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July 17, 2019
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Das Ökosystem der DApps auf Ethereum, EOS und Tron

Neben Ethereum haben sich offenbar auch EOS und Tron als Blockchains der dezentralen Anwendungen (DApps) etabliert. Der Vergleich zwischen den drei Plattformen zeigt, dass Ethereum zwar die meisten DApps, aber am wenigsten User und Transaktionen hat. Dafür sind die DApps bei Ethereum interessanter, während auf EOS und Tron hauptsächlich gegambelt wird.

DApps ist das Kürzel für „Decentralized Applications“, zu deutsch: Dezentale Anwendungen. Es meint Programme oder Apps, die im Kern auf einem Smart Contract auf einer Blockchain laufen. Dabei kann zwar ein Server im Spiel sein, aber mehr oder weniger wesentliche Teile der Anwendungen wurden auf die Blockchain ausgelagert, was bedeutet, dass sie nicht mehr unter der Kontrolle eines zentralen Servers stehen.

Der Effekt davon: Sofern es keine Entwickler-Intervention durch eine Hardfork gibt, werden die DApps unweigerlich gemäß ihrer Logik ausgeführt. Sie sind unaufhaltbar. Im Unterschied zu Anwendungen mit einem zentralen Server sind sie fortlaufend verfügbar, selbst wenn einzelne Teile des Netzwerks ausfallen; es ist zudem nicht möglich, dass einzelnen Usern verboten wird, die DApps zu benutzen, da jeder an sich berechtigt ist, mit einer Blockchain zu interagieren. DApps sind, wie die Ethereum-Szene in den frühen Tagen gerne warb, das „Internet 3.0„, das mit dem Modell der zentralen Server bricht – und damit auch mit all den Nachteilen und Zentralisierungstendenzen, die die zentralen Datenkraken und Sirenenserver uns Usern aufgebürdet haben.

Übersicht über die DApps auf ETH, EOS und Tron. Quelle: DApp Review

Rund vier Jahre nach dem Start von Ethereum hat sich ein einigermaßen beachtenswertes Ökosystem von DApps herausgebildet. Es ist noch weit davon entfernt, dem bestehenden Internet Konkurrenz zu machen, aber das, was sich gebildet hat, kann schon mal zeigen, wohin die Reise gehen könnte.

Ethereum vs. EOS vs. Tron

Anstatt uns anzuschauen, wie die DApps im Einzelnen funktionieren, werfen wir heute einen Blick auf das Ökosystem der DApps. Die Seite DAppReview gibt darüber einen netten Überblick. Daneben gibt es noch einen Überblick im CryptoCockpit vom Blockchaincenter sowie die Statistiken von DappRadar. Die Statistiken auf diesen Seiten weichen zwar im Detail voneinander ab, werfen im Groben aber doch ein einheitliches Bild ab: EOS und Tron haben Ethereum offenbar in einer Reihe von Metriken hinter sich gelassen.

Vergleich der drei DApp-Plattformen ETH, EOS und Tron. Quelle: DApp Review.

Laut DAppReview hat Etheruem mit etwa 1.800 weiterhin am meisten DApps, während EOS und Tron mit knapp 500 und 400 weit abgeschlagen sind. Allerdings werden die DApps auf EOS und Tron offenbar deutlich stärker genutzt. Während Ethereum in der Woche knapp 90.000 User hat, kommt Tron auf beinah 500.000 und EOS auf mehr als 900.000. Auch im Volumen in US-Dollar lässt EOS mit 123 Millionen sowohl Tron (75 Millionen) und Ethereum (43 Millionen) hinter sich. Am deutlichsten tritt dies bei der Anzahl von DApp-Transaktionen zutage, die bei Ethereum in der Woche nicht mal eine halbe Million, dagegen bei Tron 11 Millionen und bei EOS 23 Millionen erreichen. Diese extremen Unterschiede dürften dadurch erklärbar sei, dass die Gebühren bei Ethereum relativ hoch sind und die DApps dort effizienter mit Transaktionen umgehen.

Vergleich der DApp-Plattformen ETH, EOS und Tron nach Users je Woche. Quelle: Cryptocockpit im Blockchaincenter

Das Cryptocockpit von Blockchaincenter zeigt deutlich andere Werte. Hier gibt es nur 250.000 bis 300.000 DApp-User je Woche. Wovon jeweils etwas mehr als 100.000 auf EOS und Tron entfallen und 30.000 bis 50.000 auf Ethereum. Wenn man die Anzahl der Transaktionen anschaut, bestätigt dies das bisherige Muster: Gut 15 Millionen bei EOS, knapp 10 Millionen auf Tron, und nicht einmal eine halbe Millione bei Ethereum.

Ranking der beliebtesten DApps nach Volumen. Quelle: DappRadar

Dasselbe Bild ergeben die Rankings auf DAppRadar. Sowohl in der Sortierung nach User als auch nach Volumen belegen EOS und Tron die eindeutigen Top-Rankings, während man die Ethereum-DApps nur mit viel Mühe in den Top-15 ausfindig machen kann.

… und nach Usern.

Diese Entwicklung ist, um ehrlich zu sein, überraschend.

DPoS: Der neue Standard?

Eigentlich waren Ethereum und DApps beinah Synonyme. Wenn wo ein Smart Contract lief, dann auf Ethereum, und wenn jemand DApps benutzt, dann bedeutet das, Ethereum zu benutzen. Dies hat sich geändert, wie es aussieht. EOS und Tron haben nicht nur aufgeholt, sondern Ethereum hinsichtlich User, Transaktionen und Volumen bereits hinter sich gelassen. Beide Blockchains haben gemeinsam, dass sie das von Bitcoin und Ethereum verwendete Proof-of-Work-Konsensverfahren durch ein anderes ersetzt haben, das offenbar besser skaliert.

Bei EOS gibt es anstatt der Miner ein Gremium der „Blockproducer“, die durch den Delegated Proof of Stake Algorithmus die Blöcke produzieren. Diese bereits von BitShares und Lisk verwendete Architektur soll in der Lage sein, massiv zu skalieren. Auch Tron benutzt eine Version des Delegated Proof of Stake Verfahrens, das vebessert wurde, um den „Tron-Konsens-Mechanismus“ zu schaffen. Bei beiden Blockchains wählen die User mit ihren in der nativen Währung gerechneten Stimmen die Blockproduzenten aus, die dann in einem dichten Netzwerk neue Blöcke veröffentlichen. Es scheint, als hätte sich der DPoS-Konsensmechanismus als die idealste derzeit mögliche Variante erwiesen, um Blockchains für das Verarbeiten von Smart Contracts zu skalieren.

Sowohl EOS als auch Tron tauschen ein Stück der Dezentralität und Erlaubnisfreiheit, die Blockchains wie Ethereum und Bitcoin ausmacht, gegen Skalierbarkeit. Tron beispielsweise hat darüber hinaus den Vorteil, im Gegensatz zu Ethereum eher vertraute Datenbankstrukturen zu verwenden und die Programmierung von Smart Contracts in Java zu ermöglichen. Dies macht vieles einfacher, sowohl für Entwickler als auch User.

Schauen wir uns zum Abschluss noch die DApps aus qualitativer anstatt quantitativer Perspektive an. Was unterscheidet die DApps auf den drei Smart-Contract-Blockchains?

Außer Glücksspiel ist nur auf Ethereum viel los

Die beliebtesten DApps fallen auf allen drei Blockchains in den Bereich Glücksspiel. Besonders bei EOS stellen diese die absolute Mehrheit, aber auch bei Tron und ETH fällt nicht nur ein sehr großer Teil der DApps in diese Kategorie, sondern auch die stärkste Nutzung. Bei Tron gibt es offenbar noch viele DApps des Bereichs „High Risk“, was vermutlich in die Richtung Betrug / Ponzi / illegales geht.

Kategorien der Dapps bei Ethereum. Quelle: DAppReview.

Grundsätzlich wirken die DApps bei Ethereum solider. Zwar ziehen auch hier Glücksspiel-DApps sehr viele Nutzer an, doch mit dem CDP-Portal für die DAI-Dollar, dem Uniswap-Smart-Contract, einigen Marktplätzen und Spielen wie CryptoHeroes und 0x-Universe findet man hier viele Beispiele für recht interessante, eventuell auch wirklich nützliche DApps. Marktplätze für den Handel von Token auf Basis der eigenen Blockchain gibt es auch auf Tron und EOS, aber diese scheinen weniger frequentiert zu sein. Während bei Tron jenseits des Glücksspiels kaum eine gut frequentierte DApps zu sehen ist, scheint bei EOS mit HashBaby immerhin noch eine andere Sparte User anzuziehen – die Erotik.

Wenn man den Handel von Token auf Tron auch als Glücksspiel ansieht, scheint dies der einzige Zweck der Tron-DApps zu sein. Quelle: ebenfalls DAppReview.

Damit scheinen EOS und Tron zwar mehr User, mehr Volumen und mehr Transaktionen anzuziehen, bieten aber eine deutlich geringere Vielfalt an DApps. Dies macht das Ökosystem der Ethereum-DApps weiterhin interessanter, insbesondere wenn man an Dingen wie der Dezentralisierung der Finanzen interessiert ist. Aber es ist dennoch nicht zu übersehen, dass Ethereum mit Tron und EOS starke Mitbewerber als Plattform für DApps bekommen hat.

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