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Bitcoin-Kurs wieder unter 10.000 Dollar. Wiederholt sich die Geschichte?

Der Bitcoin-Preis fällt nach einem zähen Ringen unter die 10.000 Dollar-Marke. Wir schauen uns das an, vergleichen es mit vergangenen Mustern und spekulieren, was der Start der Futures bei Bakkt für den Kurs bedeutet.

Fast den ganzen Sommer über war der Bitcoin-Kurs über 10.000 Dollar, meist auch über 10.000 Euro. Seit Juli fiel der Preis immer wieder unter 10.000 Dollar, brachen dann wieder nach oben aus, erreichte maximal 11.000 Dollar, fiel dann wieder, und so weiter. Der Kurs mäanderte recht eintönig um die 10.000 Dollar-Schwelle. Mal etwas drüber, mal etwas drunter. Gestern ist der Preis dann wieder unter die Marke gefallen, um heute bei etwa 9.700 Dollar zu stehen.

Der 7-Tages-Kurs des Bitcoin-Preises sieht nicht eben besonders erfreulich aus. Quelle: Coinmarketcap.com

Ist das nur vorübergehend – oder bleibt es erst einmal in diesen Regionen? Diese Frage können wir natürlich nicht beantworten. Rein gefühlsmäßig könnte man den Einbruch gestern als Niederlage der Bullen bewerten; es wurde schon die ganze Woche über gerungen und gezerrt, doch jeder Versuch, den Preis nach oben zu drücken, erreichte bei etwa 10.200 Dollar eine Grenze, während die allgemeine Tendenz eher abwärts ging. Dass die Bullen dann gestern die Position bei der 10.000 aufgegeben haben, könnte die Einleitung zu einem noch viel heftigeren Fall sein, der womöglich das Plateau zwischen 9.500 und 12.000 Dollar, das Bitcoin im frühen Sommer erklummen hat, wieder verlässt und erst bei 8.000 Dollar – und, im schlimmsten Fall, auch 5.000 oder noch weniger – seinen neuen Boden findet.

Hält Bitcoin dieses Plateau? 1-Jahres-Chart, ebenfalls von Coinmarketcap.

Aber all diese Symmetrien und irgendwie logische Weiterführungen von Linien auf einem Papier sind reine Spekulation. Da könnte man genauso gut den Kaffeesatz oder einen Kraken fragen. Wenn es eine Methode gäbe, vorher zu erkennen, was die Märkte machen, bräuchte man keine Märkte mehr. Daher schauen wir uns lieber an, wie die derzeitige Phase von Bitcoin im historischen Verlauf einzuschätzen ist.

Die Bitcoin-Epochen und der Preis

Bitcoin entwickelt sich extrem zyklisch. Alle vier Jahre halbiert sich der Blockreward, den die Miner erhalten, womit sich praktisch gesehen auch die Inflation halbiert. Damit kann man die Geschichte von Bitcoin in Epochen von je (etwa) vier Jahren einteilen. Jede dieser Epochen hatte bisher ihre Blase(n), ihren Bärenmarkt, ihre Bodenbildung und ihre Konsolidierung. Schauen wir und doch mal an, wie es bisher lief.

Die erste Blase hat sich im Frühsommer 2011 gebildet. Der folgende Chart zeigt den Kurs zwischen März 2011 und März 2013:

Der Kurs sank von der Spitze im Juni im Lauf der folgenden Monate drastisch ab, erreichte fünf Monate später einen Boden und stieg dann, etwa ein Jahr nach der Spitze der Blase, langsam wieder an. Als es Ende November 2012 zum ersten Halvening kam, war Bitcoin schon längst wieder im Auftrieb. Das Halving beschleunigte dies, um ein spekatuläres Jahr 2013 einzuläuten.

Im November 2013 erreichte der Preis eine weitere Spitze von etwa 11.000 Dollar. Von dort aus ging es ziemlich lange abwärts. Auf dem Boden setzte der Kurs im Januar 2015 auf, also gut 14 Monate später. Aber selbst fast 24 Monate nach der Blase, im Oktober 2015, war noch kein rechter Aufwärtstrend zu erkennen. In der zweiten Epoche dauerte eben alles länger. Wenn wir uns von November 2013 die folgenden 41 Monate anschauen, bekommen wir den gesamten Zyklus in den Blick:

Wie zu sehen ist, setzte der Aufwärtstrend ziemlich genau 24 Monate nach der ersten Blase, Anfang November 2015, ein. Der Preis stieg bis Anfang 2017 langsam und kontinuierlich an, um den Aufstieg dann zu beschleunigen. Das Halvening, das im Juli 2016 eintrat, bestätigte hier erneut die bereits bestehende bullische Tendenz. Die beiden Epochen nach 2011 und nach 2013 bilden also ein ähnliches Muster, allerdings zieht es sich nach 2013 über den doppelten Zeitraum hin. Eine solche Verlangsamung wäre plausibel: Je mehr Geld im Spiel ist, desto zäher bewegen sich die Märkte.

Allerdings scheint sich dies in der gegenwärtigen Epoche nicht zu bestätigen:

Der Kurs hat im Januar 2019 seinen Boden erreicht. Dies ist wie bei der vorhergegangenen Blase ungefähr 14 bis 15 Monate nach der Spitze. Soweit wiederholt sich die Geschichte. Während allerdings 2015 auf den Boden gut 10 Monate der Seitwärtsbewegung folgte, gab es im Jahr 2019 bereits nach etwa vier Monaten einen Ausbruch, der den Kurs von gut 3.000 auf mehr als 10.000 Dollar katapultierte – während der Aufwärtstrend es nicht schafft, einen ähnlich kontinuierlichen Schub aufzubauen wie bei den Epochen zuvor.

Versuchen wir mal, die 41-Monats-Charts übereinanderzulegen:

Die schwarz-bleiche Linie ist der Verlauf nach der Blase 2011, die lila-bleiche die nach der Blase Ende 2013, und die in der Mitte stehenbleibende grün-bleiche Linie der Kurs nach der Blase Ende 2017. Da der Anstieg am Ende der ersten Epoche so stark ausfällt, dass er den Chart unlesbar macht, haben wir auch die logarithmisch skalierten Kurse übereinandergelegt:

Möglicherweise hilft eine Überlagerung der 2-Jahres-Charts, mehr Klarheit zu erhalten:

In diesem Vergleich erkennen wir einige Gemeinsamkeiten und Unterschiede. So sehen wir nach den Blasen Ende 2013 und Ende 2017 eine sehr ähnliche Fahrt nach unten, die nach beinah demselben Zeitraum am Boden ankommen. Während aber die Epoche nach 2013 noch eine lange Seitwärtsphase einlegt, startet der gegenwärtige Kurs bereits im Frühsommer 2019 wieder durch – und trifft sich hier mit dem Kurs nach der Blase von 2011. Der allerdings hatte schon nach kürzerer Zeit den Boden erreicht und hatte eine längere Phase der Seitwärtsbewegung und des sanften Wachstums. Der Ausbruch des Bitcoin-Preises im Mai 2019 ist im Vergleich mit den beiden vorhergegangenen Epochen ein Ausreisser.

Eventuell könnte einen das zu der etwas pessimistischen Schlussfolgerung führen, dass Bitcoin in diesem Jahr zu kurz am Boden geblieben ist, und dass die Konsolidierung nicht lange genug anhielt, um schon zur Basis eines neuen Aufstiegs zu werden. Der Aufschwung zu gut 10.000 Dollar könnte, wenn wir richtig pessimistisch sein wollten, als eine besonders fiese Bullenfalle zu verstehen sein, ein Anstieg, der nur demonstriert, dass der Markt noch nicht bereit ist, und daher einen neuen Abstieg einleitet, der womöglich noch tiefer führt als der vorhergegangene. Erst dann wäre Bitcoin bereits, in die Konsolidierung zu gehen, die zur Basis eines neuen Auftriebs wird. Damit würde die gegenwärtige Epoche die Tendenz bestätigen, das die Zeiträume der Zyklen immer länger werden.

Auf der anderen Seite könnte der Ausreisser auch darauf hindeuten, dass die Märkte Blut geleckt haben. Die Investoren haben Bitcoin niemals aufgegeben oder abgeschrieben – wie in den Epochen zuvor – sondern lediglich auf einen Zeitpunkt gewartet, um wieder einzusteigen. Kaum jemand denkt heute noch, dass Bitcoin tot ist, während es in den vorangegangenen Bärenmärkten zum Branchensport von Ökonomen und Journalisten wurde, Bitcoin-Todesmeldungen zu schreiben. Und während in den Jahren 2012 und 2015 ein echtes Wachstum der Nachfrage durch Nutzung notwendig war, um den Kurs wieder anzutreiben – das braucht Zeit und baut sich nur langsam auf – ist die Nachfrage nun bereits da.  Von hier aus könnte man dann orakeln, dass ein Einbruch von dem 10.000-Dollar-Plateau selbst dann, wenn er auf 8.000 oder gar 5.000 Dollar führt, nur ein Schritt auf einer Treppe ist, über die der Kurs bereits zu neuen Höhen eilt.

Man kann aus den Charts also herauslesen, was man herauslesen möchte.

Der Einfluss der Futures auf Bakkt

Der Fall unter die 10.000-Dollar-Schwelle kam zu einem interessanten Zeitpunkt: Gestern Abend hat Bakkt nämlich den Handel mit Bitcoin-Futures eröffnet. Von diesen Futures wurde und wird gehofft, dass sie den weiterhin regulatorisch verhinderten ETF ersetzen und zur Schleuse werden, durch die das Geld der institutionellen Anleger in Bitcoin strömt.

Der erste Handelstag gestern brachte ein Volumen von etwa 70 Bitcoin, was nicht gigantisch ist, aber für den Anfang auch nicht so wenig. Für den heutigen Montag scheint das Volumen noch dünner zu sein, es gab bisher nur einen oder zwei Trades von zuletzt oder insgesamt 4 Bitcoin – der Chart ist hier nicht ganz eindeutig. Aber der Tag in den USA hat erst begonnen, daher sagt das noch nicht viel.

Welchen Einfluss hat Bakkt auf den Preis? Dies hängt natürlich vom Interesse der Anleger ab. Bisher wird der Preis auf den anderen Börsen gemacht, und Bakkt ist ein Kanal für einige Wale, um ihre Coins an die Anleger zu bringen. Solange Bakkt in dieser passiven Rolle bleibt und kein nennenswertes Volumen bindet, dürfte der Einfluss recht gering sein. Ich nehme an, dass dies solange so sein wird, solange der Kurs seitwärts geht oder fällt.

Bei einer neuen Rally könnte dies aber anders werden. Sobald der Preis wieder entschieden steigt, könnte Bakkt zu einem Portal werden, durch das eine sehr viel größere Anlegergruppe als bisher in die Angst einkaufen kann, den Anschluss zu verpassen. Daher könnte Bakkt tatsächlich zu dem Funken werden, der aus einem moderaten Anstieg eine Blase entfacht. Andererseits wurden die bisherigen Rallys von Privatanlegern getrieben, die bekanntlich die Neigung haben, Blasen zu bilden. Wenn über Bakkt nun zunehmend professionelle Investoren den Markt steuern, könnte dies auch dazu führen, dass die künftige Blasenbildung weniger dramatisch ausfällt.

Es gibt also auch hier nichts konkretes vorauszusagen. Man kann nur zuschauen, wie es weitergeht.

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