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Empire, der größter Darknet-Marktplatz, geht mit Exit-Scam offline

Es ist das typische Ende eines Darknet-Marktplatzes: Empire, die bis vor kurzem größte Plattform für den Online-Drogenhandel, verschwindet nach einem DoS-Sturm in der Dunkelheit des Netzes. Die Bitcoins und Monero der Kunden nehmen die Betreiber dabei mit.

Das Darknet ist jener Ort im Internet, an den man nur mit dem Tor-Browser gelangt, und an dem Webseiten als Hidden Service unter kryptischen Adressen erreichbar sind. In diesem Darknet floriert seit 2011 der Drogenhandel auf sogenannten „Darknet-Marktplätzen“, die wie ein Amazon für illegale Güter und Dienstleistungen funktionieren. Die legendäre Silk Road hat es vorgemacht, hunderte von Marktplätzen sind gefolgt. Bezahlt wird dort üblicherweise mit Bitcoin, immer öfter aber auch mit Monero.

Die Geschichte der Darknet-Marktplätze läuft in typischen Zyklen ab: Ein Marktplatz setzt sich an die Spitze, zieht den gesamten illegalen Kommerz auf sich, damit aber auch die Aufmerksamkeit der Polizei und von Erpressern, und schließlich geht der Marktplatz offline. Das kann, wie bei der Silk Road oder bei Hansa, geschehen, weil die Polizei die Betreiber verhaftet, es kann in seltenen Fällen geordnet ablaufen, indem die Admins wie bei Blackmarket Reloaded oder Dream Market die Plattform schließen und alle Coins auszahlen. Am häufigsten endet ein Darknet-Marktplatz jedoch mit dem Exit Scam: Die Betreiber fahren die Systeme herunter, verschwinden in der Anonymität und nehmen sämtliche Kryptowährungen auf ihren Wallets mit sich.

Vermutlich ist ein solcher krönender Abschluss einer kriminellen Netzkarriere die logische Konsequenz anonymer Geschäfte. Es fehlt eben jene soziale Kontrolle, die das menschliche Verhalten beeinflusst, wenn man für sein Handeln zur Verantwortung gezogen werden kann. Ohne diese bleibt es allein dem individuellen Moral-Empfinden des Einzelnen überlassen, ob er sich auf Kosten von anderen bereichert oder nicht.

Die Admins des Darknet-Marktplatzes Empire konnten der Versuchung offenbar nicht widerstehen. Das Drama, das sich in den letzten zwei Wochen um Empire herum entfaltete, lässt sich am besten auf dem Twitter-Account von dark.fail nachverfolgen.

Es begann in der letzten Woche mit einer gewaltigen DoS-Welle durch das Darknet, die die meisten Tor-Knoten mit Daten überflutete. Dies war die erste erfolgreiche DoS-Welle, seit im Mai dieses Jahres ein Moderator des Darknet-Forums Dread den EndGame-Filter veröffentlicht hatte, der DoS-Angriffe auf Darknet-Seiten und -Knoten verhinderte. Dank dieses Filters verbesserte sich die Verfügbarkeit der Märkte im Darknet im Vergleich zum Vorjahr offenbar enorm.

Nun jedoch gelang es Angreifern, diesen Filter zu umgehen. Unter den Folgen der Welle war Empire nicht oder nur sehr eingeschränkt erreichbar, wie auch zahlreiche weitere Darknet-Seiten. Lediglich der russische Markt Hydra schaffte es, dauerhaft erreichbar zu bleiben, was möglicherweise daran liegt, dass die Admins eine eigene Version der Tor-Software benutzen.

Am 23. August meldete sich dann ein Moderator von Empire auf Dread, um anzukündigen, dass man hart daran arbeite, den Markt wieder live zu bringen. Gerüchte über einen Exit Scam seien übertrieben. Der DoS-Angriff verstärkte sich daraufhin, Gerüchte machten die Runde, dass die Empire-Admins bereits Bitcoins bewegen, und Fake-Seiten poppten auf, die versuchten, die Nutzernamen und Passwörter von Empire-User abzugreifen.

Bereits einen Tag später kamen von Empire weniger optimistische Nachrichten: „Wenn der Markt in ein paar Tagen weiterhin down ist, werde ich ein Post über die ganze Situation verfassen,“ so der Moderator Se7en, der das Forum von Empire verwaltete, „es ist noch früh, vielleicht werden die Moderatoren den Markt wieder starten.“ Offensichtlich wusste auch der Moderator nicht, was wirklich los war. Auch das ist eine Konsequenz anonymer Geschäftsbeziehungen.

Noch einen Tag später resignierte Se7en. Das Backend des Marktplatzes sei ebenfalls down, die Admins aus Chatgruppen verschwunden. Es werde immer unwahrscheinlicher, dass der Markt zurückkehre. Er glaubte nicht, dass das so geplant gewesen sei. Empire sollte eigentlich der langlebigste Darknet-Markt aller Zeiten sein. Doch der Betrieb wurde immer ermüdender, und die Admins mussten immer mehr Schutzgeld an DoS-Gruppen bezahlen. Als schließlich der Schutz des EndGame-Filters versagte, wurde es ihnen zuviel. Sie gaben auf, vergoldeten sich den Abschied aber damit, dass sie ungefähr 2638 Bitcoin (etwa 30 Millionen Dollar) mitnahmen.

Ebenso typisch wie der Exit Scam ist das, was darauf folgt: Etablierte Märkte versuchen, die User-Schwärme anzuziehen, neue Märkte werden gestartet, um die Lücke zu füllen. Man könnte das eine Art Immunsystem des Darknets nennen, das für jeden Markt, der verschwindet, drei neue wachsen lässt. Allerdings dürften viele der Marktplätze, vor allem die neuen, schon in der Absicht gestartet werden, bald einen Exit Scam zu machen. Vielleicht sogar von denselben Entwicklern, die bereits einen oder mehrere Exit Scams abgezogen haben.

Für die User ist die Situation auf den Darknet Marktplätzen alles andere als angenehm. Zwar dürfte es komfortabel sein, sich seine Lieblingsdroge mit der Post nach Hause schicken zu lassen. Aber man bezahlt dafür, dass man kriminellen Akteuren seine Postadresse gibt, sich damit angreifbar macht und für immer die Bedrohung aufspannt, dass die Polizei die Adresse bekommen wird. Darüber hinaus reproduzieren die Darknetmärkte im digitalen Raum ähnliche kriminelle Abschöpfungsstrukturen wie der Drogenhandel in der echten Welt: Es schalten sich Akteure zwischen Käufer und Verkäufer, die Geld abziehen, seien es die DoS-Gangs, die ein Lösegeld verlangen, seien es die Admins, die den Exit Scam machen. Damit fällt die Utopie des direkten Handels, was die Konsumenten vermutlich (auch) in den Preisen zu spären bekommen, und der Online-Drogenhandel wird ebenso oder ähnlich schmutzig wie der Physische.

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