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Die Sache mit dem Instamining bei Dash …

Wenn man über Dash redet, ist man oft gleich beim Instamine. Es wäre ja ein netter Coin, aber was am Anfang passiert ist, sei nicht zu akzeptieren, heißt es manchmal: Die Dash-Gründer hätten sich einen großen Teil der Dash-Token in die eigene Wallet gemined. Was ist an dem Vorwurf dran? Pure Meinungsmache – oder ist hier wirklich etwas faul? Die Faktenlage ist eigentlich eindeutig und unkontrovers. Worüber gestritten wird ist vielmehr, was daraus folgt.

Dash ist eigentlich ein richtig interessanter Coin. Im Grunde technisch dasselbe wie Bitcoin, nur mit geringeren Blockzeiten, mehr Kapazität, und Masternodes, die interessante Features hinzufügen, etwa ein PrivateSend, das die Privatsphäre zumindest verbessert, oder ein InstaSend, das unbestätigte Transaktionen sicherer macht. Es gibt eine rege Dash-Community, die hartnäckig das alte Ziel verfolgt, digitales Bargeld in den Handel zu bringen. Und das mit beachtlichem Erfolg: Bei Shopinbit.de, einer Plattform, auf der man alles mögliche mit Kryptocoins bezahlen kann, macht Dash mehr als 60 Prozent des Volumens aus, bei der Reiseplattform Travala steht es nach Bitcoin auf dem zweiten Platz. Wird Dash die Alternative zu Bitcoin, wenn man einfach nur bezahlen will?

Wäre alles gut – gäbe es nicht diese Sache mit dem Instamining. Erst Ende Juli hat Charlie Lee, der als Boss des konkurrierenden, aber weniger dynamischen Litecoins nicht ganz unvorbelastet ist, gegen Dash gestänkert: Dash habe einen unfairen Start gehabt. Es sei zunächst nur in einem kleinen Kreis von Freunden betrieben worden, und dann, als es öffentlich wurde, sei die Schöpfung neuer Coins stark gedrosselt worden. Auch von Seiten der Monero-Szene – die als Privacy-Coin ebenfalls mit Dash konkurriert – wird über diesen angeblichen „Instamine“ gelästert: „Der Start von Dash war ‚problematisch‘, da während des ersten Tages sehr viel mehr Coins geschürft wurden als geplant. Das könnte ein Fehler gewesen sein, oder auch perfekte Planung von Evan. Es kommt mir merkwürdig vor, dass Leute jemandem vertrauen, einen neuen Hashing-Algorithmus zu konstruieren, der es nicht mal geschafft hat, einen Coin ordentlich zu starten.“

Evan Duffield, der Vater von Dash, so heißt es, habe sich mit ein paar Kumpels die Taschen mit Dash-Token vollgestopft, und alles, was nun passiert, sorgt nur dafür, dass er unermesslich reich wird. Das macht Dash noch nicht zum Betrug, aber es verleiht ihm einen etwas unangenehmen Geruch. Wie sieht es tatsächlich aus? Gab es einen Instamine, und was konkret ist geschehen?

Grundsätzlich besteht Einigkeit, was passiert ist. Es gab kein „Prä-Mining“, also kein Mining, bevor der Coin öffentlich ging. Allerdings wurden tatsächlich im Lauf der ersten 24 Stunden viel zu viele Coins erzeugt: 1,86 Millionen, was knapp 20 Prozent der derzeitigen Geldmenge von gut 9 Millionen Dash entspricht. Der Grund dafür war ein Bug in dem Mining-Code des damals noch XCoin genannten Coins. Der Bug kam, so die Dash-Entwickler, aus der Codebase von Litecoin, und hat die Anpassung der Schwierigkeit und der Blockinterwalle verhindert. Die beiden Entwickler, Evan Duffield und InternetApe, haben den Fehler kurz darauf gefixt. Seitdem läuft die Schöpfung von Dash auf normalem Wege.

Evan Duffield kommentierte das später: „Der Instamine fand statt, niemand stellt das in Frage. Der Großteil der Krypto-Szene hat damit kein Problem, außer ein paar, die denken, wir verstecken es auf irgendeine Weise …“ Während der ersten Wochen von Dash habe er „in einem sehr herausfordernden Job gearbeitet. Daher habe ich in jeder Nacht die Feuer gelöscht, während ich am Tag Tabs für Dash offen hatte (während mich mein Boss anschrie, als er mich ein paar Mal erwischt hatte).“ Es gibt also keinen Zweifel darüber, was passiert ist.

Die offene Frage ist nun: Wie soll man es einschätzen? Die Gegener von Dash sind sich einig, dass es schlecht ist. Dass Evan und seine Freunde sich die Wallets gefüllt haben, und dass das Instamine Dash für alle Zeiten nicht vertrauenswürdig macht. Man kann sich nie so viele Token kaufen, wie diejenigen, die irgendwann 2014 ein paar Stunden gemined haben; Satoshi hat 2 Jahre lang gemined, um etwa 5 Prozent der gesamten Geldmenge zu bekommen; die Dash-Gründer haben in 24 Stunden etwa 15 Prozent abgestaubt. Das kann nicht gut sein. Ich selbst denke auch, dass es ein großer Nachteil ist.

In der Dash-Community wird der Instamine aber weithin hingenommen. Zum einen, weil ein Großteil der so früh geschürften Dash-Coins schon längst verkauft ist. Mitgründer InternetApe habe die 160.000 Coins, die er in einer Woche bekommen hat, schon früh verkauft und das Projekt verlassen. Die Effekte des Instaminings seien längst umverteilt. Schon kurz nach dem Start wurde die größte Börse, auf der Dash gehandelt wurde, gehackt, und hunderttausende von Coins wurden auf anderen Börsen verkauft. Dies habe, meint Duffield, die Dash-Einheiten ebenfalls verteilt.

Aber Duffield geht noch weiter. Er meint mittlerweile sogar, dass das Instamine nützlich gewesen sei. „Letztens sprach im in einem Video über das Instamine. Darin heißt es, das Konzept sei der Schlüssel zum Erfolg von Dash gewesen. Das glaube ich mittlerweile auch.“ Der Grund? „Die initiale Distribution gleich zu vollziehen, bevor der Coins Fahrt aufnimmt, hat es dem Dash-Projekt erlaubt, die ersten zwei Jahre der Aktivität von Bitcoin in etwa einem Monat zu durchlaufen. Das war so, weil die Coins initial verteilt wurden und ihren Weg zu den Gründern gefunden haben, die sie für nichts bekamen.“ Die Gründer konnten nun entweder verkaufen, oder am Projekt weiterarbeiten, um den Wert ihres Investments zu steigern. „Ich glaube, alle erfolgreichen Krypto-Coins in unserem Raum haben eine Distribution, bei der die Gründer mehr als 5 Prozent aller Münzen erhalten. Bei Dash haben alle Gründer zusammen weniger als 10 Prozent.“

Viel mehr gibt es zu dem Thema eigentlich nicht zu sagen. Am Anfang wurden extrem viele Dash gemined, das ist ein Fakt, und sie flossen den Entwicklern und auch den frühen Minern zu. Vermutlich war das ein Bug, aber der Verdacht, es sei Absicht gewesen, hält sich. Einige der Profiteure haben früh verkauft, andere haben ihre Dash wohl behalten und verstehen sie als Ansporn, um Dash besser zu machen. Wieviele dieser Coins mittlerweile unters Volk gebracht sind – und zu welchen Gewinnen – weiß man nicht. Man kann darüber nur spekulieren.

Kann der Instamine – das ist wohl die Frage, um es die geht – ein an sich gutes Projekt kaputtmachen? Die Antwort darauf muss jeder für sich selbst wissen. Die Fakten dafür sind bekannt.

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