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July 17, 2019
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Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Oder doch?

Kurse am Montag: Auf den Märkten breitet sich Optimismus aus, und die Arbeit, die in manche Coins gesteckt wurde, macht sich wieder bezahlt. Kann man schon von einem Frühlingserwachen sprechen? Wir schauen uns die allgemeine Tendenz an und beleuchten die Coins, die besonders viel gewonnen haben: Bitcoin Cash, Stellar und BNB.

Für den Bitcoin-Preis lief die letzte Woche gar nicht so schlecht. Der Kurs bewegte sich zwischen 3.410 und 3.530 Euro, heute steht er mit 3.470 Euro im oberen Drittel dieses Kanals. Mit etwa drei Prozent zwischen Wochenhoch und -tief nimmt die Volatilität weiterhin ab.

Überhaupt ist Bitcoin seit Anfang des Jahres relativ stabil. An den tiefsten Punkten sank der Preis ein Stückchen unter 3.000 Euro, an den Hochpunkten erreicht er 3.600. Das macht es beinah schon berechenbar, Einnahmen in Bitcoin zu erwirtschaften. Die Tendenz des Kurses könnte man positiv betrachten; seit Anfang Februar geht es recht konstant aufwärts.

Der Bitcoin-Kurs der letzten 30 Tage. Quelle: Bitcoin.de

Woran liegt das? Die Antwort dürfte dieselbe sein wie derzeit auf die meisten Fragen um Bitcoin: Das Lightning Netzwerk. Während das allgemeine Transaktionsvolumen Anfang März recht drastisch gefallen ist, zieht die Lightning-Verbreitung an. Ich kann das auf meinem Buchshop Bitcoin-Buch.org bestätigen, wo der Anteil der Lightning-Transaktionen zunimmt. Ob und inwieweit das aber wirklich relevant ist, ist sehr schwer zu beurteilen. Tatsache ist aber, dass die Kapazität des Lightning-Netzwerkes am Wochenende die 1.000 Bitcoin überschritten hat. Der Wermutstropfen dabei ist jedoch, dass der absolute Großteil der Bitcoins von einer einzigen Partei kommt, LNBig.

Bitcoin-Kurs im Jahresverlauf: Noch kein Grund für überfrühtes Feiern? Quelle: Bitcoin.de

Man könnte meinen, der Frühling, der hierzulande langsam zu spüren ist, breitet sich auch in den Charts aus. Der Bärenmarkt, den man sich wie einen langen, kalten Winter vorstellen kann, geht zu Ende. Es taut und frischt auf, und langsam regen sich die ersten Knospen und Blüten. Nachdem die gesamte Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen Anfang Dezember auf ein Tief von nur noch ein wenig über 100 Milliarden Dollar gefallen und in dieser Region bis Mitte Februar geblieben ist, steigt sie seitdem wieder Woche für Woche und ist nun bereits bei knapp 140 Milliarden angelangt.

Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen im 3-Monats-Schnitt. Quelle: Coinmarketcap.com

Das ist keine Explosion und keine Mondfahrt, nicht einmal ein echter Aufzug. Aber es ist ein leiser, zarter, noch zaghafter Trend. Die Märkte sind noch skeptisch, so als würden sie sich selbst nicht ganz trauen, eventuell weil das Platzen der Blase von Ende 2017 noch so nahe ist. Anstatt wild hinauf zu springen, wie in einem Bullenmarkt, tastet sich der Kurs eher vorsichtig voran.

Sieht nach einem Boden aus: Gesamte Marktkapitalisierung aus der 1-Jahres-Perspektive. Quelle: Coinmarketcap.com.

Der Anstieg der Preise zieht sich tendenziell zwar durch alle Kryptowährungen. Sie schwimmen synchron. Aber natürlich profitieren nicht alle gleichermaßen; einige gewinnen ganz besonders viel. Wir schauen uns die drei Top-Performer an.

Bitcoin Cash

Der Preis von Bitcoin Cash ist in der vergangenen Woche ziemlich deutlich gestiegen – von gut 110 auf gut 130 Euro. Macht einen ansehnlichen Wochengewinn von knapp 20 Prozent. All das ist natürlich weit von früheren Glanzzeiten mit 1.000, wenn nicht 2.000 Euro entfernt. Die Fork im November lastet noch immer auf dem Kurs.

1-Monats-Chart von Bitcoin Cash. Klarer Aufwind. Quelle: Bitcoin.de

Aber, und das könnte ein gutes Zeichen sein: Das Tal, in das die Abspaltung von Bitcoin SV den Coin gestürzt hat, scheint durchschritten zu sein. Wir sehen eine klassische Badewannenformation. Bitcoin Cash ist preislich wieder da, wo er dieses Jahr angefangen hat. Das Transaktionsvolumen nimmt wieder vorsichtig zu. Nachdem es im Zuge der Fork auf gut 5.000 am Tag gefallen ist, erreicht es nun an den meisten Tagen wieder mehr als 10.000. Das ist noch längst kein Erfolg für einen „Big Block Bitcoin“. Aber man könnte sich Bitcoin Cash wie einen Kämpfer vorstellen, der nach einer schweren Verwundung langsam wieder im Stande ist, das Krankenbett zu verlassen.

Noch immer so tief im Minus, dass der Ausschlag kaum sichtbar ist: Bitcoin Cash 1-Jahres-Kursverlauf. Quelle: Bitcoin.de

Gründe für dieses mögliche Erwachen von Bitcoin Cash gäbe es einige. Einer davon ist lustigerweise derselbe wie bei Bitcoin – das Lightning Netzwerk. Denn die Bitcoin-Cash-Community wettert sich langsam in Fahrt gegen das Offchain-Netzwerk. Eine Schlüsselrolle kommt dabei Peter Rizun vor.

Rizun kommt von Bitcoin Unlimited, entwickelt nicht aktiv, aber trägt mit Forschungen bei. Er wurde zu einem Interview eingeladen, um in einer – ansonsten durchgehend positiven – Videoserie zu Lightning den Kritiker zu geben. Es gab einen kurzen Skandal, der darin gipfelte, dass Peter erst aus- und dann wieder eingeladen wurde, was insgesamt eher als eine Schwäche der Lightning-Szene zu verstehen ist. Oder weshalb sonst versucht sie, Kritik so vehement zu unterbinden? Seitdem stürzt sich Peter auf Lightning und kritisiert das Netzwerk mit scharfzüngigen Tweets. Es dürfte spannend werden, das Interview zu sehen.

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Diese Stimmung gegen Lightning ist natürlich etwas, von dem sich Bitcoin Cash erhofft, zu profitieren. Wenn Lightning scheitert, bedeutet das, dass Core scheitert, und das wiederum bedeutet, dass Bitcoin Cash recht hatte, mit den großen Blöcken, und dass dies demzufolge die Zukunft ist. Oder so. Es ist ja bekannt, dass sich Bitcoin Cash überwiegend aus der Opposition zu Bitcoin (Core) legitimiert, und die Aussicht darauf, dass Bitcoins Lightning-Netzwerk Kritik abbekommt, wird somit zu einer guten Aussicht für Bitcoin Cash.

Aber es gibt auch „interne“ Gründe für Optimismus. Hier einige spannende Entwicklungen:

  • Schnorr-Signaturen kommen mit der Fork im Mai, wir wir schon berichtet haben, und es scheint alles friedlich abzulaufen. Eigentlich sind Schnorr-Signaturen ein Projekt der Core-Entwickler von Bitcoin. Dass Bitcoin Cash das seit langem begehrte Upgrade nun früher bekommt, bereitet der Szene eine gewisse Freude; dass es ohne Konflikt durchläuft, zeigt, dass nach der Spaltung innere Harmonie herrscht.
  • Es gibt eine Neutrino-Wallet für Android. Neutrino ist ein neues Modell für eine SPV-Wallet, das von den Lightning-Entwicklern entworfen wurde. Anders als die bisherigen SPV-Wallets fragt Neutrino nicht nach einer spezifischen Adresse, sondern nach einem ganzen Block, und zieht sich dann aus diesem die Daten. Damit gibt Neutrino weniger Privatsphäre preis. Ein solches Modell könnte SPV-Wallet wieder beleben, bei denen der User direkt mit dem Bitcoin-Netzwerk interagiert, ohne eine Form von Server zu verwenden, wie etwa bei Electrum oder Mycelium.
    Während bei Bitcoin noch darüber diskutiert wird, ob die Unterstützung für Neutrino in die Core-Clients kommt, haben die bchd-Entwickler bei Bitcoin Cash es einfach implementiert. Damit wird eine Android-Version von Neutrino möglich. Das Schema, das Bitcoin Cash das macht, was Bitcoin will, aber schneller, wiederholt sich.
  • Schließlich ging mit Lazyfox.io eine ziemlich spannende Plattform an den Start. Ein deutscher Entwickler arbeitet daran schon seit bald einem Jahr. Man kann hier Fragen oder Aufgaben stellen und ein Preisgeld dafür ausloben. Andere User können die Frage / Aufgabe dann beantworten bzw. lösen, und erhalten den Preis. Ein wenig wie Gutefrage.de, nur halt mit Bitcoin (Cash). Wer Lust hat, sich ein paar BCH zu verdienen, sollte mal dorthin schauen. Zusammen mit der Badger-Wallet für den Browser erlebt man eine extrem flüssige Nutzererfahrung. Ich werde darüber noch mehr schreiben. Bis dahin könnt ihr euch einfach 5mBCH verdienen, wenn ihr mir einen Tipp für das Düngen von Paprika gebt (update: die Aufgabe wurde schon gelöst, sorry).
  • Als Antwort auf die Lightning-Torch hat die BCH-Community eine SLP-Torch gestartet. SPL steht für „Simple Ledger Protocol“ und meint das Bitcoin-Cash-Protokoll für Token. Das hat in den letzten Wochen Fahrt aufgenommen, der Explorer von Bitcoin.com zeigt bereits einige hundert Token. Die SLP-Torch besteht nun aus einem einzigen, unteilbaren Token, das durchgereicht wird.

Es passiert also einiges. Aber nicht nur bei Bitcoin Cash.

Stellar

Über Stellar haben wir letzte Woche bereits geschrieben. Der Kurs des Ablegers von Ripple ist seitdem um etwa 10 Prozent gestiegen. Wenn man bis Anfang März zurück schaut, ist das ein Plus von 20-25 Prozent auf die Stellar Lumens (XLM) genannten Coins. Das könnte man ein Frühlingserwachen nennen.

1-Monats-Chart von Stellar Lumens (XLM). Quelle: Coinmarketcap.com

Über die Gründe haben wir hier bereits geschrieben: SatoshiPay, ein Berliner Mikropayment-Service auf Stellar, hat eine Kooperation mit der Börsenmedien AG eingefahren und wird Stellar-Mikropayments in deutsche Online-Medien bringen. Gleichzeitig gibt BitBond, eine P2P-Lending-Plattform, ebenfalls aus Berlin, das erste regulierte Security Token auf Basis von Stellar heraus. Zwei Erfolge für die Währung.

Mehrjahreschart von Stellar. Quelle: Coinmarketcap.com

Aber nicht nur in Berlin, auch in den USA tut sich was: Die große Börse Coinbase hat den Handel mit XLM eröffnet. Stellar könnte damit eine der Währungen werden, die aus dem Bärenmarkt gestärkt hervorgehen und zum Gewinner-Kandidaten für die kommenden Marktzyklen werden.

Allerdings muss man auch einräumen, dass Stellar vom bisherigen Höhepunkt sehr weit gefallen ist. Wenn man den langfristigen Chart anschaut, ist der Aufschwung der letzten Wochen kaum sichtbar. Der Weg zu alten Höhen ist auch hier ziemlich weit.

Binance Coin

Ein überrschender Top-Performer des vergangenen Monats ist der Binance Coin (BNB). Dabei handelt es sich eigentlich um gar keine Kryptowährung, sondern um einen Aktien-Ersatz für eine der größten Altcoin-Börsen. Der BNB ist seit Ende Februar von knapp 10 auf knapp 16 Dollar gestiegen. Macht ein Plus von rund 60 Prozent.

30-Tage-Chart von BNB. Quelle: ebd.

BNB ist eigentlich ein Utility-Token: Man kann es benutzen, um die Gebühren auf Binance zu begleichen. In der Praxis fungiert es aber wie ein Security Token, also eine Art von Aktie: Es repräsentiert den Erfolg der Börse. Damit könnte BNB ein Pionier einer Klasse von Assets sein, von denen wir noch viele sehen werden, wenn auch vermutlich auf einer anderen konkreten Basis. Dass das Token jetzt so nach oben schießt, könnte darauf hindeuten, dass sich die Märkte darauf vorbereiten, wieder Schwung zu nehmen. Denn je mehr gehandelt wird, desto besser für die Börsen.

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