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Der Lightning-Hackday in München: Mehr Festival als Konferenz

Ein paar Eindrücke vom Lightning Hackday in München: Thomas Voegtlin erklärt, wie er Lightning in Electrum bringt und was das für ihn bedeutet; ein Bitcoiner aus Brasilien erzählt von einem monumentalen Kraftwerk an der Grenze zu Paraguy, und ein Besitzer eines großen Lightning Hubs berichtet, wie viel Geld er durch Transaktionen einnimmt. Dazu gibt es natürlich Kaffee und Bier, bezahlt per Lightning.

Der Hackday ging das ganze Wochenende und war ein Riesenevent. Ich wäre gerne, konnte aber Samstag nicht, und habe es lediglich geschafft, am Sonntag für einige Stunden dort zu sein. Daher bin ich vermutlich ein schlechter Berichterstatter. Ich habe nur einen Bruchteil mitgbekommen, und, um ehrlich zu sein: Ich habe keine einzige Präsentation gesehen.

Aber ich glaube, darum ging es auch gar nicht so sehr. Der Lightning Hackday war ein internationales Zusammenkommen von Bitcoinern, mehr ein Festival als eine Konferenz. Alles in allem waren rund 200 Leute anwesend, erzählt der Organisator Jeff Gallas, ich vermute, von allen Kontinenten und aus (wild geschätzt) mehr als 30 Ländern. Der Präsentationsraum war eher klein, nicht mal Klassenzimmer-Größe, während die Halle, in der einfach nur Sofas, Tische und Stühle standen, ziemlich ausgedehnt war. Hier saßen die meisten Leute, redend, diskutierend, an Hardware bastelnd, programmierend …

Eine Münchner Kaffeerösterei hat traumhaften Kaffee verkauft, zum echt günstigen Preis von 10.000 Satoshi je Becher (etwa 80 Cent). Dass der Röster nicht Euro, sondern Bitcoin als Rechnungseinheit machte, war beeindruckend; es zeigte den Geist dahinter: Es geht nicht ums Geldverdienen, sondern darum, Lightning voranzubringen. Bezahlt wurde der Kaffee natürlich per Lightning. Wer Lust auf etwas mit mehr Umdrehungen hatte, konnte sich an einem Zapfhahn Bier einschenken. Wenn man per Lightning einen kleinen Betrag – 21 Schweizer Rappen – bezahlte, floss automatisch ein kleines Bier aus dem Zapfhahn.

Auf diese Weise wurde der Hackday selbst zum Test, wie gut Lightning-Zahlungen funktionieren. Es gab einen Tweet von Podcaster Peter McCormack, der er ein Video zeigt, in dem er stolz seinen Kaffee mit Lightning bezahlt – was aber eher für Amüsement unter den Lightning-Skeptikern sorgte, weil es vom Drücken des „Pay“-Knopfs an 20 Sekunden gedauert hat, bis die Zahlung an der Kaffeekasse registriert wurde.

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Diese Erfahrung konnte ich nicht reproduzieren, obwohl ich wie Peter mit der BlueWallet bezahlt habe (benutzt lieber Eclair!). Bei mir hat keine der zahlreichen Zahlungen länger als fünf Sekunden gedauert. Der Kaffeeröster hat mir das bestätigt: Grundsätzlich gehen alle Zahlungen durch, manchmal geht es schneller, manchmal länger. 20 Sekunden lagen am extremen Ende der Skala. Einer der Ko-Veranstalter, Michael, meinte, es würde vermutlich am lokalen WLAN liegen, das durch die vielen Internet-Junkies in der Halle zuweilen überlastet wird.

Insgesamt, berichtet der Veranstalter Fulmo später, sind mehrere hundert Kaffee und Biere per Lightning bezahlt worden. Wenn man es in Blockspace umrechnet, hätte das, was an diesem Wochenende durch Lightning gerauscht ist, 100 bis 200 Kilobyte verbraucht.

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Vor dieser Kulisse also gab es reichlich Gelegenheit, Leute zu treffen, die man ansonsten eher selten trifft.

Besonders gefreut habe ich mich, Thomas Voegtlin kennenzulernen und mich bei ihm zu bedanken. Thomas ist der Entwickler von Electrum, dieser großartige Wallet-Software, ohne die Bitcoin, zumindest für mich, ein mächtiges Stückchen ärmer wäre. Zunächst habe ich ihn gefragt, wie er mit Electrum Geld verdienen kann. Er erzählt, dass es schwierig ist, weil Electrum dezentral funktioniert, ohne einen zentralen Server. Es gibt zwar ein Geschäftsmodell, aber das reicht nur für eine Sekretärin und noch einen Entwickler. Er selbst verdient nichts und lebt vor allem davon, seit 2011 in Bitcoin zu sein.

Immerhin wittert er eine Chance, Geld durch einen Watchtower-Service zu verdienen, wenn er Lightning in Electrum implementiert hat. Das war nämlich eine der großen Ankündigungen des Hackdays: Electrum wird Lightning bekommen. Thomas hat dafür Lightning in Python implementiert und ist an sich damit fertig. Es wird nicht mehr lange dauern, bis User es testen können, zunächst nur durch die Command-Line.

Kurz darauf habe ich einen Bitcoiner aus Brasilien kennengelernt, Carlos. Er war eher zufällig da. Seine Firma hat ihm angeboten, in München auf eine Messe zu gehen, und als er erfuhr, dass am selben Wochenende Hackday ist, hat er zugesagt. Er erzählt mir, wie es um Bitcoin in Brasilien aussieht. Generell ist nicht viel los, viel weniger als etwa in Argentinien. Dabei könnte Brasilien Bitcoin gut gebrauchen: Der Ein- und Ausfluss von Geld ist zäh, es gibt viele Menschen ohne Banken, aber 1,9 Smartphones je Brasilianer. Eigentlich eine exzellente Grundlage. Aber der Staat macht es dem Ökosystem schwer. Kürzlich habe Brasilien eine der härtesten Regulierungen der Welt verhängt: Börsen sind verpflichtet, der Aufsicht alle Bitcoin-Adressen zu melden, an die sie Coins auszahlen.

Etwas amüsanter war seine Geschichte von einem Kraftwerk an der Grenze zu Paraguy. Ein riesiges Hydrokraftwerk, laut Carlos das zweitgrößte der Welt. Es produziert etwa 18 Terawattstunden im Jahr, die laut Vertrag halb-halb zwischen Brasilien und Paraguy geteilt werden. Da Paraguy aber nur 1,5 Terawattstunden im Jahr verbraucht, hat das Land einen gigantischen Überschuss an Strom, den es zu einem Spottpreis an Brasilien verkauft. Mit Mining, meint Carlos, würden sie viel mehr einnehmen.

Ich merke mir beides, um darüber einen Artikel zu schreiben, und schaue mich in der Halle weiter um. Es gibt einiges zu entdecken. Der Münchner Bitcoin-Bastler Stepan Snigirev hat etwa einen „Bitcoin-ATM“ aus Kinderbausteinen gebaut. Das Gerät funktioniert so, dass man per Lightning einzahlt und dann „Fiat“ herausbekommt – kleine, als Euroschein verpackte, flache Schokoladenstücke. Alternativ kann man die Fiat-Schokolade hineinstecken und Lightning-Bitcoins herausbekommen.

Später habe ich noch mit jemandem geredet, der einen relativ großen Lightning-Node hat. Er erzählte mir, dass er allein an diesem Wochenende 80-90 Transaktionen durch Lightning geroutet hat. Viel verdient hat er damit aber noch nicht. Die Gebühren betrugen zuerst ein Millionstel Satoshi je weitergeleitetem Satoshi, später hat er sie auf ein Zehntausendstel erhöht. Ich bin mir mit den Zahlen nicht exakt sicher. Verdient hat er kaum etwas, vielleicht ein paar Cent. Er meinte, es gebe derzeit noch nicht viele Aussichten, mit Lightning Geld zu verdienen, es sei für ihn eher ein Hobby-Projekt.

Max von HodlHodl gibt bekannt, dass der P2P-Marktplatz kurz vor der Einführung von Lightning steht.

Etwas später hat Max von Hodl Hodl, einem P2P-Marktplatz für Bitcoins aus Lettland, einen Vortrag gehalten. Ich habe nur von außen mitbekommen, was er erzählt hat. Er ließ eine der Bomben des Lightning-Hackdays platzen: HodlHodl wird in Kürze Zahlungen per Lightning erlauben. Die Implementierung im Testnetz läuft schon rund, noch in dieser Woche soll es auch im Mainnet losgehen. Damit wird HodlHold wohl die erste Handelsplattform, die Lightning-Zahlungen ernsthaft zulässt.

Es gab noch einiges mehr zu entdecken und anzuhören; noch viele Leute, mit denen ich gerne geredet hätte. Aber die Zeit ging ziemlich rasch herum, auf diesem tollen Event, und ich musste wieder zum Zug.

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