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Blockchain mit Kryptowährung oder Kryptowährung mit Blockchain?

Es sieht derzeit aus, als stehe Ethereum im Begriff, Bitcoin den Rang abzulaufen. In einigen Metriken ist das schon passiert, in anderen noch nicht. Aber ist das überhaupt die richtige Frage? Kann man Bitcoin und Ethereum überhaupt vergleichen?

Es muss derzeit weh tun, als Bitcoin-Maximalist auf Ethereum zu schauen. Die junge Smart-Contract-Blockchain scheint Bitcoin einfach bei allem zu übertrumpfen.

Wenn der ersehnte Gebührenmarkt auf Ethereum anstatt Bitcoin einschlägt …

So haben die “echten” Bitcoiner schon vor Jahren dafür geworben, dass Bitcoin fürs langfristige Überleben hohe Gebühren braucht, damit die Miner Geld verdienen, wenn der Block-Reward einmal austrocknet. Und was passiert nun? Die Gebühren bei Bitcoin stagnieren, meistens auf einem Niveau, das im Alltag nervt, aber noch weit davon entfernt ist, den Reward zu ersetzen.

Tägliche Gebühreneinnahmen verschiedener Blockchains nach

Bei Ethereum dagegen explodieren die Gebühren. Derzeit verdienen die Bitcoin-Miner durch Gebühren am Tag maximal 1,5 Millionen Dollar – und die Ethereum-Miner gut 17 Millionen. Ethereum hat Bitcoin in dieser einst als ultrawichtig bezeichneten Disziplin nicht nur überholt, sondern weit hinter sich gelassen. Das von den Core-Entwicklern formulierte Ziel, eine Blockchain nachhaltig durch Gebühren zu finanzieren, hat Ethereum als erstes erreicht.

… Ethereum anstatt Liquid zur Sidechain wird

Die “echten” Bitcoiner predigen zudem seit Jahren, dass Bitcoin nicht auf der Mainchain wachsen müsse, sondern auf einer Sidechain oder Offchain. Dafür gaben sie dem Lightning Netzwerk mehr Vorschusslorbeeren, als jemals eine Technologie seit der Nockenwelle erhalten hat, und nahmen sogar hin, dass Blockstream, der Champion der Bitcoin-Maximalisten, mit Liquid eine Sidechain vorlegt, die auch beim besten Willen nicht dezentral ist.

Und was macht der Markt? Er packt Bitcoin als Token auf Ethereum und macht das zur bevorzugten Sidechain. Im Lightning-Netzwerk sind rund 1000 Bitcoin und in Liquid gut 2.5000. Und wie viele Bitcoins bewegen sich als Token auf Ethereum? Knapp 60.000. Mit WBTC, renBTC, HBTC, sBTCm imBTC und pBTC gibt es bereits sechs Anbieter für diese Token. Erneut hat Ethereum Bitcoin nicht nur überholt, sondern so weit abgehängt, dass man gar nicht mehr von derselben Klasse reden kann.

… und selbst die Bitcoin-Maximalisten auf Ethereum bauen

Token auf Ethereum sind so grandios, dass sogar die Creme de la Creme der Bitcoin-Maximalisten, die Hardliner und Stars auf Konferenzen, nicht die Finger von ihnen lassen können. Erst kürzlich haben WhalePanda, Jameson Lopp von Casa und Samson Mow von Blockstream Werbung für das INX-Token für eine zu gründene Börse gemacht. Das ist amüsant, weil kaum jemand sich so exzessiv als Ethereum- und tokenhassender Bitcoin-Maximalist inszeniert.

Das INX-Token klingt nach einem ziemlich unsicheren Investment. Die Börse für Security Token, die erst noch zu gründen ist, beteiligt die Investoren erst dann an den Erträgen, wenn sie einen positiven Cashflow erreicht. Und bis dahin muss sie erst einmal mindestens sieben Millionen Dollar an negativem Cashflow abbauen und sich in einem hochkompetitiven und regulatorisch schwierigen Umfeld gegen etablierte Unternehmen durchsetzen.

Aller Wahrscheinlichkeit wird die Börse, die ein Security Token auf Ethereum herausgibt, von den DeFis auf Ethereum selbst überflüssig gemacht. Aber Lopp und Mow dürfte das egal sein – sie haben ihre Anteile dann schon mit Gewinn weiterverkauft.

Abgesehen davon, dass das Token längst nicht so ein gutes Investment ist, wie erzählt wird – warum läuft es ausgerechnet auf Ethereum? Warum nicht auf Liquid? Wenn nicht Samson Mow, der CSO von Blockstream, das eigene Produkt benutzt, wer dann? Und wenn sogar ein von Maximalisten gegründetes Magazin wie die BTCTimes Werbung für ein ERC-Token macht – nicht nur einmal, sondern gleich zwei- und dreimal – ist dann das Spiel nicht schon längst gelaufen?

Haben nur die verblendetsten und verbocktesten Bitcoiner noch nicht geschnallt, dass sie gegen Ethereum schon klar verloren haben?

Die beste Sidechain aller Zeiten

Es gibt noch viele weitere Gründe, warum ein Bitcoin-Maximalist in diesen Monaten vor dem Einschlafen die Zähne zusammenpresst, wenn er an Ethereum denkt – falls er sich nicht wonnig damit in den Schhlaf zählt, wie viele Satoshis er heute verdient hat, indem er seine Bitcoins als Ethereum-Token in einen DeFi-Smart-Contract gepackt hat.

Und damit wären wir bei der einen, der elementaren Aussage: Es ist alles eine Sache der Betrachtung. Ethereum und Bitcoin sind vielleicht gar nicht vergleichbar. Bitcoin ist eine Währung, die auf einer Blockchain sitzt, während Ethereum eine Blockchain ist, die die Währung Ether benötigt, um für Gas zu bezahlen.

Bitcoin hat den Anspruch, ein hartes, knappes Geld zu sein. Bitcoin soll sicher aufzubewahren sein, solide große Transaktionen verarbeiten und eine hinnehmbare bis sehr gute Privatsphäre gewährleisten. Diesen Anspruch erfüllt Bitcoin. Ethereum dagegen ist ein Einhorn: eine zauberhafte Blockchain, auf der sich ein ganzes Ökosystem von Token und Smart Contracts tummelt, die lauter verrückte Sachen machen. Dass man dafür Ether braucht, ist schon in Ordnung, aber die Coins sind eher ein Mittel zum Zweck.

Für viele im Kern der Ethereum-Szene hat der Gegensatz niemals existiert. Vitalik Buterin und die meisten anderen Ethereum-Gründer halten weiterhin Bitcoins und geben das freimütig zu, ohne befürchten zu müssen, dafür von Ethereum-Maximalisten gelyncht zu werden. Dabei gibt es durchaus Ethereum-Maximalisten. Diese meinen allerdings nicht, dass Ether die Währung für alles wird – sondern dass die Ethereum-Blockchain alles fressen wird.

Dass immer mehr Bitcoins auf der Ethereum-Blockchain landen, müsste eigentlich sowohl Ethereum- als auch Bitcoin-Maximalisten gefällt: Die Ethereum-Maximalisten sehen, dass Ethereum die beste Blockchain ist, während die Bitcoiner erkennen, dass Bitcoin auch auf einer anderen Blockchain das beste Geld ist.

Win-Win?

Jenseits der Scheuklappen

Viele Bitcoin-Maximalisten haben sich jedoch zu tief in Spiegelfechtereien verstrickt, um das zu erkennen. Sie nutzen jede Gelegenheit, um über Ethereum herzuziehen – die Schwierigkeit, einen Node zu betreiben und die Geldmenge zu verifizieren, die Abhängigkeit von Infura, die Liebe der Szene zu Einhorn-T-Shirts, Bugs in Smart Contracts, Ponzi-Spiele in Token, die Komplexität von ETH2, die hohen Gebühren und so weiter.

Irgendetwas findet sich immer, wenn man Ethereum schlecht reden möchte, ob es nun Sinn ergibt oder nicht. Die armen Maximalisten ahnen dabei schon, dass der nächste Erfolg von Ethereum nicht lange auf sich warten lassen und sie dann desto mehr erschüttern wird. Bis sie sich wieder mit einem weiteren Nachteil trösten, und so weiter.

Andere Bitcoin-Maximalisten finden Ether als Währung zwar weiterhin sinnlos, lernen aber, Ethereum als Sidechain zu schätzen. Sie haben nie verstanden, weshalb man als Bitcoin-Maximalist plötzlich eine zentralisierte Sidechain wie Liquid cool finden muss, nur weil sie von den Champions von Blockstreams gemacht wird. Sie sind froh, ihre Bitcoins durch mehrere Provider auf die offene Blockchain Ethereum bringen zu können.

Wer es einmal probiert, findet rasch heraus, dass Ethereum die beste Sidechain ist, die Bitcoin haben kann. Während man mit Liquid lediglich Bitcoins von Börse zu Börse schubsen kann, bekommt man mit WBTC oder RenBTC und so weiter plötzlich den Zugriff auf die volle Welt der Smart Contracts: Man kann die Bitcoins als Kollateral benutzen, um Dollar zu leihen, man kann die Bitcoins verliehen, um Zinsen zu bekommen, man kann sie auf dezentralen Märkten gegen alle möglichen Arten von Token tauschen, und so weiter.

Ein Bitcoin auf Ethereum verbindet das beste aus beiden Welten: Die Härte der Währung Bitcoin – und den Zauber der Blockchain Ethereum. Für einen Bitcoin-Maximalisten kann es nichts besseres geben. Die meisten müssen das allerdings noch begreifen.

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