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BitPay zieht sich aus dem deutschen Markt zurück

Die kommende Regulierung zeigt schon jetzt Wirkung: BitPay, der weltweit größte Zahlungsanbieter für Bitcoin, verlässt den deutschen Markt. Wir zeigen, welche Alternativen es gibt.

Für viele deutsche Bitcoiner dürfte das Update einer Webseite von BitPay ein Schock sein. Die Seite erklärt, in welchen Ländern BitPay aus welchen Gründen nicht verfügbar ist. Der häufigste Grund sind Finanzsanktionen der USA, die es amerikanischen Unternehmen verbieten, mit Firmen der betroffenen Ländern zusammenzuarbeiten. Ein weiterer Grund ist es, wenn ein Land Bitcoin verboten hat.

Das Ergebnis ist, dass BitPay seinen Service in den folgenden Ländern nicht anbieten kann: Ägypten, Algerien, Bangladesch, Bolivien, Deutschland, Equador, Indonesien, Irak, Kampodscha, Kasachstan, Marokko, Nepel und Vietnam.

Da Deutschland also nun auch in dieser erlesenen Liste auftritt – wurde Bitcoin hierzulande nun verboten, ohne dass wir es mitbekommen haben? Die Antwort ist nein. Doch das regulatorische Klima hat sich offenbar so weit verschärft, dass BitPay nicht länger auf dem Markt bleiben kann. „Aufgrund unserer Interpretation der lokalen Regulierung und Gesetze haben wir uns entschieden, Deutschland derzeit zu verlassen. Wir werden aber das regulatorische Umfeld weiterhin beobachten und hoffen, dass die Lizenz, die ab 2020 erwartet wird, es uns und unseren Kunden ermöglicht, den Betrieb wieder aufzunehmen.“

Über die regulatorische Verschärfung hat die FAZ Ende Juli einen ausführlichen Artikel veröffentlicht. In diesem geht es um einen Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Umsetzung der Vierten EU-Geldwäscherichtlinie. Diese wurde von der EU bereits vor rund dreiJahren verabschiedet und wird in den kommenden Jahren von den nationalen Regierungen umgesetzt. Insgesamt verschärfen die neuen Geldwäschegesetze sehr viele Bereiche, unter anderem den Immobilien- und Kunsthandel, aber eben auch die Geschäfte mit Kryptowährungen. So ordnet der neue Gesetzesentwurf die Verwahrung von Kryptowährung als Finanzdienstleistung ein, was Unternehmen, die sich in diesem Bereich engagieren, dem Geldwäschegesetz unterordnet.

An sich ist das nicht direkt neu. Schon jetzt hat die BaFin einen Erlaubnisvorbehalt für Unternehmen, die mit Kryptowährungen arbeiten. Der neue Gesetzesentwurf macht dies lediglich zur Tatsache. Interessant ist, dass dabei nicht nur der Umtausch von Kryptowährungen in Fiatgeld zur Sprache kommt, sondern auch explizit die Verwahrung von Kryptowährungen bzw. -werten: „Verwahrung im Sinne dieser Vorschrift bedeutet die Inobhutnahme der Kryptowerte als Dienstleistung für Dritte. Erfasst sind damit vor allem Dienstleister, die Kryptowerte ihrer Kunden in einem Sammelbestand aufbewahren, ohne dass die Kunden selbst Kenntnis der dabei verwendeten kryptographischen Schlüssel haben.“ Regulatorisch bedeutet dies vor allem, dass die Gesetze und Listen dahingehend aktualisiert werden, dass auch Krypto-Unternehmen unter die Geldwäschegesetze fallen. Es ist, an sich, nichts neues, lässt aber Firmen, die auf die Verwahrung der privaten Schlüssel verzichten, ausreichend Schlupflöcher.

BitPay ist dabei insofern betroffen, als dass das Unternehmen die Kryptocoins von Händlern verwahrt, bei denen mit Bitcoin oder Bitcoin Cash bezahlt wird. Die Händler können sich die Bitcoins nach Ablauf einer bestimmten Zeit auszahlen oder in Euro wechseln lassen. Daher obliegt BitPay der nun kommenden Regulierung.

Für deutsche Bitcoiner ist diese Nachricht bitter. Schließlich benutzen einige der attraktivsten Akzeptanzstellen hierzulande BitPay, unter anderem Lieferando oder WirMachenDruck. Der Rückzug von BitPay ist für die hierzulande ohnehin schleppende Akzeptanz von Bitcoin im Handel ein harter Schlag. Die gute Nachricht ist jedoch, dass es zahlreiche Alternativen zu der amerikanischen Firma gibt. Beliebt sind etwa die Zahlungsdienstleister Coinify CoinGate oder GloBee die gegenüber BitPay den Vorteil haben, dass sie viele weitere Kryptowährungen akzeptieren. Bei CoinGate und GloBee kann man zudem mit Lightning bezahlen. Ebenfalls Lightning-fähig ist OpenNode, womit man allerdings nur Bitcoin annehmen kann.

Für manche Händler könnte der Rückzug von BitPay auch der Anlass sein, zum eigenen Herr seines Zahlungssystems zu werden. Es könnte ja gut sein, dass die anderen Anbieter dem Beispiel von BitPay folgen und über kurz oder lang den deutschen Markt verlassen. Wer hingegen sein Zahlungssystem selbst hostet, läuft keine Gefahr, erneut ohne Anbieter dazustehen. Eine oft genutzte Option für das eigene Zahlungssystem ist der BTCPayServer, der neben Bitcoin inklusive Lightning-Zahlungen auch einige weitere Altcoins unterstützt; auch Electrum lässt sich relativ einfach nutzen, um ein eigenes Zahlungssystem zu haben, das dank der hohen Kompatiblität von Electrum auch mit vielen weiteren Kryptowährungen geht. Für spezifische Währungen gibt es etwa RocketR, das sich auf Bitcoin Cash fokusiert, oder MoneyButton, das mit der Websocket recht sichere 1-Klick-Zahlungen mit Bitcoin SV ermöglicht. Wer ein wenig Erfahrung in der Webentwicklung hat, kann sich auch ziemlich einfach ein eigenes Zahlungssystem bauen, indem er wie ich auf bitcoin-buch.org einfach eine API eines Blockexplorers nach einer Transaktion fragt.

Angesichts der Fülle an Alternativen, die mehr Optionen oder mehr Autonomie als BitPay bieten, kann der Rückzug des Zahlungsdienstleisters aus Deutschland auch als Chance verstanden werden, um es in Zukunft besser zu machen. Ein Rückschlag für die Akzepzanz der Kryptowährung ist es aber dennoch.

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