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April 25, 2019
Dienstleistungen Nachrichten

Bitwala: Bitcoins und Euro in einem Konto

Das Berliner Bitcoin-Startup Bitwala schafft das erste Bankkonto der Welt, mit dem man Bitcoins und Euro online verwalten kann. Wir haben mit dem Gründer Jörg von Minckwitz über diesen bahnbrechenden Schritt geredet.

Ende 2018 war Jörg von Minckwitz erschöpft, aber auch extrem glücklich. „Das war eine krasse Zeit vor dem Launch unserer Bitcoin-Bank, mit 16 bis 17 Stunden Arbeit am Tag,“ erzählt er kurz vor Weihnachten. „Aber nun haben wir es geschafft.“

Noch vor zwölf Monaten war die Zukunft für den Bitwala-Gründer ungewiss. Das Hauptprodukt von Bitwala war damals eine Prepaidkarte, die man aus einer Bitcoin-Wallet heraus aufladen konnte. Diese Kartenlösung war ein einfacher Weg, die Brücke zwischen Bitcoin und Euro zu schlagen. Ein richtiges Online Bankkonto, wie es Bitwala seit Dezember anbietet, war noch in weiter Ferne.

Der Zufall wollte es, dass Bitwala rasch umschwenken musste. Denn im Februar 2018 stellte Bitwalas Kartenpartner WaveCrest die Geschäftsbeziehung zu allen Krypto-Unternehmen ein. Das traf Bitwala mit seinen 80.000 aktiven Kunden hart.

„Plötzlich hatten wir unser Hauptprodukt verloren,“ berichtet Jörg. “Da dachte ich schon, das wird eine schwierige Sache. Aber unser Team, unserer Kunden und die Investoren haben weiterhin zu uns gehalten.“ Glücklicherweise war der Schritt zur Bitcoin-Bank schon lange vorgeplant. So wurde der Rückschlag zur Motivation, umso härter an einem echten Bank-Produkt zu arbeiten.

Sieht gut aus und ist einfach zu bedienen. Bitwala ist nun ein Online-Bankkonto. Aber nicht nur das …

Jetzt ist Bitwala live. Es funktioniert wie jedes andere Bankkonto: Man loggt sich ein, empfängt und versendet Geld per Überweisung oder als Dauerauftrag. Bitwala bietet gemeinsam mit dem neuen Bankpartner solarisBank, der Berliner Tech-Plattform mit Banklizenz, Online-Konto und eine Karte an, die zugleich Euro und Bitcoin führen.

So können Kunden per IBAN oder per Bitcoin-Adresse Geld empfangen und versenden. Beide Währungen dienen dazu, die neue Bitwala Card im Handumdrehen aufzuladen. Nutzerfreundlicher und sicherer geht Bitcoin derzeit nirgendwo – denn bei Bitwala sind Euro-Einlagen dank des Partners sogar bis 100.000 Euro gesetzlich abgesichert.

Mit Whitelabel und Multisig

Der Durchbruch ist, dass Bitwala eine Bitcoin-Wallet ins Girokonto integriert hat. Zur Verwaltung der Bitcoins wird eine Multisig-Adresse benutzt. Es gibt für diese drei Schlüssel – einer beim Kunden, einer bei Bitwala und einer bei einem „Depost Agent“ zur Sicherheit. Fürs Tagesgeschäft braucht man nur zwei der Schlüssel, um eine Transaktion zu signieren.

Ein Klick neben dem Bankkonto ist auch die Bitcoin-Wallet. So nah kam beides noch nie zusammen.

„So haben wir keine Kontrolle über die vollständigen Keys. Der Kunde kann seinen Seed-Schlüssel erstellen und ist dann in der Lage, ohne unsere Hilfe an sein Geld zu kommen – egal was ist.“ Für Bitwala war diese Lösung praktisch, weil es das Unternehmen von der Verantwortung befreit, die volle Sorge für die Sicherheit der Kunden-Bitcoins tragen zu müssen, während das Modell dem Kunden maximale Flexibilität gewährt.

Das Produkt kommt gut an. Nur wenige Tage nach der Bekanntgabe des Starts haben sich bereits knapp 40.000 Leute aus ganz Europa angemeldet. Seit Mitte Dezember beginnt Bitwala, die Konten freizuschalten. Dafür ist bei Bankkonten eine Identitätsprüfung nötig – diese geschieht per Videochat in wenigen Minuten.

Altcoins und eine konstruktive Zusammenarbeit

Für die Zukunft ist geplant, weitere Coins in das Konto zu integrieren. „Wir fangen mit Bitcoin an, logisch, aber wir planen, auch bald welche von den Top-25-Coins, die schon lange am Markt sind, aufzunehmen.“ Dabei wird natürlich geprüft, welche Coins sich am besten eignen. Bei ICO-Token will sich Bitwala allerdings zurückhalten.

Die Regulierung spielt Bitwala aktuell in die Karten. Nachdem die Firma kurz nach der Gründung ihren Hauptsitz nach Großbritannien verlegt musste, weil die Regulierung in Deutschland zu drückend war, ist Bitwala nun ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Berlin.

„In der Szene in Berlin hat sich sehr viel getan. Damals waren wir relativ unbeholfen, die Investoren haben sich gescheut und die BaFin war sehr restriktiv. Das hat sich jetzt vollkommen gedreht.“ Die BaFin reguliere sinnvoll und proaktiv, und die Gespräche durch den Lizensierungsprozess für Bitwalas Bankdienst seien an jeder Stelle konstruktiv gewesen. Auch dank dieser neuen Offenheit gelang es Jörg, mit der ersten Bitcoin-Bank Made in Germany weltweit Geschichte zu schreiben.

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