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June 24, 2019
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Das DeFi-Ökosystem: Die Dezentralisierung des Finanzwesens

Bitcoin dezentralisiert Geld, Ethereum das Finanzwesen. Mit dem rasch anwachsenden Ökosystem der Projekte rund um Dezentrale Finanzen (DeFi) bildet Ethereum die bisher bestehende Finanzinfrastruktur auf dezentrale Weise nach. Eine Übersicht über die bestehenden Projekte zeigt auch, was der ICO-Hype vor zwei Jahren hervorgebracht hat.

Bitcoin bedeutet, Geld dezentral zu benutzen. Das ist groß und die Grundlage von allem, was in diesem Bereich in den letzten Jahren passiert ist. Indem Ethereum aber durch Smart Contracts sehr viel komplexere Operationen als reine Transaktionen dezentralisiert, ermöglicht es, dass ein ganzes dezentrales Finanzsystem passiert. Das, was bei Bitcoin auf zentrale Weise rund um das dezentrale Geld gebaut wurde, wird bei Ethereum selbst dezentralisiert.

Das vermutlich bekannteste Beispiel dafür ist die MakerDAO: Eine dezentrale Organisation, die ihre Mitglieder durch ein per Smart Contract definiertes Regelset dazu verpflichtet, den Wert eines Dai-Dollars an den des US-Dollars zu binden. Die Kunst hierbei ist es weniger, Code zu schreiben, als durch die Spieltheorie die richtigen Anreize zu definieren. Die MakerDAO ist das mit Abstand prominenteste, größte und erfolgreichste Projekt der dezentralen Finanzen – aber längst nicht das einzige.

Das wuchernde Biotop der DeFis

Ein Blogartikel von ConsensSys versucht, das Ökosystem der dezentralen Finanzen zu umreissen. Der Autor zählt mehr als 100 Projekte aus 13 Bereichen auf. Viele der Projekte dürften es verlangen, dass man mindestens ein Auge zudrückt, um es auf die Liste zu bringen, da auch zentrale Webseiten oder Projekte, die gar keinen Smart Contract benutzen, dabei sind. Dies ändert aber nichts daran, dass Ethereum mittlerweile über ein beeindruckendes Ökosystem von dezentralen Finanzprojekten verfügt. Die Dynamik und Vielfalt stellt jede anderere Blockchain – einschließlich Bitcoin – weit in den Schatten.

Schauen wir uns die Kategorisierung von ConsensSys genauer an:

  • Die Sparte Zahlungen umfasst Projekte wie das Request Network, das dezentral Zahlungsaufforderungen kreiert, Raiden, ein Protokoll für Offchain-Zahlungen, oder xDai, eine Art Sidechain für die Dai-Dollar.
  • Zu den Stablecoins gehören neben dem Dai-Dollar sowie diversen zentral herausgegebenen Dollar-Token auch Token, die Aktienkörbe und Gold repräsentieren. Ein Token, StableUnit, verleiht dem Stablecoin zudem auch mehr Privatsphäre.
  • Im Bereich der Infrastruktur findet man Payment Channels wie bei Connext sowie Protokolle für dezentrale Börsen wie 0x.
  • Unter die Börsen fallen zahlreiche dezentrale Börsen. Viele davon laufen semi-dezentral über einzelne Anbieter, die das 0x-Protokoll benutzen. Einige dagegen, wie Uniswap, bilden selbst eine DAO und sind damit viel dezentraler.
  • Unter dem Titel Investment findet man meist Plattformen, die dabei helfen, Assets welcher Art auch immer zu tokenisieren. Inwieweit diese Plattformen selbst dezentral sind, ist dabei unklar; Startups wie MelonPort, die einmal eine ICO herausgegeben haben, verwenden im Hintergrund immerhin einen Smart Contract.
  • Viele Projekte versuchen auch, Mechanismen der Kundenidentifizierung (KYC) und Identitätsverwaltung auf die Blockchain zu bringen. Dabei dürfte der Prozess der Identifizierung selbst kaum dezentralisierbar sein, während es möglich sein kann, die Verwaltung der persönlichen Daten zurück in die Hände der User zu geben und mittels Smart Contracts Schnittstellen zur Weitergabe von Identitäts-Token zu erlauben. Beispiele für diesen Bereich sind Civic oder uPort.
  • Derivate sind Handelsinstrumente, die von anderen Handelsobjekten abgeleitet werden. So sind beispielsweise die gehebelten, mit Kredit finanzierten Wetten auf den Fall oder Anstieg eines Wertpapiers ebenso Derivate wie Futures oder Optionen. Viele Projekte auf Ethereum arbeiten daran, solche Derivate durch einen Smart Contract abzubilden.
  • Die Marktplätze sind eigentlich etwas fehl am Platz in dieser Liste, da sie nicht direkt ins Finanzwesen fallen, sondern einfach nur Märkte sind, etwa für Freelancer, für GitHub-Commits oder auch Tools, um Marktplätze zu schaffen.
  • Die Predictions-Markets, von denen Augur der bekannteste sein dürfte, erlauben es, mit Wetten auf Ereignissen Geld zu verdienen. Idealerweise entsteht dabei eine Art Schwarmintelligenz, die die Validität von Vorhersagen verstärkt. Bei DAOs wie Augur oder Gnosis sorgt eine dezentrale Organisation dafür, dass die Wetten korrekt abgewickelt werden.
  • Kredite und Darlehen dürften das bisher erfolgreichste Areal im DeFi-Ökosystem sein. Hierunter fällt auch die MakerDAO, da die Dai-Dollar effektiv dadurch geschaffen werden, dass jemand Ether als Kollateral hinterlegt und dafür die Dai-Dollar-Token leiht. Auf eine ähnliche Weise funktionieren viele andere Projekte, etwa Dharma, das es erlaubt, Kreditverträge mit jeder Art von Asset per Smart Contract zu schaffen.
  • Versicherungen sind aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Mit Smart Contracts wird es jedoch möglich, die zentrale Organisation aus der Versicherung auszuklammern und durch eine DAO zu ersetzen, in der geschickt gesetzte Anreize dafür sorgen, dass alle involvierten Prozesse dezentral ablaufen. Ein Beispiel hierfür wären Etherisc oder Nexusmutual.
  • Die Sparte „Verwahrer“ gehört eigentlich nicht auf diese Liste, da sie einfach nur Ethereum-Wallets beinhaltet. Dasselbe trifft auf den Bereich „Analytics“ zu, weil darunter hauptsächlich Webseiten fallen, die das DeFi-Ökosystem oder das eigene DeFi-Portfolio beobachten.

Ein überschaubares Volumen

Die Liste von DeFi-Projekten ist beachtlich. Allerdings sind unter ihnen bislang nur wenige, die in ernstzunehmendem Ausmaß benutzt werden. Die Webseite Defipulse listet die Top-10-DeFis.

Unter diesen ist Maker mit gut 385 Millionen Dollar an hinterlegten Ether die mit Abstand mächtigste. Auf sie folgt Compound – ebenfalls eine Kredit-DAO – mit knapp 30 Millionen Dollar und UniSwap, ein dezentraler Marktplatz für den Tausch von Token, bei dem die DAO-Teilnehmer Liquidität bereitstellen und dafür an den Wechselgebühren verdienen. Mit bereits 10 Millionen Dollar an hinterlegter Liquidität ist die Anfang des Jahres gestartete DAO überraschend erfolgreich.

Erst an vierter Stelle kommt das auf Bitcoin basierende Lightning-Netzwerk, bei dem die Teilnehmer Bitcoins hinterlegen, die für die Zahlungsweiterleitung verwendet werden. Mit einer Liquidität von 5 Millionen Dollar ist Lightning zwar die mit Abstand stärkste Zahlungs-DeFi – aber im Vergleich zu Maker und UniSwap ist der Erfolg eher überschaubar. Darauf folgen die Kredit-DAO Dharma, der Prediction-Market Augur und die dezentrale Börse Kyper, die jeweils etwa eine Million Dollar an hinterlegten Coins aufweisen.

Diese Top-Liste zeigt, dass das Ökosystem der DeFis abgesehen von der Killer-App „Dollar“ noch ziemlich überschaubar ist. Aber für sein junges Alter ist das Volumen teilweise beachtlich. Und wenn man es mit dem ICO-Hype der letzten Jahre vergleicht, sind die Anwendungen erfrischend ehrlich und innovativ. Dies macht die DeFis zu einer interessanten und hoffnungsvollen künftigen Anwendungsklasse für Ethereum.

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