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China verbietet Krypto-Mining doch nicht

Eigentlich hatte China vor, das Mining von Kryptowährungen vollständig zu verbieten. Dieser Plan wurde nun fallengelassen. Wir spekulieren, weshalb.

Im April dieses Jahres machte die Nachricht die Runde, dass China das Krypto-Mining verbieten wird. Denn in diesem Monat hatte die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform einen Vorschlag für eine Liste vorgelegt, welche Industriebranchen gefördert, beschränkt oder eliminiert werden sollen. Die Liste sollte die 2011 erschienenen ursprüngliche LIste ersetzen. Das Mining von Kryptowährungen tauchte in ihr als eine Branche auf, die unverzüglich auszuradieren ist. Als Grund wurden vor allem die ökologischen Schäden sowie die Verschwendung von Energieressourcen angegeben.

Nun scheint es, als habe die Regierung in China ihre Sichtweise geändert. Die Kommission hat nun nämlich die finale Version der Liste vorgelegt. In dieser taucht das Mining nicht mehr auf. Das angedachte Radikalverbot wird es also wohl nicht geben; China wird weiterhin der Top-Standort fürs Krypto-Mining bleiben.

Was hat den Sinneswandel der Regierung verursacht? Er könnte ganz gut in den generellen Trend passen, dass sich die Regierung Chinas für Blockchains und – bedingt – auch für Kryptowährungen öffnet. Allerdings hat die Regierung damit eher “Blockchain-Technologien” im Sinne, etwa zur Massenüberwachung, oder die Schaffung einer eigenen Kryptowährung. Dass dies also mit einer Öffnung gegenüber freien Kryptowährungen einhergeht, wirft zumindest Fragen auf.

Eventuell könnte es sein, dass die Regierung begriffen hat, dass das Mining für China eine wichtige Industrie sein kann. Die Hersteller von Asic-Minern verdienen Unsummen, indem sie diese in alle Welt exportieren; auch die großen Mining-Farmen in China machen gute Geschäfte, wähend sie überschüssige grüne Energien in etwa Sichuan abschöpfen. Am Ende sind es Steuereinnahmen und High-Tech-Jobs, auf die die Regierung nur ungern verzichten möchte.

Gleichzeitig würde ein Verbot des Minings auch bedeuten, dass die Regierung die Möglichkeit verliert, Einfluss zu nehmen. Wenn das Mining-Gewerbe legal ist, kann die Regierung es regulieren; sie kann dafür sorgen, dass Miner nur noch oder überwiegend durch erneuerbare Energien minen. Sie kann auch über das Mining einen gewissen Einfluss auf die Ökosysteme der Kryptowährungen nehmen und sie bei entsprechenden Anteilen an der Hashpower sogar kontrollieren. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Regierung in Zukunft durch Strafen und Belohnungen dafür sorgt, dass die großen Mining-Pools sämtliche in regierungsnaher Hand sind.

Damit hat China etwas erkannt, von dem noch nicht klar ist, ob Europa es auch schon begriffen hat: Das Mining von Kryptowährungen könnte ein essenzieller Teil des künftigen Finanzwesen sein; die riesigen Farmen voller Asics könen zu Zentren der globalen Finanzströme werden, und das Land, das sie kontrolliert, wird einen enormen wirtschaftlichen – und womöglich auch politischen – Vorteil erringen.

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