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August 19, 2019

Bitcoin tritt immer öfter in Fernsehserien auf – ein klares Zeichen dafür, dass die Kryptowährung zum stehenden Begriff der Gegenwartskultur geworden ist. Wir schauen uns einige Beispiele an und fragen, welche Bilder von Bitcoin die Serienkultur erzeugt.

Serien dürften das bedeutendste Medium der Gegenwart sein. Das Internet-Streaming löst das Fernsehen mehr und mehr ab, und plötzlich wird es möglich, eine Serie am Stück herunterzusuchten. Das macht nicht nur mehr Spaß, sondern eröffnet den Machern auch ganze neue Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen. Während der klassische Film mehr wie eine Kurzgeschichte wirkt, sind Serien ein langer Roman, den man für einige Wochen mit sich herumträgt, um bei jeder Gelegenheit darin zu versinken, während die Figuren ihre Persönlichkeit entwickeln und sich immer verzwicktere Geschichten entfalten.

Die Autoren der Serien greifen gerne aktuelle Ereignisse auf. Daher ist es kein Wunder, dass auch Bitcoin gelegentlich einen Auftritt hat. Nachdem ich in zwei Serien zufällig einer Bitcoin-Erwähnung begegnet bin, habe ich ein wenig recherchiert – und herausgefunden, dass unsere Lieblingswährung mittlerweile in zahlreichen Serien aufgetaucht ist. Mehr als ich aufzählen kann.

Dabei wird Bitcoin eher lapidar erwähnt. Also nicht im Sinne von „was ist das denn?“, sondern als im Alltag bereits gebräuchliches Wort. Bitcoin ist in der Mainstream-Kultur angeboten und muss nicht mehr erklärt werden. Wer nicht weiß, worum es sich handelt, hat etwas verpasst.

Im folgenden zähle ich ein paar Beispiele von Serien auf, in denen Bitcoin vorkommt. Dabei möchte ich vor allem herausfinden, welches Bild von Bitcoin transportiert wird.

Haus des Geldes

Haus des Geldes ist eine brillante spanische Netflix-Serie um einen großen Bankraub, die neben viel Action, Überraschungen, Liebe und Rührung auch eine feinsinnige Kritik am Fiat-Geldsystem und tolle Musik transportiert. Die Serie war 2017 so erfolgreich, dass sie sogar mit dem Remix von „Bella Ciao“ einen Sommerhit inspiriert hat. Ich kann das gut nachvollziehen, es gab selten ein Fernsehereignis, das mir mehr Spaß gemacht hat. Daher freue ich mich schon auf die dritte Staffel, die seit kurzem live ist.

Bitcoin wird in der dritten Folge der zweiten Staffel erwähnt. Eine Rückblende erzählt, wie der Professor und sein Team den Bankraub geplant haben. Dabei geht der Hacker der Gruppe, Rio, über Tor und ein VPN ins Darknet, um einen Darknet-Marktplatz zu besuchen: „Hier gibt’s alles, Granaten, Raketenwerfer, das ist wie ein Outlet, nur aus dem Arsenal der UDSSR, da, Panzer …“ Der Professor möchte ein Browning-Maschinengewehr, einige Sturmgewehre und Pistolen bestellen, aber Rio kommt ins Schwärmen: „Eine sowjetische V750 Rakete, die, das ist der Hammer … Eine V750 mitten in die Fresse der versammelten Bullen, boom, die bläst sie alle um, boom. Voll abgefahren, und gar nicht so teuer, 60 Bitcoins, das sind etwa 150.000 Euro oder so etwas.“

Obwohl Haus des Geldes indirekt sehr viel mehr mit Bitcoin und dem Geldsystem zu tun hat, als nur mit dem Darkweb, gibt es ansonsten keine Erwähnung der Kryptowährung. Ich habe mir beim Schauen oft gedacht, der Professor könnte sehr viel einfacher sehr viel mehr Geld einsacken, wenn er keine Bank ausraubt, sondern eine Kryptowährung gründet. Aber das wäre viel weniger spannend.

Designated Survivor

Designated Survivor ist ebenfalls eine Netflix-Serie, bei der es um einen politisch eher unbedarften Minister für Wohnungsbau geht, der wider Willen zum Präsidenten der USA wird, nachdem ein Terroranschlag den gesamten Kongress, inklusive des amtierenden Präsidenten, in die Luft gesprengt hat. Die erste Staffel macht sehr süchtig, einerseits eine Polit-Serie mit dem Charme von Washington, wie man es von House of Cards kennt, andererseits ein Akte-X artiger Verschwörungskrimi mit Anklängen an die 9/11 Theorien. Je mehr sich der „designierte Überlebende“ Tom Kirkman aber in die Rolle des Präsidenten einfindet, desto weniger Spaß macht sie, weil die Personen darin doch etwas einfach gezeichnet sind und man schließlich im Pathos von Kirkmans präsidialen Ansprachen ertrinkt.

In der ersten Folge der zweiten Staffel taucht hier Bitcoin auf. Die FBI-Agentin Hanna Wells sucht in Europa nach dem Erzschurken Patrick Lloyd. Nachdem sie einen verlassenen Raum mit Computern gefunden hat, erstattet sie dem Weisen Haus Bericht: „Ich bin in Amsterdam, zwölf Stunden nach Lloyd. Er hat einen Komplizen umgelegt, der für ihn Einkäufe erledigt hat. Auf seinem Computer war ein Bitcoin-Konto, auf das kurz vor seinem Tod zugegriffen wurde. Vor einer Woche wurden über dieses Konto Schwarzmarktcomputer im Wert einer halben Million Dollar gekauft.“

Auch hier kommt Bitcoin ansonsten gar nicht vor, obwohl es oft um Hacks und Hacker geht.

Big Bang Theory

In der äußerst amüsanten Serie um die mittlerweile doch schon gereiften Nerds widmet sich Folge 9 der 11. Staffel Bitcoin. Sheldon Cooper hat einen Artikel über Bitcoin in der Runde herumgemailt; Howard Wolowitz kommentiert ihn: „Es ist unglaublich, dass ein einzelner Bitcoin jetzt über 5.000 Dollar wert ist.“ Lennard Hofstadter fragt, „haben wir nicht vor ein paar Jahren Bitcoin-Mining betrieben?“ Alle stimmen zu, Lennard sagt: „Wir haben definitiv Bitcoins geschürft, ich habe das Programm geschrieben, wir haben eine Menge davon bekommen … wie haben wir das nur vergessen können?“

Danach gehen die Nerds in den Comicbuchladen. Sheldon fragt dort den Händler, ob er auch Bitcoins akzeptiert. Der weiß überraschenderweise nicht, was Bitcoins sind, und auch Raj Koothrappali, der nun auch dabei ist, kennt Bitcoins erstaunlicherweise nicht. Sheldon erklärt: „Es ist wie echtes Geld, nur dass man es nicht sehen, hören, anfassen oder ausgeben kann.“

Anschließend suchen sie die alten Bitcoins, die sie mal gemined hat. Wolowitz fährt seinen alten Laptop hoch, findet dort aber nichts. Schließlich holt Penny einen Laptop von Lennard wieder, den sie einem Freund, Zack, geschenkt hat, mit dem sie eine Affäre hatte, als sie kurzzeitig von Lennard getrennt war. Auf dem Laptop finden sie einen Bitcoin-Order.

Der aber ist vollkommen leer. Wer hat die Bitcoins gestohlen? Nach einigen Diskussionen bekennt sich Sheldon dazu: „Ich habe deinen Computer gehackt und deine Bitcoins auf einen USB-Stick geladen. Ich habe sieben lange Jahre gewartet, bis es endlich so weit ist.“ Sheldon hat die Coins – „das ist das beste daran“ – auf den Batman-USB-Stick an Lennards Schlüsselanhänger geladen. Der hat diesen jedoch mittlerweile verloren.

Am Ende findet der Comicbuchhändler in seinem Laden einen Batman-USB-Stick. Er freut sich: „Wenn ich den Inhalt lösche, kann ich ihn vielleicht für zehn Mäuse verkaufen.“

Weitere Serien

Es gibt noch zahlreiche weitere Beispiele für Bitcoin in Fernsehserien. Etwa in der Zeichentrickserie Family Guy. Hier beschwert sich die Mutter darüber, dass die Ersparnisse immer kleiner und kleiner werden, und meint, man müsse etwas tun. Der Vater schlägt „Bitcoin“ vor. Die Mutter erwidert aber nur, dass sie es ernst gemeint habe.

In der Serie OA – ich kenne sie nicht – bekommen, so wurde es mir erzählt, verrückte Kinder in der zweiten Staffel Ether als Taschengeld ausgehändigt. Das dürfte die einzige Erwähnung von Ether in Serien sein. Bei der Serie StartUp – ich kenne sie ebenfalls nicht – dreht es sich um, nun ja, ein Startup, das wohl ab der zweiten Staffel versucht, eine Kryptowährung zu bilden.

In der Mystery-Serie Supernatural erwähnt Dean Winchester einmal Bitcoin, im Sinne, dass es zu den üblichen Gründen gehört, weshalb Leute sich Sorgen machen („Klimawandel, Zucker, Bitcoins“). Bei den Simpsons erzählt Krustry der Clown einmal Lisa Simpson, warum er (mal wieder) pleite ist: „… großes Pech auf den Bitcoin-Märkten.“

Schließlich wäre da noch Mr. Robot, eine Serie um einen Hacker mit einer Persönlichkeitsstörung, der sich einem Netzwerk anschließt, das versucht, das Weltfinanzsystem zu zerstören. Dabei kommt Bitcoin wohl auch ausgiebig vor.

Mit Sicherheit gibt es noch weitere Serien. So dürften Kryptowährungen in der deutschen Netflix-Teenie-Serie „How to sell Drugs online (fast)“ ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Welches Bild hinterlassen die Serien?

Bitcoin ist in der breiten Kultur angekommen. Jeder weiß, dass es dieses neue Geld gibt, und auch so ungefähr, worum es sich dabei handelt. In den Serien tritt Bitcoin aber nur mit einigen sehr beschränkten Eigenschaften auf.

Bei Haus des Geldes geht es, wie seit 2013 üblich, um das Darknet und all die schlimmen Sachen, die man dort kaufen kann. Das dürfte mittlerweile längst zum Allgemeingut gehören. Ich wage zwar zu bezweifeln, dass es im Darknet Marktplätze für ehemalige Waffensysteme der Sowjetunion gibt. Mit der Referenz dazu überhöht die Serie vermutlich Bitcoins Bedeutung auf den Welt-Schwarzmärkten. Ob das jetzt gut oder schlecht ist – in der Mainstream-Kultur gilt Bitcoin bereits heute als das Geld des internationalen Cybercrimes.

Etwas interessanter ist die Erwähnung in Designated Survivor: Die Regierung hat dem Erzschurken Lloyd seine Konten und Unternehmen gepfändet. Dass er sich in Europa dennoch ein mächtiges Rechenzentrum aufbauen kann, verdankt er einem Notgroschen in Bitcoin. Die Kryptowährung gehört, so die Aussage, die man daraus ableiten könnte, ins Portfolio von jedem, der fürchtet, einmal von der Regierung verfolgt oder auf der Flucht zu sein, aus welchen Gründen auch immer. Es ist eine Backup-Währung, die auch dann noch funktioniert, wenn alles andere scheitert. Im Darknet kann man damit nicht nur illegale Dinge kaufen, sondern auch legale Sachen diskret erwerben. Dies zusammen macht die Erwähnung bei Designated Survivor etwas positiver als bei Haus des Geldes. Sie spricht auch die monetäre Autonomie an.

Big Bang Theory dagegen thematisiert vor allem den Preis-Anstieg von Bitcoin – sowie die oft durch die Medien gegangenen Geschichten von Leuten, die ihre Bitcoins verloren haben. Damit spricht die Serie an, dass Bitcoins so, wie Dateien oder Bargeld, auch gestohlen und verloren werden können. Das könnte man schon beinah einen Beitrag zum Bildungsauftrag nennen, auch wenn Bitcoin, natürlich, auch verspottet wird: Ein Geld, mit dem man nirgendwo bezahlen kann.

Insgesamt finden wir also vier Eigenschaften von Bitcoin in Serien wieder: Das Geld des Darknets, ein autonomes Geld, das nicht eingefroren werden kann, ein Geld, dessen Wert im Lauf der letzten Jahren extrem gestiegen ist, und ein Geld, das man wie Bargeld verlieren oder vernichten kann. Das ist noch längst nicht alles, und zum Teil werden gerade die positivsten Aspekte von Bitcoin ignoriert – aber es ist auch nicht ganz so schlecht, wie man befürchten könnte.

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