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July 17, 2019
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BlueWallet, Lighning App und Eclair: Drei Lightning-Wallets für Android

Es gibt ein Gerücht, dass Bitcoin-Transaktionen teuer seien und mitunter lange dauern würden, bis sie bestätigt sind. Das stimmt nicht. Mit Lightning sind Transaktionen beinah kostenlos und in Echtzeit. Das Offchain-Netzwerk funktioniert bereits — Zeit, sich auch eine Lightning-Wallet aufs Smartphone zu laden.

Letztens habe ich hier geschrieben, dass das Wachstum des Lightning-Netzwerks seit einigen Monaten stagniert. Den Charts nach ist das zwar weiterhin wahr – doch meine eigene Erfahrung ist eine andere: Ich hatte in den letzten Monaten Dutzende von Lightning-Transaktionen. Bier am Stammtisch, Kaffee auf dem Hackday, Gin auf der Unchain, Tips über Twitter, Gutscheinkarten für Steam-Spiele und für eine Sim-Karte. Auch mein Buch wird immer wieder per Lightning bezahlt. Öfters als etwa mit Bitcoin Cash oder Ethereum.

Lightning ist, sollte man feststellen, da. Ich bekomme Geld damit, und ich gebe Geld damit aus. Man KANN Bitcoin benutzen, ohne teure Gebühren zu bezahlen. Wer es dennoch tut, ist selbst schuld. Jeder sollte Lightning benutzen. Es ist nicht für alle Transaktionen gut, aber probiert aus, für welche es für euch passt.

Um euch den Einstieg zu erleichtern stelle hier drei Wallets für Android vor: BlueWallet, Lightning App und Eclair. Ein interessanter Nebeneffekt ist, dass das Lightning-Netzwerk die Branche verjüngt hat. Die „alten“ Firmen, die Wallets und Zahlungsdienstleistungen seit 2013 oder länger anbieten, sind langsamer; sie müssen Lightning in lang gewachsene Strukturen einpflegen. Die neu gegründeten Wallets sind dagegen von vorneherein entworfen, um sowohl onchain als auch offchain zu agieren.

BlueWallet: Gut für den Einstieg, aber halt wie eine Bank

Ich habe mit der BlueWallet angefangen. Sie ist eine naheliegende Wahl, wenn man ohne große Mühe mit Lightning Geld empfangen möchte. Dank ihr konnte ich etwa auf den Bitcoin-Tech-Tagen mein Buch verkaufen, sowohl onchain als auch offchain. Es ist kein Problem, mit der BlueWallat wiederholt Zahlungen von 20 Euro zu empfangen, ohne dafür irgendetwas leisten zu müssen. Das ist bei Lightning ein starkes Feature.

BlueWallet ist super für den Einstieg. Das Handling ist eher auf Bequemlichkeit aus als auf Sicherheit; es vermeidet Pins und Passwörter und verlangt auch nicht, dass man die Mnemonic aufschreibt. Man kann einfach loslegen. Ein echter Geldbeutel hat ja auch keine Pin; wir wollen keine Ersparnisse in Lightning packen, sondern einfach nur den Kaffee bezahlen.

Dass man mit BlueWallet so einfach Geld empfangen kann, liegt daran, dass man keine eigenen Channels hat, sondern eine Reservierung in den Channels von BlueWallets Hub. Das ist wie bei der Bank: Nicht deine Channels, nicht deine Schlüssel — sondern die von BlueWallet. Immerhin ist die Abhängigkeit nur einseitig: Jeder Knoten im Lightning-Netzwerk kann empfangen. Es ist ein halboffenes System, was ein ziemlicher Fortschritt zu einem geschlossenen System wie PayPal ist.

Aber es behagt mir nicht. Die Lightning-Coins in BlueWallet sind schlechtes Geld. Man kann sie schwer liquidieren. Da der Channel nicht mir gehört, kann ich ihn auch nicht schließen. Um die Lightning-Bitcoins wieder onchain zu bringen, muss ich daher eine Lightning-Transaktion an einen Wechsler schicken – BlueWallet verlinkt als einzige Option auf ZigZag.io. Das kostet natürlich Gebühren, und funktioniert nur bei kleinen Beträgen, vielleicht zehn Euro, zuverlässig. Das ist recht mühsam. Ein wenig fühlt es sich an, als seien die Coins eingesperrt.

Die Lösung war schließlich, die Lightning-Bitcoins einfach auszugeben, wo immer es geht. Das schlechte Geld vertreibt das gute und so weiter. Es kostet keine Gebühren, und nach dem Bezahlen ist meine BlueWallet leerer. Daher benutze ich Lightning so oft es geht. Es würde mich sehr freuen, wenn BitPay Lightning-Zahlungen annimmt, und ich hoffe, dass sie daran arbeiten. CoinGate schafft das ja auch.

Eclair und Lightning App: Deine Channels, deine Schlüssel

Screenshot von der Eclair Lightning Wallet.

BlueWallet ist gut für den Einstieg, aber keine wirkliche Dauerlösung. Was sind die Alternativen zu BlueWallet? Gibt es Wallets, bei denen man die Schlüssel selbst verwaltet?

Ja. Das Verzeichnis der Lightning-Wallets hat beeindruckende 27 Einträge. Einige davon sind prä-Versionen oder in der geschlossenen Testphase, andere eher ein Plugin oder noch nicht öffentlich gemacht. Aber es gibt einige. Ich suche nach einer Wallet,  bei der niemand anderes die Schlüssel verwaltet, wie bei BlueWallet, aber die auch keinen Full Node verlangt wie Zap Wallet von Zag, und bestenfalls Open Source ist. Außerdem sollte man nicht nur bezahlen, sondern auch Geld empfangen können. Gelandet bin ich so bei der neuen Lightning App von Lightning Labs sowie bei Eclair von Asinq. Es gäbe noch die Lighning Wallet für Android, Beez (noch nicht veröffentlicht) und LightningPeach von Bitfury. Aber irgendwo muss man ja anfangen.

Eclair hatte ich schon installiert, aber noch nicht benutzt. Beide Apps haben gemein, dass sie die Payment-Channels selbst aufbauen. Das bedeutet: Man ist der Besitzer der Schlüssel, durch die die Channels gebildet wurden. Man ist also auch im Lightning-Netzwerk seine eigene Bank.

Die beiden Wallets nehmen Sicherheit ernst. Beide verlangen, dass man eine Mnemonic aufschreibt, bei der Lightning App sogar 24 Wörter. Dazu verlangen sie eine sechstellige Pin, bei Eclair gibt es noch ein Passwort, aber ich weiß nicht, wofür man es braucht. Es ist ehrenwert, dass die Entwickler um die Sicherheit der User-Bitcoins besorgt sind. Aber wenn man nur Kaffee oder Bier bezahlen will, ist das ein wenig zuviel.

Die beiden Apps synchronisieren auf verschiedene Weisen mit dem Lightning-Netzwerk. Eclair benutzt das Electrum-Protokoll, was schnell geht; die Lightning App hingegen baut auf der neuen, von Lightning Labs mitentwickelten Neutrino-Architektur für SPV-Wallets auf. Sie braucht am Anfang einige Minuten, um zu synchronisieren, aber der Akkuverbrauch bleibt überschaubar. Beim Starten benötigen beide Apps einige Sekunden, vielleicht 10 bis 30, um zu synchronisieren, bei schlechtem Netzempfang auch länger. Aber man kann sie schon währenddessen benutzen. Beide Apps haben eine gute, intuitive Userführung; die Lightning App ist hübscher, Eclair dagegen transparenter.

Sowohl Lightning App als auch Eclair bauen also ihre eigenen Channels auf. Dafür brauchen sie zunächst „onchain“-Bitcoins. Die schicke ich von der BlueWallet aus rüber. Das klappt, natürlich, ohne jede Probleme. Sobald eine Zahlung eingeht, beginnt die Lightning App die onchain-Coins mit dem Autopiloten auf Channels zu verteilen. Er bildet also einige Transaktionen. Ich weiß nicht, wie viele und wie er die Coins portioniert. Angezeigt wird dies leider nicht. Es gibt nur ein Logbuch, das ich nicht verstehe.

Eclair hat noch keinen solchen Autopiloten, es ist aber geplant. Hier kann man entweder einen Kanal zum Hub von Acinq schlagen, oder sich manuell mit einem beliebigen anderen Channel verbinden. Letzteres finde ich praktisch, weil ich mich so mit dem Knoten meines Buch-Shops verbinden konnte.

Die beiden Wallets benutzen

Screenshot der Lightning App.

Es ist nicht ganz umsonst, seine eigenen Lightning-Channels zu haben. Die mindestens vier, vermutlich aber mehr Transaktionen, die notwendig sind, um in beiden Apps Channels aufzubauen, kosten jeweils zwischen 0,20-1,00 Euro Gebühr. Zusätzlich muss immer mindestens ein Euro im Channel bleiben, damit man ihn schließen kann. Wer also nur zehn Euro oder so in einen Channel steckt, wird prozentual relativ hohe Gebühren bezahlen müssen.

Eine Stunde später, als die Transaktionen bestätigt und die Channels geküpft waren, konnte ich dafür relativ problemlos damit in meinem Buchshop bezahlen: Mit Eclair ein Hardcover-Exemplar für 20,09, mit der Lightning App ein Ebook für 14,40 Euro. Bei der Lightning App hat es ein wenig gedauert, etwa 10-20 Sekunden, bis sie eine Route zum Node meines Shops gefunden hat. Eclair dagegen war fix – kein Wunder, hat sie doch einen direkten Kanal zum Buchshop. Die Zahlung war da, sobald ich sie abgefeuert habe.

Mit den Überweisungen hat sich die Liquidität in den Channels verschoben. Bisher war sie nur ausgehend, sprich: ich konnte bezahlen, aber nichts empfangen. Nachdem ich nun ein paar Euro rübergeschubst habe, kann ich auch empfangen. Das nutze ich, um Bitcoins von meiner BlueWallet runterzukriegen: Ich sende 11 Euro per Lightning an Eclair und 5 an die Lightning App. Das ging, teilweise erst auf den zweiten Versuch, nachdem ich den Betrag heruntergesetzt habe. Aber es klappt.

Heikel wurde es danach. Ich wolle wissen, ob ich auch Geld zwischen Eclair und der Lightning App hin- und herschieben kann. Die Lightning App dürfte noch 9,40 Euro Liquidität haben. Also habe ich mit ihr eine Invoice von 5 Euro gebildet, die ich dann mit Eclair beantwortet habe. Sie scheiterte, weil ein Knoten zwischen uns zu hohe Gebühren wollte, und weil ein anderer nicht wusste, wie er die Zahlung weiterleiten soll. Eclair ist hier sehr transparent. Als ich den Betrag auf 2,50 Euro heruntergesetzt habe, ein sehr kleiner Teil der Liquidität, die meine beiden Wallets haben, hat es funktioniert.

Andersherum ging es noch schlechter. Elcair dürfte noch mindestens 9 Euro empfangen dürfen – plus den 2,50, die gerade an die Lightning App gesendet wurden. Aber eine Invoice von etwa 4 Euro ist hier gescheitert. Warum, sagt die App nicht, die Log-Datei kann ich weiterhin nicht entziffern. Ich habe den Betrag dann auf 60 Cent gesenkt – was ein noch kleinerer Teil meiner Liquidität ist – aber auch das hat nicht funktioniert. Das war ein wenig ernüchternd.

Oft haben die Wallets relativ lange gebraucht, um eine Route zu finden. Verglichen mit dem, wie Bitcoin Cash bei BitPay funktioniert, ist das eher eine Abwertung. Einmal, im mobilen Netz, dauerte es 30 oder mehr Sekunden. Ansonsten zwischen 3 und 20, würde ich sagen. Wenn es gut läuft, ist es schnell, wenn der Weg weit ist, dauert es.

Egal. Es funktioniert. Wer es nicht benutzt, ist selbst schuld

Also, insgesamt, ist die Nutzererfahrung noch suboptimal. Sie wird besser, deutlich besser sogar, und es gibt auch mehr Mögichkeiten, dabei autonom zu bleiben. Die Tendenz ist gut, aber es gibt noch einiges zu tun.

Ein Teil der Zahlungen geht durch, ich würde sagen, 70 Prozent, aber ein Teil findet keinen Weg. Es hängt vermutlich immer auch vom Empfänger ab. Wenn der einen Service wie OpenNode oder den von Acinq benutzt, ist er gewöhnlich gut verbunden, während ein Autopilot eher unterperformt, und ein eigener Node wie meiner auch kein Top-Netzwerker ist. Daher funktioniert es bei Kaffee und Bier so gut, wenn die Verkäufer einen Service verwenden.

Wenn man Lightning Peer-to-Peer benutzt, also von Person zu Person, kann es aber schon ab einem Euro problematisch werden. In dem Fall kann BlueWallet das bessere Werkzeug sein, um Geld zu empfangen. Die Wallet ist dank des riesigen BlueWallet-Hubs bestens verbunden. Bei Lightning App und Eclair müsste man vermutlich strategische Channels bilden; auf 1ml.com kann man große Nodes suchen, per QR-Code kann man in den Wallets einen Channel zu ihnen öffnen.  So dürfte man die Erfolgswahrscheinlichkeit von Zahlungen noch steigern können.

Es ist noch experimentell. Aber es läuft immer öfter reibungsfrei ab. Man kann Kaffee und Kleinkrams mit Lightning bezahlen, und es gibt nur Gründe dafür, das auch zu tun.

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