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Der Bitcoin-Michel

In unserer Umfrage haben wir nach den demographischen Merkmalen der deutschen Bitcoin-Szene gefragt: Alter, Beziehungsstatus, Bildung, Beruf, Einkommen, Religiösität und politische Präferenz. Die Ergebnisse sind durchweg interessant – aber eure Antworten auf die Frage, welche Partei ihr wählen würdet, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, sind geradezu skandalös.

In unserer letzten Umfrage habe ich versucht, die Thematiken, was euch an Bitcoin gefällt – und was euch nicht gefällt – etwas sozialwissenschaftlicher anzugehen. Methodisch erlaubt das eine aufschlussreiche, detaillierte Auswertung. Zunächst aber stelle ich die Ergebnisse des zweiten Teils der Umfrage vor. Bei dieser ging es vor allem darum, wer ihr seid. Gefragt wurden demographische Merkmale wie Alter, Beziehungsstatus, Bildung, Beruf, Einkommen, Religiösität und politische Präferenz.

Insgesamt haben gut 300 Personen an der Umfrage teilgenommen. Bei manchen der Fragen, etwa der nach dem Gehalt oder dem Beziehungsstatus, habt ihr eine Antwort verweigert, so dass es dort nur 268 bzw. 269 Antworten gab. Bei den Fragen nach Geschlecht, Alter und politischer Präferenz haben dagegen 299 bzw. 301 von euch eine Antwort gegeben.

Aufgrund der genauen Fragen und der hohen Beteiligung würde ich sagen, dass diese Umfrage recht genau zeigt, wer der typische deutsche Bitcoiner ist. Sozusagen der Bitcoin-Michel.

Beginnen wir mit dem Alter. Der typische deutsche Bitcoiner ist „im besten Alter“:

Der Großteil von euch ist in seinen 30ern, auch wenn es noch relativ große Anteile in den 40ern, 50ern und 20ern gibt. Wenn wir die beiden am stärksten vertretenen Altersgruppen zusammenzählen, erkennen wir, dass die Mehrheit der Bitcoiner zwischen 30 und 50 Jahre alt ist.

Man wird also auf Bitcoin-Meetups überwiegend Personen in dieser Altersgruppe antreffen. Wer sie in der Hoffnung aufsucht, eine Freundin kennenzulernen, wird vermutlich enttäuscht sein. Die Bitcoin-Szene ist kein besonders gutes Umfeld für männliche Singles auf Partnersuche.

Geschlagene 95 Prozent von euch sind Männer. 3 Prozent haben die Option „Sonstiges“ angewählt, nur 1 Prozent „weiblich“. Damit besteht dieses schon lange wahrgenommene unausgewogene Verhältnis weiter, entgegen einer Beobachtung auf der UNCHAIN-Convention. Die Chance für den typischen Bitcoiner, auf einem Bitcoin-Meetup seine große Liebe kennenzulernen, sind also ziemlich gering. Glücklicherweise dürfte das für die wenigsten unter euch eine Rolle spielen.

Der Großteil der typischen deutschen Bitcoiner ist entweder verheiratet (41 Prozent) oder lebt in einer Partnerschaft (33 Prozent). Mit 15 Prozent ist der Großteil der Singles unter den Bitcoinern zufrieden mit seiner Situation, während nur 9 Prozent unter diesem Status leiden.

Es ist schwierig, dies statistisch einzuordnen bzw. zu vergleichen. Laut dem Stern leben 41 Prozent der Deutschen in einem Singlehaushalt. Da wir aber nicht wissen, wie viele unter euch mit der Partnerin zusammenleben und wie viele der in Single-Haushalten Lebenden in einer Partnerschaft stehen, ist der Aussagewert dieses Vergleiches gering. Dennoch würde ich sagen, dass Bitcoiner überdurchschnittlich oft bereits vergeben sind.

Sofern Bildung und Einkommen ein Faktor bei der Partnerwahl sind, ist das nicht überraschend.

Der typische deutsche Bitcoiner ist äußerst gut gebildet. 61 Prozent von euch haben einen akademischen Abschluss: 14 Prozent einen Bachelor, 39 Prozent einen Magister, einen Master oder ein Diplom, und 8 Prozent sogar eine Promotion. Im Vergleich zu den 17 Prozent der Deutschen, die im Durchschnitt einen akademischen Abschluss haben, ist das enorm viel. Insbesonders bei der Promotion fällt auf, dass Bitcoiner 8mal häufiger als der Rest der Bevölkerung einen Doktortitel tragen.

Das macht sich auch im Einkommen bemerkbar:

Der Großteil von euch verdient gut, aber nicht exzessiv: Zwischen 2000 und 8000 Euro, mit einer Spitze zwischen 4000 und 5000 Euro. Das erscheint mir überdurchschnittlich, aber das hängt davon ab, wie man das durchschnittliche Einkommen interpretiert. Wenn man vom Durchschnittseinkommen eines Mannes ausgeht – das in Deutschland angeblich bei satten 3.960 Euro liegt -, liegen Bitcoiner nur knapp darüber.

Anders sieht die Lage dagegen aus, wenn man nach dem Median-Einkommen in Deutschland fragt, das lediglich bei etwa 2.500 Euro liegt: Hier zeigt sich, dass rund 80 Prozent der Bitcoiner mehr verdienen. Je nachdem, ob ihr euch arm oder reich rechnen wollt, könnt ihr den einen oder anderen Wert nehmen.

Das überdurchschnittlich hohe Einkommen des typischen deutschen Bitcoiners dürfte er seiner guten beruflichen Position verdanken.

Wie zu sehen ist, sind drei Berufsgruppen unter euch besonders vertreten: Informatiker, Selbständige und Ingenieure. Angestellte im öffentlichen Dienst sowie im Finanz- oder Bankwesen sind leicht überdurchschnittlich vertreten, gefolgt von relativ ausgeglichenen Anteilen an Studierenden, Betriebswirtschaftlern / Buchhaltern, Forschern, Marketing- und Medienleuten, Handwerkern, Industrie-Arbeitern und Angestellten in sozialen Berufen. Vier von euch haben als „sonstige Antwort“ angegeben, Privatier zu sein, was ich mal darauf zurückführe, dass sich euer Bitcoin-Investment gelohnt hat.

In einem Tortendiagramm versuchen wir, die Berufe in breitere Gruppen zu gliedern:

Beinah 40 Prozent von euch arbeiten entweder als Informatiker oder Ingenieur. Der hohe Anteil der Selbständigen wurde bereits thematisiert, unter die staatlich Angestellten zähle ich hier auch Forschung und Soziales. Zusammen mit dem Bereich Wirtschaft / Finanzen sowie Schule oder Studium decken diese fünf Gruppen den absoluten Großteil unter euch ab.

Eher aus Spaß habe ich noch nach eurer religiösen Haltung gefragt.

Die größte Gruppe unter den Bitcoinern sind die Atheisten (34 Prozent), wozu noch 15 Prozent Agnostiker kommen, was Leute meint, die zwar theoretisch an Gott glauben (wollen), aber ihn praktisch noch nicht gefunden haben. Immerhin 23 Prozent bekennen sich zum christlichen Glauben, gefolgt von 17 Prozent, die die Antwort „Bitcoin“ angekreut haben – wie auch immer man das verstehen mag. Es dürfte zeigen, dass Bitcoin bei vielen von euch eine quasi-religiöse, zumindest aber sehr bedeutende, Rolle einnimmt.

Lasst uns also zusammenfassen: Der typische deutsche Bitcoiner ist zwischen 30 und 50 Jahre alt und bestens gebildet, lebt in einer Partnerschaft und verdient überdurchschnittlich viel als angestellter Informatiker oder Ingenieur oder führt sein eigenes Unternehmen. Man könnte sagen, er ist eine Stütze der deutschen Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Dementsprechend sollten eure Antworten auf die Sonntagsfrage nachdenklich machen.

Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, würden Grüne (30 Prozent) und AfD (24 Prozent) die meisten Stimmen bekommen. Beinah gleichauf liegen FDP (12 Prozent) und Piraten (11 Prozent), während es die Linkspartei und die Satirepartei DIE Partei mit je 5 Prozent gerade so in den Bundestag schaffen würden. Die beiden „Volksparteien“ CDU / CSU und SPD dagegen scheitern an der 5-Prozent-Hürde. Während es bei der CDU / CSU mit etwas mehr als 4 Prozent knapp wurde, ist die SPD mit einem Prozent auf weitab verlorenem Posten.

Wenn ich die Bundesregierung wäre, würde ich mir jetzt Sorgen machen. Die deutschen Bitcoiner sind keine Radikalen oder Frustwähler, sondern ehrliche, gut ausgebildete und gut verdienende Männer, die mitten im Leben stehen. Dass die Parteien unserer Regierungskoalition hier nicht nur schlecht abschneiden, sondern jeglichen Rückhalt soweit verloren haben, dass sie es nicht einmal mehr in den Bundestag schaffen würden, ist ein extremes Ergebnis, mit dem ich nicht gerechnet hätte, und über die die Referenten der „Volksparteien“ vielleicht mal nachdenken sollten.

Ginge es nach euch, würde der nächste Bundestag so aussehen:

Vermutlich würden wir eine Regierung unter Führung der Grünen bekommen. Wenn man die Stimmen der Parteien, die es nicht geschafft haben, auf die Parteien verteilt, die es geschafft haben, dürften sich die Grünen aussuchen können, mit wem sie koalieren: Sie müssten entweder mit der FDP oder den Piraten zusammenarbeiten und dazu noch die Unterstützung von Linkspartei oder Die Partei gewinnen. Weil FDP und Linkspartei nicht miteinander können, blieben wohl vor allem zwei Möglichkeiten: Eine Koalition mit FDP und Piraten – was wohl ein eher liberaleres Regierungsprogramm abgeben würde – oder eine Koalition mit Piraten und Linkspartei, eventuell noch DIE Partei. Dies könnte einen recht deutlichen Linksruck nach sich ziehen.

Schwieriger wäre es für die AfD, eine Regierung zusammenzustellen. Sie könnte mit der FDP koalieren, käme aber auch dann auf lediglich 36 bis 40 Prozent. Um zu regieren, bräuchte sie noch die Unterstützung von Piraten, Linkspartei oder DIE Partei, was vermutlich alles recht unwahrscheinlich ist.

Mit der Sonntagsfrage endet der erste Teil unserer Umfrage-Auswertung. Im nächsten kommen wir dann zu dem Thema, um das es eigentlich ging: Was euch an Bitcoin gefällt – und was euch nicht gefällt.

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