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April 25, 2019
Dienstleistungen Nachrichten

20% – 30% – 50%: Die Preise springen hart nach oben

Am 2. April ist der Bitcoin-Kurs um rund 20 Prozent gestiegen. Als die anderen Kryptowährungen nachzogen, wurde daraus das stärkste Preis-Event seit langem. Wir schauen uns an, was genau passiert ist – und was womöglich dahinter steckt.

In der Nacht vom ersten auf den zweiten April zündeten parallele Bitcoin-Kauforder auf mehreren Börsen die Kursrakete. Ein unbekannter Käufer – oder ein Konsortium von Käufern – hat zum gleichen Zeitpunkt mit Käufen auf vielen Börsen Bitcoins für mehr als 100 Millionen Dollar gekauft. Der Kurs reagierte sofort; europäische Bitcoiner konnten am Morgen des 2. April fassungslos-freudig feststellen, dass der Bitcoin-Preis um beinah 20 Prozent gestiegen war.

Der Bitcoin-Euro-Preis im 7-Tages-Chart bei Bitcoin.de

Zunächst drückte dies den Preis der anderen Kryptowährungen in Bitcoin deutlich. Kurz darauf zogen diese jedoch nach, die einen stärker, die anderen schwächer. Es ist spannend, den Chart anderer Coins nicht in Dollar, sondern in Bitcoin zu betrachten. Dies zeigt den Ablauf des Preis-Events in aller Deutlichkeit.

Der Preis von Dash in Bitcoin im 7-Tages-Chart auf Coinmarketcap.com

Während etwa Dash und Ethereum nur kurz wieder ihren zuvorigen Kurs in Bitcoin erreichten, um dann wieder abzufallen und Ripple sogar noch unter das Niveau am frühen Morgen des 2. Aprils fiel, konnten Bitcoin Cash (BCH), Litecoin (LTC) und Bitcoin SV (BSV) nach einem kurzen Knick massive Gewinne verbuchen. Bitcoin SV zeigt die Delle, die der Sprung von Bitcoin hinterlässt, ebenso klar wie den darauf folgende Anstieg um rund 20 Prozent.

Kurs von BSV in BTC. Quelle: ebenfalls Coinmarketcap.

Bei Bitcoin Cash dagegen ist der Knick kaum noch zu sehen. Auf den kurzen Einbruch folgte eine geradezu wahnwitzige Rally mit Gewinnen von ungefähr 50 Prozent in Bitcoin.

BTC-Preis von BCH im 7-Tages-Chart. Quelle ebenfalls coinmarketcap.

In Euro betrachtet konnte Bitcoin Cash seinen Preis seit Anfang des Monats beinah verdoppeln. Dies macht BCH zum unumstrittenen Gewinner dieses Preisereignisses. Zwar sind die Verluste im Einjahres-Verlauf weiterhin gravierend, und auch der Verfall des Preises, den die Hardfork im November auslöste, ist weiterhin nicht aufgeholt. Dass BCH ein eindeutiges Jahreshoch erreicht, könnte aber ein Hinweis darauf sein, dass die Währung dabei ist, sich von dem Schaden, den sie Ende letztes Jahr erlitten hat, zu erholen.

Europreis von Bitcoin Cash im 1-Jahres-Verlauf auf Bitcoin.de.

Ist das Ende des Bärenmarktes damit besiegelt?

Die gesamte Konstellation ist hochinteressant und könnte Hinweise auf die psychologische Verfassung der Märkte geben. Dass jemand eine Massenorder für Bitcoin abgibt, kann vorkommen. In einem Bärenmarkt – der durch Pessimismus gekennzeichnet ist – endet das in der Regel mit der berühmten „Bart Simpson Formation“: Der Kurs schießt nach oben, bildet ein paar Zacken, um dann wieder dorthin zu fallen, wo er begonnen hat. Stattdessen aber blieb Bitcoin nach einem kurzen Einknicken von der Spitze nicht nur dort, wo er war, sondern stieg weiter.

Auffällig ist auch der Durchfluss der Rally an die Altcoins. Wäre der Markt pessimistisch, würde er den Bitcoin-Preis hinnehmen oder absahnen. Dass er stattdessen die Kursgewinne von Bitcoin an die allermeisten Altcoins weitergibt – im Falle von Bitcoin Cash, Bitcoin SV und Litecoin sogar im Übermaß – deutet darauf hin, dass der Markt seinen Optimismus für Kryptowährungen als Ganzes wieder entdeckt hat. Die gesamte Marktkapitalisierung aller Währungen stieg im Lauf dieser Woche um mehr als 30 Milliarden Dollar. Das deutet darauf hin, dass die Trader bereits in den Startlöchern gesessen haben; die verteilte, große Kauforder für Bitcoin war nicht die Ursache, sondern lediglich der Auslöser der Rally.

Dieser Eindruck wird durch einen Blick auf das Handelsvolumen verfestigt. Das von Coinmarketcap berichtete gesamte Volumen von beinah 90 Milliarden Dollar in 24 Stunden ist das höchste, das jemals gemessen wurde. Auch wenn man Zweifel an der Aussagekraft dieser Daten haben kann, da ein Großteil des Volumens wohl gefälscht ist, zeigt dies doch eine massive Aktivität der Märkte. So als würden sie aus dem Winterschlaf erwachen und sich gleich mit Volldampf auf die Orderbücher stürzen.

Globaler Preis aller Kryptowährungen in der Langzeitansicht auf coinmarketcap. Man beachte die grauen Volumenbalken, die in den letzten Tagen ein Allzeithoch erreicht haben.

Aprilscherze, Ursachen und Auslöser

Die eine, wichtige Frage ist aber noch offen: Warum? Warum springt der Preis plötzlich? Gibt es Ursachen und Auslöser? Wie immer kann man darüber nur spekulieren; diesmal jedoch finde ich es so schwer wie nie, dafür Theorien zu finden. Es gab kein spezielles Ereignis für Bitcoin. In den Medien wurde spekuliert, dass ein April-Scherz des Magazins Finance Magnatates für die Rally verantwortlich gewesen sein; das Magazin hatte – gar nicht so orginell – getitelt, dass die SEC die Bitcoin-ETFs von VanEck und Bitwise gestatte. Man darf aber bezweifeln, dass dies wirklich die Ursache für den Kursanstieg war; in jedem Fall reicht ein missverstandener April-Scherz nicht aus, um zu erklären, weshalb die Märkte dem Anpfiff geradezu ekstatisch folgen.

Ich würde sagen, der Markt war ganz pauschal bereit. Die Preis sind mehr als ein Jahr lang gefallen, haben Anfang des Jahres einen Boden erreicht und gehen von dort aus tendenziell nach oben. Ein solches Plateau ist eine perfekte Gelegenheit für Investoren, die seit einiger Zeit einsteigen wollen, aber bisher noch Zweifel daran gehabt haben, durch weiter fallende Preise ein Verlustgeschäft zu machen.

Während es also nicht viel über den Kursanstieg an sich zu spekulieren gibt, könnte man einige Theorien zu den einzelnen Inkarnationen spinnen. So haben etwa Ethereum, Ripple und Stellar recht schwach abgeschnitten und insgesamt mehr oder weniger deutlich im Verhältnis zu Bitcoin verloren – wohingegen die Bitcoin näherstehenden Währungen wie Bitcoin Cash, Litecoin und Bitcoin SV massiv gewonnen haben, und auch Dash recht passabel davonkommt. Dies könnte zeigen, dass die Märkte weniger an Smart Contracts oder stärker zentralisierten Blockchain-Protokollen interessiert sind, als an auf Bitcoin basierenden „Geld-Systemen“. Der hohe Ansturm auf BCH, LTC und BSV könnte zudem darauf hinweisen, dass die Märkte der von Bitcoin (BTC) favorisierten Variante, nicht durch die Blockgröße, sondern durch Lightning zu skalieren, nicht unbeschränkt vertrauen, sondern sich durch Bitcoin-Varianten mit einer größeren Blocksize absichern.

Der sehr auffällige Gewinn von Bitcoin Cash lässt sich damit erklären, dass BCH, trotz aller Turbulenzen und Nöte durch die Hardfork, weiterhin wunderbar funktioniert. Es hat sich an sich nicht viel verändert, das Ökosystem ist weitgehend intakt und hochaktiv; dies würde Bitcoin Cash bei Preisen unter 200 – und vielleicht auch unter 300 Euro – zum Schnäppchen machen.

Aber wie immer ist all das Spekulation. In den seltensten Fällen kann man präzise erklären, weshalb sich die Preise aufwärts oder abwärts bewegen. Man kann sich jedoch, zumindest in diesem Fall, darüber freuen.

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