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June 24, 2019
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Das Delisting: Das Krypto-Ökosystem spuckt Bitcoin SV aus

Nachdem Binance der Drohung, Bitcoin SV vom Handel zu nehmen, Taten folgen lässt, ziehen andere Börsen nach. Das Ökosystem der Kryptowährungen hat keine Lust auf Craig Wright und verbannt darum Bitcoin SV.

Das schöne daran, über Bitcoin und Kryptocoins zu bloggen, ist, dass so vieles zum ersten Mal passiert. Aber das, was in den letzten Tagen passiert ist, war selbst für diesen Bereich unerwartet und einmalig: Eine Börse nach der anderen nimmt eine Währung vom Handel, weil sie ihren „Anführer“ verabscheut. Es scheint fast, als versuche die Branche eines ihrer ungeliebten Kinder zu beseitigen.

Wie bereits berichtet, hat sich der Kopf von Bitcoin SV (BSV), Craig Wright, in einige mehr oder weniger zweifelhafte rechtliche Aktivitäten verstrickt. Insbesondere das Versenden von gerichtlichen Drohungen an Bitcoin-User auf Twitter hat eine ökosystemweite Empörung entfacht. Zunächst hat der Chef der Altcoin-Börse Binance, Changpeng Zhao, gedroht, er werde Bitcoin SV vom Handel nehmen, wenn es so weitergeht. Nachdem dann kurz darauf weitere Leute Anwaltspost von Wright bekamen, ließ er den Worten Taten folgen und kündigte an, BSV zu „delisten“, also aus der List der auf seiner Börse handelbaren Coins zu nehmen.

In seltener Eintracht feierten Teile der Bitcoin-, Bitcoin-Cash- und weiteren Krypto-Szene diesen  Schritt. Unter den Mitbewerbern machte Zhaos Beispiel rasch Schule. Zunächst fragte die Börse Kraken mit einer Twitter-Umfrage, ob man BSV vom Handel nehmen sollte. Nachdem die Antworten eindeutig „Ja“ sagten, kündigte die Börse an, ab Ende April den Handel mit BSV abzuschalten. Schon zuvor hatte ShapeShifts CEO Eric Vorhees angekündigt, Bitcoin SV nicht länger zu handeln. Auch Blockchain.info erklärte, jegliche Unterstützung von BSV am 15. Mai zu beenden.

Aber das wären nur die prominentesten Beispiele. BitForex macht derzeit noch eine Umfrage auf Twitter, ob BSV verschwinden soll, bei der es derzeit aussieht, als würde es geschehen*. Auch Litebit.eu steckt noch in einer Umfrage, deren bisherige Ergebnisse ziemlich eindeutig auf ein Delisting hinweisen. Die Wallet mit Kaufoption Level hat offenbar schon entschieden, BSV aus dem Portfolio zu entfernen, ebenso die Börsen Bitrue.com und Bittylicious und die Multicoin-Wallet Satowallet. Schmerzhaft dürfte auch sein, dass der Payment-Provider CoinPayments, der als einer der wenigen Bitcoin SV aufgenommen hat, nun die unliebsam gewordene Währung ebenfalls entfernt. Mit Sicherheit gibt es noch mehr, die sich bereits entschieden haben oder noch folgen werden.

Mit ein Grund, weshalb es vielen so leicht fällt, sich von BSV zu verabschieden, ist, dass der Coin nicht eben besonders viel nachgefragt wird. Das Handelsvolumen ist größtenteils dünn, die Orderbücher wenig voll. Es gibt nicht allzu viel Umsatz zu verlieren. Vermutlich haben die einen oder anderen Firmen bereits mit dem Gedanken gespielt, den Coin zu delisten, aber nun eine gute Gelegenheit bekommen, dies mit einer Marketing-Aktion zu verbinden. Daher sollte man nicht zuviel in die Welle der Bitcoin-SV-Delistings hineineinterpretieren.

Andererseits ist eine politische Dimension des Geschehens nicht zu übersehen. So kann man auf Binance etwa weiterhin Bitcoin Gold und Bitcoin Diamond handeln, zwei Forks von Bitcoin, hinter denen wesentlich weniger Energie steckt als hinter Bitcoin SV. An ihrer statt BSV vom Handel zu nehmen, ist unbestreitbar eine Entscheidung, die politischen oder persönlichen Gründen folgt – woraus Changpeng Zhao ja auch kein Geheimnis macht. Und dass Krakens Chef Jess Powell gerne in den Zug einsteigt, dürfte verständlich sein, nachdem er bereits von einer Firma verklagt wird, die BSV-Investoren vertritt.

Für Bitcoin SV bedeutet das einen massiven Schaden, auch wenn viele in der Community behaupten, dies sei egal oder sogar gut. Je weniger der Coin gehandelt wird, desto geringer ist die Liquidität, und desto schwieriger wird es, Einnahmen in BSV zu guten Kursen gegen Euro oder Dollar (oder Bitcoin) zu tauschen. Dies macht BSV effektiv weniger nützlich für praktische Zwecke. Der Preis reagiert erwartungsgemäß auf die Nachrichten, indem er recht drastisch von 70 Euro letzte Woche auf nicht mehr ganz 50 Euro fällt.

* BitForex hat nun erklärt, dass sie, entgegen den Ergebnissen der Umfrage, BSV doch nicht delisten, da dies unfair gegenüber den BSV-Tradern sei.

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