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Die Krypto-Trends 2020: Das geschah in diesem Jahr

Hinterher weiß man es meistens besser: Das Jahr 2020 geht zu Ende, und wir fassen zusammen, was die Krypto-Trends des Jahres gewesen sind – und was es nicht zum Trend geschafft hat. Unser Mega-Jahresrückblick umfasst 11 Trends und 7 Flops.

Was genau das Jahr 2020 dominiert hat, ist nicht ganz einfach zu sagen und hängt natürlich von der Perspektive des Beobachters ab. Was für den einen ein Trend ist, war für den anderen ein Flop – und umgekehrt.

Wir haben die folgenden Trends ausgemacht:

Banken, Institutionen und Unternehmen investieren in
Bitcoin als Inflationsschutz. Die Folge:
Die Bitcoin-Dominanz steigt wieder.
Die Großtrends bei Ethereum dagegen sind
Decentralized Finance (DeFi) und
Non-Fungibe-Tokens (NFTs). Damit einher geht ein Aufstieg der
Stablecoins, was auch die Aufmerksamkeit der Regulierer findet, sowie
eine erste Welle der Security Token, die vor allem in Deutschland ihren Ausgang nimmt.
Mehr und mehr erkennen die sogenannten „Schurkenstaaten“ den Wert von Bitcoins,
während das Darknet mehr und mehr auf Monero setzt, und
die Ransomware-Hacker durch das Drohen mit Leaks ihr Lösegeld erhöhen.
Technisch dagegen geschieht nicht viel, auch wenn ein Trend zu Blockchain 2.0 oder 3.0 festzustellen ist.

Neben diesen Trends haben wir auch eine Liste von Themen, die entgegen mancher Vermutungen keine Trends wurden:

So haben es weder Lightning noch Liquid noch andere Second-Layer-Lösungen geschafft, eine kritische Masse zu erreichen.
Trotz des Hypes gelang es Facebooks Libra auch 2020 nicht, live zu gehen,
und die Darknetmarkets, einst eine Säule der Bitcoin-Adoptions, haben größtenteils stagniert.
Auch im Einzelhandel blieb die große Bitcoin-Akzeptanz aus, trotz bemerkenswerter Fortschritte,
wie auch im Mikropayment, das eigentlich eine prädestinierte Anwendung von Kryptowährungen ist.
Und obwohl es die ersten Bitcoin-ATMs nach Deutschlands schafften, blieb die Nachfrage ziemlich schmal.
Viel gehypte Blockhain-Anwendungen, etwa in der Identität oder in der Lieferkette, warten ebenfalls auf ihren Durchbruch.

Nun im Einzelnen zu den Trends und Untrends:

Trends

Banken, Institutionen und Unternehmen

Die Rally, mit der Bitcoin das Jahr beendet, geht weniger von privaten Investoren als von Unternehmen und Vermögensverwaltern aus.

Mehr als je zuvor haben im Jahr 2020 Banken, Unternehmen, Fonds und Institutionen begonnen, in Bitcoins und andere Kryptowährungen zu investieren oder dies ihren Kunden zu ermöglichen. Beispiele sind die Investments von MicroStrategy, Square und MassMutual – während etwa PayPal und die Schweizer Bank Sygnum Kryptos zu ihren Kunden bringen. Die regulatorische und technische Grundlage dafür schaffen spezielle Dienstleister und Verwahrer, beispielsweise NYDIG aus New York.

Bitcoin als Inflationsschutz

Während der Corona-Krise haben zahlreiche Staaten die Geldmenge ausgeweitet, um Hilfsmaßnahmen zu finanzieren, etwa die EU oder die USA. Bisher steigen die Verbraucherpreise, wenn überhaupt, nur moderat. Doch wie seit gut einem Jahrzehnt findet eine erhebliche Inflation in den Preisen von Vermögenswerten statt – etwa Gold, Immobilien, Aktien oder Kryptowährungen. Die Folge davon ist ein extremer Ausbau der Kluft zwischen Arm und Reich.

Bitcoin hat sich Im Jahr 2020 als Vermögenswert etabliert. Der Preis reagierte simultan zu anderen Vermögenswerten: Erst brach er in der Corona-Krise ein, dann schnellte er in die Höhe, um schließlich sogar kurz ein neues Allzeithoch zu erreichen. Zugleich entdecken mehr und mehr Anleger die Kryptowährung als „sicheren Hafen“.

Bitcoin-Dominanz steigt wieder

Die Rally 2020 ging vom Interesse großer Anleger an Bitcoin aus. Sie zog die meisten Altcoins mit, doch insgesamt konnte kaum eine Kryptowährung ihren Wert gegenüber Bitcoin erhalten. Die Märkte interessierten sich 2020 weniger für technisch interessante Blockchains mit potenziellen Nutzungsfällen – sondern vor allem für stabile Wertspeicher wie Bitcoin.

2020 wurde auch zu einer Lektion in Sachen Netzwerkeffekte: Alle Coins, die in ihrer Liga führend sind, haben ihren Wert zu ihren Konkurrenten ausgebaut: Ethereum als Plattform für Smart Contracts, Monero als Privacy-Coin und Bitcoin als Wertspeicher und Zahlungsmittel.

Decentralized Finance (DeFi)

Decentralized Finance, kurz DeFi, war vielleicht DER Trend des Jahres: Finanzanwendungen, die als „Dapp“ dezentral auf der Blockchain laufen, in der Regel als Smart Contract auf Ethereum. DeFi gab es schon früher, bestand aber lange nur aus der Maker-DAO, die die DAI-Dollar herausgibt, sowie einigen experimentellen Nischenanwendungen. 2020 schafften mehrere DeFis einen Durchbruch, etwa die Wechsel-DAO UniSwap oder Lending-DAOs wie Compound, wodurch die Marktkapitalisierung aller DeFis von 600 Millionen auf 15 Milliarden Dollar anstieg.

Ein wesentliches Element des DeFi-Hypes waren und sind die DeFi-Token. Das sind in der Regel sogenannte „Governance-Token“, die die Smart Contracts an die User ausschütten, beispielsweise wenn man bei Compound Liquidität bereitstellt. Diese Token konnten die Rendite der DeFis enorm steigern – zum Teil auf mehr als 100 Prozent im Jahr – allerdings nicht nachhaltig. In der Regel konnte man zuschauen, wie ihr Preis – und damit auch die Rendite – in kurzer Zeit kollabierte.

Die DeFis haben auch eine neue Art von Hack eingeführt: einen Hack, der nicht (nur) Code-Fehler ausbeutet, sondern (auch) verborgene wirtschaftliche Schieflagen des Smart Contracts, und die den gesamten Hack in einer einzigen Transaktion verpacken, die auf der Klaviatur des gesamten DeFi-Systems spielt. Diese Hacks sind noch komplizierter als die klassischen Hacks – was sie für Normalsterbliche kaum noch nachvollziehbar macht.

Und natürlich fahren im Windschatten legitimer DeFi-Dapps eine Menge Betrüger mit … Dennoch ist der DeFi-Trend so prägend, dass zentralisierte Börsen schon darüber nachdenken, wie sie im Zeitalter von DeFi ihre Existenzberechtigung finden

Non-Fungible-Tokens (NFTs)

Ein weiterer Trend auf Ethereum sind die Non-Fungible-Token, kurz NFT. Es handelt sich dabei um Token, die zwar einem spezifischen Smart Contract zugeordnet sind – man könnte sagen, einer Familie – aber von denen ein jedes seine individuellen Eigenschaften hat.

NFTs können digitale Assets wie Kunstwerke, Sammelkarten oder In-Game-Items repräsentieren. Mit Crypto-Kitties haben sie zwar schon 2017 ihren Einstand gefeiert – doch 2020 ist in dem Bereich etwas passiert: Mehrere Plattformen für digitale Kunstwerke als NFTs haben eröffnet (etwa OpenSea und Rarible), und es gelang den Entwicklern, namhafte Institutionen dazu zu bringen, auf den Zug aufzusteigen: Soare etwa überzeugt einen Fußballverein nach dem anderen, ihre Spieler zu tokenisieren (auch den FC Bayern München), während die BBC ihre Doctor-Who-Marke für ein NFT-basiertes Sammelkartenspiel hergibt. Gleichzeitig scheint es auch erste Netzwerkeffekte zum DeFi-Trend zu geben, etwa wenn jemand ein Crypto-Kittie-Token als Kollateral für ein Darlehen verwendet.

Ob man bereits von einem ausgemachten Trend sprechen kann, ist schwer zu sagen. Aber es passiert in jedem Fall etwas interessantes.

Stablecoins

Blockchain-Token, deren Wert an Fiat-Währungen gebunden ist, nennt man gemeinhin „Stablecoins“ (was angesichts der Inflation der Fiat-Währungen etwas irreführend ist).

Stablecoins haben sich im Jahr 2020 durchgesetzt: Sie wurden zur meistgehandelten Währung auf Kryptobörsen – noch vor Bitcoin, noch vor Dollar auf Bankkonten. Auch in Hacks tauchten Stablecoins immer öfter auf. Ein Grund für den Aufstieg der Stablecoins könnte auch der DeFi-Trend sein: Dank der Smart Contracts kann man mit Dollar, die ein Token auf der Ethereum-Blockchain sind, interessante Dinge machen, die man mit Dollar auf der Bank nicht machen kann.

Bisher sind Stablecoins ein reines Kind der Krypto-Szene. Sie werden entweder von kämpferisch-regulierungsscheuen Unternehmen wie Tether herausgegeben (USDT), von zahmeren Krypto-Startups wie Coinbase und Circle (USDC) oder von dezentral-regulierungsblinden Smart Contracts wie der Maker-DAO (DAI). Doch die ersten „fachfremden“ Institutionen sind schon im Begriff, Stablecoins herauszugeben, etwa Facebook mit seinem Libra, der nun Diem heißt, oder die Von der Haydt Bank, die demnächst den EURB veröffentlicht.

Dieser Trend geht auch an Regierungen und Regulierern nicht vorbei. Auf der einen Seite sind die Regierungen entschlossen, einer privaten Währung von Facebook möglichst viele Steine in den Weg zu legen; andererseits rücken Stablecoins in der Diskussion um die Regulierung von Kryptowährungen immer mehr in den Vordergrund – und erstmals auch auf Blacklists.

Security Token

Security Token Offerings (STO) sind quasi die seriöse Fortsetzung der Initial Coin Offerings (ICO), die zur Plage der Jahre 2017 / 2018 geworden sind.

Bei Security Token handelt es sich um regulierte Wertpapiere, die als Token auf einer Blockchain gespeichert und gehandelt werden. Anders als ICOs, die ein neues, zugangsfreies und unreguliertes Finanzprodukt schufen, reproduzieren Security Token etablierte Finanzinstrumente wie Aktien oder Anleihen auf der Blockchain. Die technische Modernisierung soll die Geschwindigkeit erhöhen, die Kosten senken und, unter Umständen, auch Mittelsmänner beseitigen.

2020 wurden Security Token zum Trend – und zwar vor allem in Deutschland. Hier hat BitBond begonnen, seine Erfahrung mit der eigenen STO im Finanzwesen weiterzugeben. Dies traf offenbar einen Nerv. Die Von der Haydt Bank beginnt, Vebriefungen zu tokenisieren, ClickOwn gibt tokenisierte Anleihen heraus, die durch Immobilien gedeckt sind, und Kapilendo tokenisiert Mittelstandsanleihen – um nur einige Beispiele zu nennen. Alle rund um BitBond entstehenden STOs benutzen die Stellar-Blockchain.

Ein anderes Beispiel wäre das Kölner Startup ClassicCarCoin, das mit einem Security Token auf der Ethereum-Blockchain ein Investment in Oldtimer ermöglicht (dazu folgt bald ein Artikel).

Security Token versprechen, den Handel und die Verwahrung von Wertpapieren günstiger und effizienter zu machen. Deutschland nimmt in diesem Trend eine Vorreiterrolle ein, was vor allem am Agieren eines einzigen Startups liegt – an BitBond.

„Schurkenstaaten“ setzen auf Bitcoin

Einer der faszinierendsten Trends 2020 ist die zunehmende Nutzung von Bitcoin als Schattendevise durch die sogenannten „Schurkenstaaten.“

Die Regierung Trump war ja nicht eben geizig mit Finanzsanktionen und auch bemüht, diese durchzusetzen. Vor allem für Länder wie Venezuela und den Iran hat dies in den vergangenen Jahren zu einer wachsenden Problematik geführt, Devisen zu erhalten – also Fremdwährungen, in der Regel Dollar, mit denen man für Importe aus dem Ausland bezahlen kann.

Bitcoin hat offenbar genügend Vertrauen und Akzeptanz gewonnen, um sich diesen Ländern mehr und mehr als Schattendevise anzubieten: Der Iran fördert das Mining im Land, möchte aber, dass die geschürften Bitcoins für den Import von Gütern eingesetzt werden, während der venezuelanische Staat bereits eine Börse und ein Mining-Center betreibt und angeblich auch schon für Importe aus dem Iran und der Türkei mit Bitcoins bezahlt.

In diesem Jahr hat sich gezeigt, dass Bitcoin tatsächlich die geopolitische Lage beeinflussen und die Wirkung von Finanzsanktionen unterminieren kann.

Monero als Goldstandard der Privatsphäre

Bitcoin ist weiterhin der Standard im Darknet, bekommt aber zunehmend Konkurrenz durch die anonyme Kryptowährung Monero.

Auch dies ist ein Trend, den man 2020 sehr deutlich beobachten konnte. So ist Monero mittlerweile auf den Darkent-Märkten die am zweithäufigsten akzeptierte Kryptowährung, während einige Ransomware-Gruppen exklusiv Monero für das Lösegeld verlangen. Am deutlichsten erkennt man den Trend jedoch daran, dass kaum ein Bericht der Strafverfolger ohne den Hinweis auf Monero auskommt und sogar die US-Steuerverwaltung einen Preis dafür ausgeschrieben hat, die Anonymität von Monero zu brechen.

Ransomware droht mit Leaks

Ransomware ist seit 2013 eine Plage des Internets und eine der „Killer-Apps“, auf die man als Bitcoin-Fan nicht ganz so stolz ist.

Die „Branche“ gilt Europol zufolge als eine der am schnellsten wachsenden Zweige des Cybercrimes. Dies könnte auch daran liegen, dass sich Ransomware 2020 ein neues Geschäftsmodell erschlossen hat: Anstatt lediglich die Daten der Opfer zu verschlüsseln und Bitcoins für die Entschlüsselung zu verlangen, raubt das Virus die Daten, droht mit einem Leak – und verlangt noch mehr Bitcoins, um dies zu unterlassen.

Im Jahr 2020 fielen mehrere bekannte Unternehmen diesem Trend zum Opfer, etwa eine Promi-Anwaltskanzlei aus New York, während die Höhe der Lösegelder neue Rekorde feierte.

Als Randnotiz sei hier vermerkt, dass Ransomware in den USA mittlerweile als „Cyberterrorismus“ gehandelt wird und es in Deutschland ein erstes Todesopfer im Zusammenhang mit der Malware gab.

Blockchain 2.0 oder 3.0

Technisch ist 2020 relativ wenig passiert: Bitcoin blieb, wie es ist, Ethereum 2.0 begann, ist aber noch nicht soweit, dass wir von einem Trend reden wollen, während IOTA auch das Neujahrsfest 2021 mit dem zentralen Koordinator feiert. Anstatt das Rad neu zu erfinden, versucht man in diesem Jahr, Passagiere einzuladen.

Dennoch sind einige technische Trends zu entdecken. Man könnte sie „Blockchain 2.0 oder 3.0“ nennen: Neue Architektur-Konzepte für eine Blockchain, die den energiehungrigen Proof-of-Work entweder durch eine moderne Form von Proof of Stake oder durch eher wahlbasierte Konsensverfahren ersetzen. Diese neuen Blockchains versprechen, sehr viel besser zu skalieren als Bitcoin und Ethereum, zum Teil sollen sie auch zum Zentrum eines Geflechts aus mehreren Blockchains werden.

Beispiele hierfür sind Cardano, Polkadot, IOTA (2.0), Ethereum (2.0), Cosmos, VeChain, Avalanche und andere. Sie ersetzen eine ältere Generation an innovativen Blockchains wie Lisk, Steem und andere.

Keine Trends

Manche Dinge wollen einfach kein Trend werden, soviel man es auch versucht, oder hören auf, ein Trend zu sein. Wir finden, auch das verdient Erwähnung.

Lightning, Liquid und Layer 2

Seit sicherlich fünf Jahren gelten sogenannten „Second-Layer-Lösungen“ als Zukunft von Blockchains. Doch auch 2020 blieb der Trend aus. Das Lightning Netzwerk führt trotz der ungebrochenen Begeisterung der Community sowie einigen bemerkenswerten Entwicklungen (etwa Multi-Path-Payments) weiterhin ein Nischendasein mit stagnierender Liquidität; die Sidechain Liquid sollte Bitcoin skalierbarer, privater und tokenfähig machen, schaffte es aber nicht, eine nennenswerte Anzahl an User zu gewinnen.

Nichts verdeutlicht das bisherige Floppen der Second-Layer-Lösungen für Bitcoin so sehr wie Ethereum: Anstatt dass Bitcoins „offchain“ in Lightning oder „sidechain“ auf Liquid fließen, werden sie auf Ethereum mit WBTC tokenisiert – und landen lediglich auf einer anderen Blockchain. Eine Börse, die ein Token auf der Liquid-Sidechain herausgebracht hat (und diese dann als Zukunft der Token anpries) hat ihr Token mittlerweile auf Ethereum erneut tokenisiert, um es zu DeFi zu bringen; sogar Bitcoin-Hardliner um die Liquid-Betreiberin Blockstream geben ihre Token auf Ethereum heraus.

Doch auch auf der Ethereum-Seite ist das Gras nicht nur grün. Der Hype um Token und DeFis brachte die Blockchain an ihre Belastungsgrenze, wodurch die Gebühren ein surreal hohes Niveau erreichten. Dementsprechend kündigt man auch auf Ethereum „Second-Layer“ als Alternative an, was hier vor allem „Rollups“ in verschiedenen Variationen meint. Aber auch hier ist noch nicht zu erkennen, dass sich diese Skalierungslösung durchsetzt.

Libra

So viel Bahnhof, so viel Pomp, und dann … — Facebooks Libra wurde Mitte 2019 so laut angekündigt, hat die Regierungen und Staaten so sehr aufgeschreckt, hat so viele Firmen in der Libra Association zusammengetrommelt, doch dann – ist gar nichts passiert. Ein Monat nach dem anderen verging im Jahr 2020, doch Libra wollte einfach nicht starten, während Facebook sich mit Regulierern rund um die Welt auseinandersetzte und ein Mitglied der Association nach der anderen absprang. Ende 2020 ist das Projekt zwar nicht tot, aber als schnöder Stablecoin geplant, mit einer experimentellen, nicht-öffentlichen Blockchain. Von einer revolutionären Idee bleibt also nicht viel mehr als ein neues PayPal, das auf Facebook aufsitzt und aus irgendeinem Grund eine Blockchain braucht.

Darknetmärkte

Früher, in den wilden Jahren von Bitcoin, trieben die Darknetmärkte die Verbreitung. Heute spielen sie ein Nischendasein, selbst im Cybercrime. Die Marktplätze im Darknet haben zwar die vielen Angriffe der Strafverfolgung überlebt. Doch davon, den globalen Drogenhandel zu übernehmen, sind sie weiterhin weit entfernt. Im Großen und Ganzen haben sie 2020 eher stagniert.

Einzelhandel

Der Traum, Bitcoin und andere Kryptowährungen in den Einzelhandel zu bringen, ist alt – und weiterhin unerfüllt. Zwar gibt es aus Österreich einen sehr bemerkenswerten Anlauf, Kryptozahlungen in verbreitete Terminals zu bringen. Doch ein echter Erfolg bleibt bislang aus. Wenn man heute mit seiner Wallet im Einzelhandel bezahlen kann, dann, weil eine Debitkarte von Visa oder Mastercard an die Wallet angebunden ist.

Bitcoin-Geldautomaten (ATM)

Nicht viel besser sah es bei Automaten aus. Zwar hat 2020 endlich einige Bitcoin-Geldautomaten nach Deutschland gebracht, was für die eine oder andere Schlagzeile gesorgt hat. Doch die deutsche Finanzaufsicht BaFin ließ die meisten wieder entfernen, was insgesamt gar nicht so arg auffiel. Bitcoin-ATMs gibt es seit etwa 2013 – doch der große Erfolg blieb auch 2020 aus.

Micropayments

Ähnlich verhält es sich mit MicroPayments: Seit eh und je gelten sie als potenzielle Killer-App von Bitcoin, anderen Kryptowährungen oder offchain-Netzwerken wie Lightning. Und seit eh und je beisst sich ein Startup nach dem anderen die Zähne daran aus. Trotz vieler verheißungsvoller Projekte konnten blockchain-basierte Micropayments in diesem Jahr keinen Meter Land gewinnen.

Blockchain-Tech

Schließlich wollen wir noch die seit etwa 2015 allerorten angepriesene sogenannte „Blockchain-Tech“ erwähnen. Es heißt seit langem, dass Blockchain die Zukunft von Supply-Chains (Lieferketten) oder von digitalen Identitäten wird. Die Bundesregierung hat sogar eine „Blockchain-Strategie“ verabschiedet, um diese neue Technologie zu unterstützen. Doch was wurde daraus? Ihr ahnt es – nichts.

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