügend Ether das Netzwerk korrumpieren zu können. Wenn Vitalik Biterin nun vorschlägt, die für die Staker ausgeschütteten Ether zu erhöhen, möchte er gewährleisten, dass es genügend Anreize gibt, um Leute zu motivieren, entsprechend viele Ether zu staken.

Damit erhöht Buterin den Zinssatz von 2,2 Prozent, den die Ethereum-Entwickler bisher anvisiert haben. Andere Entwickler, etwa Fedrik Harryson von Parity, bevorzugen eine rutschende Skalierung, bei der sich die Belohnung erhöht, wenn zuwenig Ether im Stake sind. Ein Stratege von ConsensSys, Collin Myers, unterstützt dagegen Buterin. Er stimmt zu, dass die bisher veranschlagten 2,2 Prozent zu gering sind, um genügend Menschen zu motivieren, mindestens 32 Ether – das ist das minimale Stake – zu riskieren und die Rechen- und Betriebskosten zu bezahlen. Zugleich warnt ein Kollege von ihm, der Entwickler Jonny Rhea, davor, zu viel zu bezahlen.

Keine objektive Wahrheit

Der Vorschlag von Vitalik Buterin wird in naher Zukunft von den Entwicklern diskutiert. Ob es dabei möglich ist, einen „objektiv“ richtigen Zinssatz zu finden, darf bezweifelt werden. Man kann Märkte nicht von Grund auf planen; selbst die Zentralbanken intervenieren meistens „auf Sicht“. Die Verzinsung für die Staker ist eine Konstante, die sowohl ökonomische als auch technische Konsequenzen hat: Sie bestimmt die Inflation der Ethereum-Coins (Ether) auf der einen Seite, und ist auf der anderen Seite maßgeblich für das Investment in das System sowie die Resistenz gegen Angriffe.

Darüber hinaus wird der Zinssatz – bzw. der jährliche Ausstoß neuer Coins – einen maßgeblichen Einfluss auf die Form des Netzwerks haben. Wenn die Belohnung zu gering ist, wird es nicht genügend Ether im Stake geben, um das Netzwerk sicher zu halten; zudem wird die Anzahl der Staking-Nodes, die mit der erheblichen Last der Ethereum-Blockchain zurechtkommen, nicht groß genug sein, um die Dezentralität des Systems zu erhalten. Die Belohnung für die Staker wird damit nicht nur einen Einfluss auf die Sicherheit haben, sondern auch auf die Fähigkeit des Netzwerks, zu skalieren und dabei dezentral zu bleiben.

Diese einzelne Zahl hat bereits so viele Implikationen, die nicht genau abzuwägen sind, dass es unmöglich sein dürfte, eine Lösung zu finden, die „korrekt“ ist, in dem Sinne, wie eine Lösung für ein Rätsel oder eine technische Erfindung „korrekt“ ist. Für die Ethereum-Entwickler bedeutet der Umstieg auf Proof-of-Stake damit, dass sie eine ähnliche, die Ökonomie leitende, Stellung einnehmen müssen wie die Zentralbanken; und weil man Märkte nicht am Reissbrett entwerfen kann, ist absehbar, dass sie diese Stellung auch langfristig einnehmen müssen, um immer wieder einzugreifen, wenn sich das System nicht wie gewünscht verhält.

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